Feiertagsblues

von Michael Selutin

Sommerferien sind zu Ende, es beginnen die Feiertage

Tel Aviv Foto: Yossi Aloni/Flash90

Gute Morgen liebe Leser!

Gerade sind meine Kinder zurück in die Schule und den Kindergarten gegangen und schon bleiben sie während der Feiertage wieder zu Hause. Am kommenden Dienstag und Mittwoch feiern wir das jüdische Neujahr, Rosch HaSchana, zehn Tage später Jom Kippur und in der folgenden Woche sieben Tage Sukkot.

Erzählen Sie es bitte niemandem, aber diese Tage sind sehr anstrengend und obwohl es Feiertage sind, ist mir nicht nach Feiern zumute. Natürlich dürfen die Kinder dies nicht wissen, für sie muss ich gute Miene machen und an den Feiertagen ganz happy sein.

Es ist natürlich meine Schuld, dass ich die Feiertage nicht so sehr genieße, denn wenn ich mich mehr mit den Hintergründen der Feiertage beschäftigen würde, wäre ich viel motivierter. Noch habe ich einige Tage Zeit, vielleicht werde ich es noch tun und in der nächsten Woche über meine Erfolge berichten.

Zum Beispiel sagt die jüdische Tradition, dass am Rosch HaSchana das Einkommen des Menschen für das folgende Jahr festgelegt wird. Egal, wie sehr ich mich auch bei meiner Arbeit anstrenge, meine Parnassa (Einkommen) ist bereits vorbestimmt. Das ist eine sehr gute Motivation beim langen Gebet dieses Feiertags so richtig einzusteigen, aufzugehen und Gott mit meinen Tränen zu überfluten.

Weiterhin beinhaltet das Wort Parnassa nicht nur Geld, sondern auch eine Art Erfüllung im Beruf. Eine gute Parnassa bedeutet also nicht nur genügend Geld zu verdienen, sondern auch Erfüllung und Freude an seiner Arbeit zu haben. Sicherlich etwas, wofür man voller Motivation beten kann.

Im Kindergarten wurde schon für das Neujahrsfest gelernt. 

Nach dem Morgengebet am Rosch HaSchana, das etwa drei bis vier Stunden dauert, gibt es zu Hause wie an jedem Feiertag ein Festmahl. Natürlich hängt das Festliche an diesem Mahl davon ab, wie viel man vorher vorbereitet hat und da sich die produktivste Ehefrau von allen und ich uns dauernd mit unseren Kindern herumschlagen, ist unser Festmahl eher ein Festmählchen.

Die Kinder essen auch sowieso nichts. Für sie ist das ganze Mahl eine viel zu lange Einleitung für den Nachtisch. Ein jüdisches Festmahl (Se’udah mit Betonung auf dem u) beginnt mit dem Segen über einem Glas Wein, oder Traubensaft. Das macht mittlerweile unser großer David und die drei kleinen Mädchen sitzen noch relativ artig am Tisch, während sie darauf warten, ihren Becher Traubensaft zu trinken.

Auch zum NeuJahr gibt es eine Challah und es werden Kerzen angezündet

Danach waschen wir uns die Hände mit einem Becher mit zwei Henkeln, sagen einen Segen und essen Challah, das traditionelle Brot für den Schabbat und die Feiertage. Dazu gibt es Salate, Humus, andere Dips, Oliven und nach guter alter deutscher Tradition, Kohlrabi in Scheiben geschnitten. Keines der Mädchen mag Salate, Sarah (7) isst gerne Oliven, aber nur wenn sie sehr hungrig ist. Manchmal schaffen wir es nach langen Verhandlungen ein Kind zu überreden ein Stück Kohlrabi zu essen, aber im Grunde könnten wir diesen Gang auch weglassen.

Beim nächsten Gang gibt es Fleisch mit Beilagen, meist Huhn mit Reis oder Kartoffeln. Während ich alles schön kleinschneide habe und auf die Teller der Mädchen verteile, stehen sie auf und beginnen zu spielen. Wie bekomme ich sie wieder zurück zum Tisch? Ich habe da einen Trick. Ich schreie ganz laut, „Schokoeis!“ und alle kommen herbei gestürzt. Suchend schauen sich die Mädchen auf dem Tisch um und blicken mich fragend an, wenn sie kein Eis entdecken.

„… für alle, die ihr Hähnchen aufessen!“ setze ich meinen Satz fort.

Seufzend setzen sich die Kinder dann an den Tisch und beginnen sich unmotiviert ihr Essen in den Mund zu schaufeln. Dieser Trick klappt auch nach Jahren immer noch, es scheint, das Wort Schokoladeneis erzwingt in Kindern eine freudige Reaktion, auch wenn sie sich Sekunden später daran erinnern, dass es nur ein Trick von mir ist. Diese ersten Sekunden reichen aus, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen und sie an den Tisch zu locken.

Schließlich räumen wir die halbvollen (vielleicht sollte ich positiver sein und halbleeren sagen) Teller der Kinder ab und es gibt endlich den lang ersehnten Nachtisch. Dafür setzen sich die drei Mädchen an ihren kleinen rosa Plastiktisch, den sie nach Herzenslust vollkleckern dürfen. Die drei kleinen Damen sitzen dann wie in einem Café zusammen, genießen ihr Eis und unterhalten sich über ihr Eis.

Die erschöpfteste Ehefrau von allen, David und ich sitzen währenddessen am großen Tisch und unterhalten uns wie Erwachsene. Ich halte diese Gespräche jedoch kurz, denn mich erwartet ebenfalls eine Art Nachtisch. Ich darf nach dem langen Gebet, dem vielen Essen und der Arbeit als Kellner für die Kinder, einen Mittagsschlaf machen.

Auf ein frohes neues Jahr!

Mit letzter Kraft spreche ich das Tischgebet nach einer Se’udah und schleppe mich ins Schlafzimmer. Ich ziehe die Gardinen zu, stopfe mir Ohrenstöpsel tief in die Ohren und falle meist in einen langen Schlummer. Klingt eigentlich gar nicht so schlecht. Ich werde Ihnen in der nächsten Woche berichten, wie sich unsere Se’udah wirklich abgespielt hat.

Und jetzt das Wetter.

 

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bewölkt bis heiter ohne eine bemerkenswerte Veränderung der Temperaturen, es bleibt sommerlich warm, wie es sich für die Jahreszeit gehört.  Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 29 Grad, Tel Aviv 31 Grad, Haifa 28 Grad, Tiberias am See Genezareth 36 Grad, am Toten Meer 36 Grad, Beersheva 34 Grad, Eilat am Roten Meer 39 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist sweiter gesunken und liegt jetzt bei – 210,08 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 1,28 Meter bis zur oberen Grenze.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen ein angenehmes Wochenende, einen gesegneten Schabbat und schon jetzt einen guten Rutsch ins neue Jahr!

 

Schabbat Schalom aus Bet Schemesch!

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