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Guten Morgen Israel – Wie geht es weiter?

Während ich wieder in meinem Büro in Jerusalem sitze, habe ich mir ein paar Gedanken zu unserem neuen Alltag gemacht, nicht nach, sondern mit Corona

Guten Morgen Israel – Wie geht es weiter?
Miriam Alster/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Mein Arbeitsplatz während der Heimarbeit

Eine neue Woche beginnt, die zweite Woche in der Redaktion hier in Jerusalem. Jetzt ist er wieder da, der Alltagstrott. Mein Wecker klingelt jetzt wieder um halb sechs, damit ich um 6:15 Uhr meinen Bus nach Jerusalem schaffe. Ein großer Vorteil der Heimarbeit war der extrem kurze Weg zur Arbeit, die Treppen runter und dann scharf rechts abbiegen und schon war ich in der Küche. Dort stand mein Laptop, auf dem Esstisch, von wo ich einen guten Überblick hatte. Rechts von mir der schöne Blick in den Garten mit den sogenannten „südlichen Hügeln von Modiin“, gleich links von mir der Kühlschrank, vielleicht der strategisch wichtigste Punkt in der Zeit der Corona-Ausgangsbeschränkungen.

Aber Spaß beiseite. Meine heutige Busfahrt verlief wieder sehr zügig und ich konnte auch wieder alleine sitzen. In Tagen, wo das Virus noch immer besonders hier in Jerusalem sein Unwesen treibt, ist es gut, alleine zu sitzen. Leider verstehen nicht alle, wie sie ihre Maske tragen sollen, besonders bei der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. So näherte ich mich neulich einer Busstation, wo eine Frau stand, mit der Maske unter ihrem Kinn. Und ausgerechnet in dem Moment, wo ich an ihr vorbeilief, passierte es: „Hatschi!“ Die Frau nieste mit voller Leidenschaft. Ich war zum Glück schon wieder relativ weit entfernt von ihr und zunächst etwas schockiert (ja, ich gehöre zu denen, die die Gefahr des Coronavirus ernst nehmen), doch dann konnte ich mir auch ein Grinsen nicht verkneifen, das man ja Dank meiner Maske nicht sehen konnte.

Eine Kollegin erzählte mir eine weitere Geschichte aus einem Bus. Sie war auf dem Weg zum Büro, als eine Frau in den Bus stieg, ohne Maske und damit gegen die Vorschriften. Als sie dann begann, kräftig und lautstark zu Husten, wandte sich ein Fahrgast an sie mit der Bitte, eine Maske zu tragen. Dies wurde von der Frau jedoch nur mit einer Sammlung von Schimpfwörtern kommentiert. Der Fahrgast machte daraufhin seine Drohung war und rief die Polizei an. Wenige Minuten später wurde der bis angehalten und Polizisten baten die maskenlose Frau, auszusteigen. Ob sie mit einer Verwarnung davongekommen ist, konnte mir meine Kollegin nicht sagen.

Haltestelle in Jerusalem
So ist es richtig – eine Haltestelle in Jerusalem

Ja, das ist er nun, unser Alltag. Leider scheint es kein Alltag nach Corona zu sein, denn in den letzten Tagen steigen die Zahlen der mit dem Virus Infizierten wieder deutlich an. Gestern wurde mit 160 neuen Coronakranken ein neuer Rekord für die Zeit nach Beginn der Rückkehr in den Alltag erreicht. Für morgen war nun die Wiederaufnahme des Betriebs der Eisenbahn geplant, aber ob das tatsächlich passieren wird, ist jetzt noch nicht klar. Unsere riesige Regierung will heute darüber beraten. Dabei wird das Gesundheitsministerium auch einen neuen Direktor bekommen. Dieser muss sich auch mit der Frage beschäftigen, was mit dem Schulunterricht passieren soll, wo die meisten neuen Coronafälle verzeichnet wurden. 106 Schulen wurden bereits wieder geschlossen.

Aber trotz allem haben die Israelis an diesem Wochenende die Rückkehr in den Alltag genossen. Zu tausenden strömten sie in die Naturparks und an die Strände, die wegen Überfüllung zeitweise geschlossen werden mussten. Besonders am See Genezareth war es sehr voll. Die Anweisung, zwei Meter Abstand voneinander zu halten, scheint dabei in Vergessenheit geraten zu sein. Das Wetter konnte für die Ausflüge in die Natur nicht besser sein und auch in den nächsten Tagen soll es sommerlich bleiben, wie es sich für den Monat Juni gehört.

Video: Das Volk Israel ist wieder unterwegs – Naturparks, See Genezareth, Kirschen im Kibbutz En Siwan, Flohmarkt in Haifa, Jerusalemer Berge, Judäische Wüste und auch im Negev

 

Und hier ist das Wetter für heute in Israel:

Meistens sonnig und noch etwas wärmer. Der Sommer ist da. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 32 Grad, Tel Aviv 28 Grad, Haifa 28 Grad, Tiberias am See Genezareth 37 Grad, am Toten Meer 37 Grad, Beersheva 37 Grad, Eilat am Roten Meer 42 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist am Wochenende um weitere anderthalb Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209.005 m unter dem Meeresspiegel, es fehlen nun 20,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Wir werden sehen, wie es weitergeht. Auch mir ist klar, dass wir uns nicht ständig zu Hause einsperren können, das Leben muss weitergehen, auch mit Corona. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch im Namen meier Kollegen von Israel Heute einen wunderbaren Sonntag. Bleiben Sie gesund.

 

Schalom aus Jerusalem!