Empfehlung in Deutschland: Juden sollten lieber keine Kippa tragen

Juden sollten an bestimmten Orten in Deutschland lieber keine Kippa tragen, warnte der Bundesbeauftragte für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus.

Empfehlung in Deutschland: Juden sollten lieber keine Kippa tragen
Yoav Ari Dudkevitch/Flash90

Vor dem Hintergrund des wachsenden Antisemitismus wies der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus Felix Klein die Juden an, an bestimmten Orten in Deutschland keine Kippa zu tragen.

Angesichts des wachsenden Antisemitismus in ganz Europa und insbesondere in Deutschland war es für Klein an der Zeit, die Juden vor dem Tragen der jüdischen Kopfbedeckung zu warnen, weil sie geradezu zu antisemitischen Verbrechen und Gewalttaten einlädt.

„Leider hat sich meine Meinung im Vergleich zu früher geändert“, sagte er in einem Interview, das am Samstag in den deutschen Zeitungen der Funke-Mediengruppe veröffentlicht wurde. „Ich kann Juden nicht empfehlen, ihre Kippa jederzeit und überall in Deutschland zu tragen.“ Klein gab jedoch nicht an, welche Orte oder Zeiten gefährlich sind.

Der bayerische Innenminister Joachim Hermann wies Kleins Äußerungen zurück. „Jeder kann und sollte eine Kippa tragen können, wann immer er will, egal, wo er gerade ist“, sagte er. Gleichzeitig schloss sich der Vorsitzende der Jewish Agency, Isaac Herzog, dessen Zurechtweisung an: „Es ist unfassbar, dass Juden in Deutschland 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus Angst um ihr Leben ihre Kopfbedeckung nicht mehr tragen können.“

Im vergangenen Jahr forderte der Vorsitzende des Zentralrats der deutschen Juden, Josef Schuster, die jüdische Öffentlichkeit auf, keine Kippot zu tragen. „Grundsätzlich ist es richtig, eine Kippa zu tragen, aber es ist besser, sie in großen Städten in Deutschland nicht zu tragen. Ich empfehle, einen Hut oder eine andere Kopfbedeckung aufzusetzen“, sagte er.

Schusters Äußerungen waren eine Reaktion auf einen antisemitischen Anschlag in Berlin, bei dem ein Muslim zwei jüdische Jugendliche angriff, nachdem er bemerkte, dass sie eine Kippa trugen. Der Vorfall wurde von einem der Jugendlichen dokumentiert, der den Muslim mit seinem Handy dabei filmte, wie er den jungen jüdischen Mann mit seinem Gürtel schlug, und ihn auf Arabisch verfluchte.

Israelischer Staatspräsident reagiert

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin äußerte sich heute zu der Empfehlung, dass deutsche Juden in der Öffentlichkeit lieber keine Kippa tragen sollten.

„Die Aussage des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, es wäre besser, wenn Juden zu ihrer Sicherheit in Deutschland keine Kippa tragen würden, hat mich zutiefst schockiert.

Die Verantwortung für das Wohlergehen, die Freiheit und das Recht auf freie Religionsausübung aller Mitglieder der deutsch-jüdischen Gemeinde liegt bei der Bundesregierung und ihren Strafverfolgungsbehörden. Wir würdigen die moralische Position der deutschen Regierung und ihr Engagement für die dort lebende jüdische Gemeinde an und schätzen sie. Ängste um die Sicherheit deutscher Juden sind jedoch eine Kapitulation vor dem Antisemitismus und ein Eingeständnis, dass Juden auf deutschen Boden nicht sicher sind.

Wir werden uns niemals unterwerfen, unseren Blick niemals senken und niemals gegenüber dem Antisemitismus kapitulieren – und erwarten und fordern, dass unsere Verbündeten auf die gleiche Weise handeln.“

Foto:Yoav Ari Dudkevitch/Flash90

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