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Guten Morgen Israel – Isolation von oder Isolation mit?

Seit Corona verbringen wir viel mehr Zeit mit der Familie zu Hause, mit Freunden umso weniger.

Guten Morgen Israel – Isolation von oder Isolation mit?
Yehonatan Valtser/TPS

Bild: Leerer Spielplatz in Bet Schemesch 

Boker Tov liebe Leser!

Wir sind heute von vielen Menschen und Dingen isoliert, die wir bisher als normal betrachtet haben, während wir gleichzeitig mit den Menschen und Dingen isoliert sind, die sich in unserem Haus befinden.

Wer eine Familie hat, verbringt wahrscheinlich viel mehr Zeit mit ihr, als es vor Corona der Fall war, während man sehr viel weniger Zeit mit Freunden und Familie außerhalb seines Hauses verbringt. Wie gerne würde ich meine kleinen Kinder zu ihren Großeltern bringen, die sich liebevoll um sie kümmern würden, da sie sie schon so lange nicht gesehen haben. Ich hingegen hätte gerne Urlaub von meinem Job als Babysitter – aber keine Chance.

Ich habe zwar ein Arbeitszimmer, in das ich mich einschließe, aber geschlossene Türen sind für kleine Kinder lediglich ein Hindernis, das überwunden werden muss und nicht ein Eintritts-Verbot.

„Papa, ich will trinken!“ höre ich vor meiner Tür. Gefolgt vom Versuch die verschlossene Tür zu öffnen. Die Tür gibt nicht nach, aber auch Sarah gibt nicht nach und ich kann hören, wie sie sich an die Türklinke hängt und mit der Schulter gegen die Tür drückt.

„Geh zu Mami, sie gibt dir etwas!“, rufe ich zurück.

„Mami kann gerade nicht!“

Ich stehe auf, bevor die Türklinke abfällt, gehe in die Küche und gebe Sarah etwas zu trinken.

„Papa!“, ruft Racheli als sie mich erblickt und stürzt sich auf mich, als hätte sie mich jahrelang nicht gesehen.

„Papa!“, ruft nun auch Naomi und läuft mit ausgestreckten Armen auf mich zu.

Oy wey, ich muss doch zurück an die Arbeit, aber wie kann ich mich dieser geballten Liebe widersetzen? Alle drei Mädchen hängen jetzt an mir und wollen mich nicht zurück ins Arbeitszimmer lassen.

„Spiel mit mir!“ Sagt Racheli und zieht mich an der Hand in Richtung Kinderzimmer.

„Ja, spiel mit uns!“, ruft Sarah und schiebt mich von hinten in Richtung Kinderzimmer.

Naomi klatscht voller Freude in die Hände und ich schaffe es einfach nicht, mich ihnen zu entziehen. Ich setze mich mit den Kleinen auf den Boden und nehme mir eine Puppe. Mein Plan ist, kurz mit ihnen zu spielen und dann, wenn sie ganz im Spiel aufgegangen sind, werde ich mich wegschleichen.

„Die Prinzessin hat Geburtstag und wir machen eine Party für sie,“ klärt mich Sarah auf. „Du bist der Prinz und kommst zur Party,“ sie drückt mir einen Playmobil Feuerwehrmann in die Hand.

„Hallo, herzlichen Glückwunsch Prinzessin!“, sage ich und setze den Feuerwehrmann/Prinz auf einen Stuhl neben den mit Plastikessen gedeckten Tisch. An der Party nehmen weiterhin 3 Barbies, ein rosa Teddybär, ein Kuscheldrache, ein Tschiburaschka und natürlich die Prinzessin, die größte aller unserer Puppen, teil. Das macht Spaß und die drei Mädchen sind schnell mitten im Spiel und merken kaum, dass ich mich aus dem Zimmer schleiche, um etwas über den Thoraabschnitt dieser Woche zu schreiben.

In unserem Abschnitt Tasria-Mezora geht es vor allem um eine Aussatz-Plage, die in der Bibel Tsaarat genannt wird. Es ist ein schwieriger Abschnitt, da es diese Plage, die am Menschen, auf Kleidung und an Gebäuden haften kann, heute nicht mehr gibt. Sie scheint jedoch so wichtig zu sein, dass die Bibel sehr viel Platz für ihre Beschreibung und Heilung verwendet.

Es ist im Text auch nicht ganz klar, was diesen Aussatz verursacht, aber die jüdische Tradition nennt Loschon Hara als Grund für Tsaarat. Loschon Hara kann als üble Nachrede übersetzt werden, wörtlich ist es einfach schlechte Rede. Wer in biblischen Zeiten schlecht über jemanden sprach, bekam anscheinend einen Ausschlag. Daraufhin musste er zu einem Kohen/Priester gehen, der den Ausschlag prüfte und dem Patienten eine Heilung verschrieb, die unter anderem eine siebentägige Isolation erforderte.

Zu ihrem Glück mussten diese Leute alleine in die Isolation und konnten ihre kleinen Kinder zu Hause lassen. So konnten sie in Ruhe über ihre Fehler nachdenken, ohne dass dauernd an ihre Tür geklopft wurde. Ich würde auch gerne in Ruhe über etwas nachdenken und zum Beispiel ein passendes Ende zu diesem Text schreiben, aber ich höre, dass Naomi schon seit einiger Zeit weint und sich wahrscheinlich wehgetan hat. Ich schaue mal kurz.

 

Das Wetter für heute in Israel:

Nachdem es sich gestern deutlich abgekühlt hatte, wird es heute wieder wärmer, besonders im Zentrum und im Inneren des Landes. Im Norden können einige Regentropfen fallen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 23 Grad, Tel Aviv 28 Grad, Haifa 22 Grad, Tiberias am See Genezareth 27 Grad, am Toten Meer 28 Grad, Beersheva 33 Grad, Eilat am Roten Meer 29 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und bei –208.925 m unter dem Meeresspiegel, es fehlen noch 12,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze! Vielleicht wird der für das Wochenende angesagte Regen noch etwas ändern.

Ein Blumenfeld im Süden des Landes

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen ein angenehmes Wochenende und einen gesegneten Schabbat.

Schabbat Schalom aus Bet Schemesch!