Guten Morgen Israel – Bibelpsychologie

Israel steht kurz vor seinem dritten Lockdown und für mich heißt es wieder, 24/7 kleine weinende Mädchen managen.

von Michael Selutin | | Themen: Guten Morgen, Bibel
Tel Aviv Foto: Miriam Alster/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Die Kinder langweilen sich zu Hause, streiten sich um Spielsachen, lassen mich nicht arbeiten und sind einfach sehr anstrengend. Besonders nervenaufreibend ist ihre Obsession mit Ausmalbildern von My little Pony, die ich ihnen auf meinem Computer ausdrucken muss. Da sie viele schon mehrmals ausgemalt haben, wird es für sie im Laufe der Zeit immer schwieriger, ein Ausmalbild auszusuchen, und die Suche nach neuen Bildern dauert gefühlte Jahrzehnte.

„Ich will Prinzessin Twilight Sparkle!“, ruft Racheli.

„Das?“, frage ich hoffnungsvoll, während ich mit der Maus auf ein Bild zeige.

„Nein!“

„Das?“

„Nein!“

„Das?“

„Nein!“

„Sarah, hast du schon eins gefunden?“

„Nein!“

„Du, Naomi?“

„Ich will Cocomelon!“

„Uff!“ Ich öffne ihr auf meinem zweiten Bildschrim Ausmalbilder von Cocomelon, aber jetzt sind die drei Mädchen von der Auswahl überwältigt.

„Ich weiß nicht, was ich nehmen soll!“, ruft Sarah ganz aufgeregt.

Michael und Kinder

„Ich will das Baby von Cocomelon!“ ruft nun Racheli, während sie auf meinen Schreibtsich steigt und mit dem Finger auf meinen Monitor klopft. Gut, dass ich ihr gestern während meiner Mittagspause die Fingernägel geschnitten habe. Schnell hebe ich sie vom Tisch und drucke das Baby von Cocomelon aus bevor sie es sich wieder anders überlegt. Die anderen beiden schauen noch ganz untentschlossen auf die zwei Monitore und Racheli hockt vor dem Drucker, wo ihr Cocomelon-Baby langsam Gestalt annimmt. Auf diese Weise geht es noch sehr lange weiter. Ich sollte noch erwähnen, dass das Ausmalen selbst nur einige Minuten dauert und wenn die Mädchen damit fertig sind, stürmen sie wieder in mein Arbeitszimmer, um mir ihre ausgemalten Ponys und Cocomelon-Babys zu zeigen.

Zum Glück gibt es die Thora, die bei jeder Lebenslage Hilfe bietet. In unserem Abschnitt dieser Woche, Wajigasch, lesen wir, dass auch Joseph ein schweres Leben hatte. Wie ich, hatte er eine viel zu große Familie, die ihm viele Schwierigkeiten bereitete. Anders als ich hatte Joseph jedoch, der in der jüdischen Tradition Joseph Ha Zaddik (der Rechtschaffende) genannt wird, eine gute psychologische Konstitution, die es ihm ermöglichte, mit seinen Herausforderungen fertig zu werden. Anstatt seinen Brüdern Vorwürfe zu machen, sein Schicksal zu beweinen und nach jahrelangem Sklavendienst und Gefängnisaufenthalt depressiv zu werden, tat er etwas, das in der modernen Psychologie „Refraiming“ genannt wird. Er interpretierte seine Situation auf positive Weise. Als er seinen Brüdern gegenübersteht und sich ihnen als Joseph enthüllt, sagt er:

„Ich bin Joseph, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt! Und nun bekümmert euch nicht und macht euch keine Vorwürfe darüber, daß ihr mich hierher verkauft habt; denn zur Lebensrettung hat mich Gott vor euch her gesandt! Denn dies ist das zweite Jahr, daß die Hungersnot im Land herrscht, und es werden noch fünf Jahre ohne Pflügen und Ernten sein. Aber Gott hat mich vor euch hergesandt, um euch einen Überrest zu sichern auf Erden, und um euch am Leben zu erhalten zu einer großen Errettung. Und nun, nicht ihr habt mich hierher gesandt, sondern Gott: Er hat mich dem Pharao zum Vater gesetzt und zum Herrn über sein ganzes Haus und zum Herrscher über das ganze Land Ägypten.“

(1. Mose 45, 4-8)

Mit dieser positiven Interpretation seiner Situation befreit er nicht nur sich selbst von negativen Emotionen, sondern auch seine Brüder von der Schuld, mit der sie bisher gelebt haben. Er sah sein Leben nicht als schmerzvolles Familiendrama, sondern als Teil eines großen Plans, der die Weltgeschichte verändern würde.

Leider bin ich nicht Joseph und ich erkenne keinen großen historischen Plan in meinem täglichen Familiendrama. Allerdings erkannte vielleicht auch Joseph das große Ganze erst, als alle Puzzlestücke an ihrem Platz waren, bis dahin hat er einfach weitergemacht und gehofft, dass es bald besser wird. Das werde ich in diesem Lockdown ebenfalls tun, während ich nach Möglichkeiten suche, meine Situation positiv zu bewerten. Wer Ideen hat, kann sie gerne in den Kommentaren hinterlassen. Und nun das Wetter.

Die Sonnenstrahlen genießen – Tel Aviv, diese Woche

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bewölkt bis heiter mit einem leichten Anstieg der Temperaturen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 14 Grad, Tel Aviv 21 Grad, Haifa 18 Grad, Tiberias am See Genezareth 20 Grad, am Toten Meer 21 Grad, Beersheva 18 Grad, Eilat am Roten Meer 26 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen halben Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei  – 209.88 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 108 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen ersten Weihnachtstag und einen gesegneten Schabbat. Bleiben Sie gesund.

 

Schabbat Schalom aus Bet Schemesch!

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