Erinnerungen an den Sommer 2011

Vor zehn Jahren bin auch ich mit meiner Familie auf die Straßen gegangen, um gegen die hohen Lebenskosten in Israel zu protestieren. Hat es etwas gebracht?

von Dov Eilon |
Teuer oder nicht, auf dem Markt in Jerusalem wird immer eingekauft. Haben wir eine andere Wahl? Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Der Sommer ist da, vom Wetter gibt es in dieser Zeit normalerweise nicht viel Aufregendes zu erzählen. Es ist immer warm, an einigen Tagen noch wärmer und so richtig heiß und danach wieder einfach nur warm. Die Klimaanlage arbeitet jetzt deutlich mehr bei uns, bis es uns etwas zu kühl wird. Dann schalten wir sie einfach ab bis zum nächsten Mal. Es ist ein ewiges Hin und Her. Ich bin auf die nächste Stromrechnung gespannt.

Hier bei uns wird in letzter Zeit viel darüber gesprochen, wie teuer es doch in Israel ist. Anlass dazu ist der zehnte Jahrestag der Massendemonstrationen vom Sommer 2011, bei denen bis zu einer Million Menschen auf die Straße gegangen waren, um gegen die hohen Lebenskosten zu protestieren. Jetzt fragt man sich, ob diese Demonstrationen überhaupt etwas gebracht haben. Denn auch heute ist das Leben in Israel alles andere als billig.

Angefangen hatte alles mit der Erhöhung des Preises für den hier bei uns so beliebten Cottage Käse. Das war der Trigger für die größten Volksproteste, die es je in Israel gegeben hatte. Die Proteste vereinigten alle Bevölkerungsschichten, denn alle litten und leiden auch heute unter den hohen Lebenskosten im Land. Auch ich war zusammen mit meiner Frau und unseren Kindern zu den Demonstrationen gegangen, obwohl ich eigentlich nicht der Typ dafür bin. Bis dahin hatte ich nie gegen irgendetwas demonstriert. Aber bei diesem Thema fühlte ich mich direkt betroffen. Ich hatte mich schon immer über die großen Preisunterschiede im Vergleich zu Deutschland aufgeregt. Da ich jedes Jahr mindestens zweimal in Deutschland bei meinen Eltern war, hatte ich immer einen guten Vergleich. Ich konnte nie verstehen, warum die Milch bei uns etwa das Sechsfache kostet. Oder warum ein Fruchtjoghurt in Deutschland für 29 Cent zu haben ist, in Israel aber mehr als ein Euro dafür verlangt wird. Das sind nur zwei Beispiele.

Einer der Massenproteste gegen die hohen Lebenskosten im Sommer 2011. Auch ich war mit dabei.

Wir waren uns damals sicher, dass diese beeindruckenden Massenproteste Erfolg haben werden. Was den Cottage Käse angeht, waren sie es auch. Der Preis ist heute noch billiger als damals im Jahr 2011. Und sonst? Sonst ist alles teuer. Ein junges Paar hat heute keine Chance, sich eine Wohnung zu kaufen. Die Preise für Lebensmittel sind teuer geblieben. Hier und da kann man einige Sachen etwas billiger bekommen. Die Regierung hat für einige Produkte, darunter Fleisch und Käse, steuerfreie Einfuhren aus dem Ausland erlaubt, diese Produkte müssen dann von dem Importeur zu einem bestimmten Preis angeboten werden, der vom Staat festgelegt wird. Und tatsächlich kann man heute Fleisch und einige Käsesorten billiger erwerben als damals. Aber insgesamt, denke ich, sind die Lebenskosten in Israel noch immer viel zu hoch.

Es ist irgendwie komisch, dass man heute für den Preis von einem Kilo Käse ins Ausland fliegen kann. Da stimmt irgendwas nicht. Aber ich möchte mich jetzt nicht weiter beschweren. Auch, wenn das Leben hier teurer ist, bin ich glücklich in diesem Land. Ich habe es nie bereut, vor fast 33 Jahren nach Israel gekommen zu sein. Ich liebe das Leben hier, auch ohne Fruchtjoghurt.

Die Demonstrationen von 2011 waren wirklich beeindruckend, auch wenn sie nicht unbedingt unsere Probleme gelöst haben. In Jerusalem fanden diese Proteste meistens an der Balfour-Straße statt, dort, wo im letzten Jahr immer die Bibi-Gegner demonstriert hatten. Da waren es allerdings deutlich weniger Demonstranten. Der teure Cottage Käse war wohl wichtiger als „Nur-nicht-Bibi“. Und jetzt das Wetter, auch wenn es nicht viel Neues gibt.

 

Das Wetter für heute in Israel

Sommer, Tel Aviv

Teilweise bedeckt bis heiter mit einem leichten Rückgang der Temperaturen. Es bleibt aber weiter sommerlich warm. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 28 Grad, Tel Aviv 29 Grad, Haifa 28 Grad, Tiberias am See Genezareth 35 Grad, am Toten Meer 37 Grad, Beersheva 33 Grad, Eilat am Roten Meer 39 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um weitere zweieinhalb Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209,625 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 82,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Sonntag. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Modiin!

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