Guten Morgen Israel – Es reicht!

Mütter haben hier bei uns unter den ganzen Corona-Bestimmungen besonders zu leiden. Ich weiß, wovon ich spreche, ich bin eine dieser Mütter.

Guten Morgen Israel – Es reicht!
Tomer Neuberg/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Es soll heute sehr warm werden, bis zu 24 Grad werden erwartet. Diese Temperaturen sind herrlich und bedeuten uns gerade in der Zeit des Lockdowns unendlich viel. So können die Kinder schon morgens in den Garten gehen, sei es um in der Pause zu spielen oder gleich die Zoom Meetings dort abzuhalten. Wo man hinhört, wird seit Monaten nur noch über Corona, die Bestimmungen, Lockdowns, Quarantäne und was es sonst noch alles mit sich bringt gesprochen. Aber ein ziemlich dramatisches Thema wird dabei total ignoriert. Und deswegen habe ich mich dazu entschieden darüber zu schreiben. Ich gebe heute allen israelischen Müttern eine Stimme!

Sie müssen sich erstens vorstellen, dass in Israel die Familien viel mehr Kinder haben als in Ihren Ländern. Sogar die säkularen Israelis haben im Durchschnitt über drei Kinder. Dazu kommt, dass in Israel fast alle Mütter 100 % arbeiten, nicht wie ich es von Freundinnen aus der Schweiz höre, welche 20 % oder max. 30 % arbeiten, wenn überhaupt. Sie können sich nun den normalen Alltag (noch vor Corona) bei uns bestimmt vorstellen und nachvollziehen, dass es hier oftmals viel hektischer zu und hergeht. Seit März wurden jedoch die Schulen x-mal über mehrere Wochen/Monate geschlossen. Das heißt, dass die Kinder seit März nicht nur für die meiste Zeit zu Hause waren, nein, sie müssen lernen und haben einen ziemlich fordernden Lehrplan.

Die Kinder kleben viel zu viel am Bildschirm

Falls Sie selbst nachrechnen wollen; ab Ende März waren die Kinder über einen Monat zu Hause, kehrten danach für knapp eineinhalb Monate zurück in die Schule, bevor sie dann wieder 2 Monate lang Sommerferien hatten. Seit September (Schulanfang) geht kaum noch was; ab Oktober waren sie auch wieder über einen Monat zu Hause, im Dezember u.a. Chanukkaferien und wie sie wissen sind wir kurz danach in unseren 3. Lockdown gegangen, was heißt, dass die Kinder seit Ende Dezember wieder nur daheim sind. Sie beginnen täglich um 8:00 morgens mit den Zoom Meetings und sind meistens nicht vor 13:00 fertig. Dazu kommen x Hausaufgaben in jedem Fach und dies alles digital. Die Kinder sind also dazu verdonnert über Monate täglich von Morgen bis Mittag in den Bildschirm zu starren um so am „Schulunterricht“ teilzunehmen. Doch was bedeutet das alles für uns Eltern? Und in den meisten Fällen v.a. für uns Mütter?? Dass viele von uns von zu Hause aus arbeiten müssen, und wie z.B. in unserem Fall fünf Kinder zu Hause sind, vier davon Schüler. Das heißt, seit März müssen wir nicht nur die strenge Aufgabe als arbeitstätige Mütter leisten, sondern auch noch über Monate Lehrer spielen.

Die Schulen sind seit einer Ewigkeit geschlossen

Da wir in einem Dorf wohnen, sind wir sehr oft draußen und ich treffe mich mit vielen Müttern auf den Spielplätzen. Egal mit wem ich rede, ob sie nun 3 Kinder oder mehr haben; es sind alle an ihren Grenzen angelangt und können einfach nicht mehr. Eine Mutter erzählte, dass ihr Mann sie seit Monaten hauptsächlich nur noch weinend sieht. Eine andere Mutter musste vor ein paar Tagen notfallmäßig in den Spital, Diagnose: starker Migräneanfall wegen zu vielem Stress. Eine Andere meinte, dass wir Gott sei Dank mit den Kindern noch zu den Spielplätzen gehen können, da dies noch der einzige Ort sei, wo die Kinder nicht an ihr kleben und sie so noch ein bisschen zur Ruhe kommt. (Wir wissen alle, dass ein Spielplatz „normalerweise“ nicht wirklich der geniale Ort ist um zur Ruhe zu kommen). Eine weitere Mutter geht jeweils, wenn ihr alles zu viel wird ins Auto, um runterzufahren, damit sie ihre Wut und Überforderung nicht unkontrolliert an den Kindern rauslässt. Meine Nachbarin hat zwei kleine Kinder und ihr Mann arbeitet seit Monaten nur noch Nachtschicht, damit er auf die Kinder aufpassen kann, wenn sie morgens zur Arbeit fährt!! Es ist einfach kein Zustand, wir können nicht mehr. Wir werden langsam über unsere Grenzen hinaus gebracht. Und glauben Sie mir, die meisten israelischen Mütter arbeiten nicht 100 % aus Spaß oder Langeweile, sondern weil sie müssen. Ein ganzer Lohn geht in der Regel für die Miete oder Hypothek drauf. Und den zweiten braucht man zum (Über)leben.

Mütter protestieren gegen die geschlossenen Kindergärten, “es reicht mit den Bildschirmen”, “Kinder brauchen einen Rahmen”, heißt es auf  den Schildern.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die ganzen Bestimmungen, Gesetze, Lockdowns in Bezug auf Corona so viel mehr Schaden angerichtet haben, anrichten und noch anrichten werden, als das Virus selbst jemals hätte anrichten können. Es gehen so viele Familien daran kaputt. Und den Kindern fehlt das soziale Umfeld, die Freunde, die sie sonst täglich in der Schule treffen. Ich weiß von vielen Teenagern, die nur noch zu Hause vor dem Bildschirm sitzen. Wenn nicht für die Schule, dann zum gamen. Und das wird fatale Folgen haben.

Es muss bald und dringend eine Änderung geben, denn wir Mütter und Väter können nicht mehr lange so weitermachen – wir sind an unseren Grenzen angelangt. Und wie die Kinder sich dabei fühlen, können Sie sich bestimmt vorstellen. Alles, was ich geschrieben habe, ist die Spitze eines Eisberges, ich könnte noch sooo viele weitere Beispiele nennen. Vielleicht ein andermal mehr dazu..

Aber nun zurück zum Anfang meines Artikels, dem Wetter, ein weitaus schöneres Thema!

 

Das Wetter für heute in Israel

Heute wird es noch einmal angenehm warm, bevor dann der Regen wieder zurückkehren wird, um uns daran zu erinnern, dass wir uns im Winter befinden. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 19 Grad, Tel Aviv 25 Grad, Haifa 22 Grad, Tiberias am See Genezareth 25 Grad, am Toten Meer 23 Grad, Beersheva 25 Grad, Eilat am Roten Meer 25 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren  Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei – 209,64 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen nur noch 84 Zentimeter  bis zur oberen Grenze!

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Mittwoch. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Na’ale!

 

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