Viele haben versucht, das jüdische Leiden in christlichen Begriffen zu interpretieren. Einige Christen haben sogar von der Ausrottung der sechs Millionen als einer Art Kreuzigung gesprochen. Das jüdische Leiden wird auf eine mystische Weise zum leidenden Leib Christi.
Als Karol Wojtyla 1979 als Papst Johannes Paul II. nach Krakau kam, nannte er Auschwitz das „Golgatha der modernen Welt“. Eine solche christliche Spiritualisierung ist zwar in ihrer Empfindung lobenswert, eliminiert aber nur alles Jüdische von dem Ort, an dem die Juden selbst eliminiert wurden. Denn wenn Jesus in Auschwitz gewesen wäre, wäre er als namenloses Opfer mit einer Nummer am Arm gestorben.
Rick Wienecke, ein christlicher israelischer Künstler, der sich selbst als „messianisch“ bezeichnet, schreckt nicht vor dem Bild der Kreuzigung zurück, auch nicht in seiner Beziehung zum Holocaust. Angesichts der langen Geschichte des Christentums, das die Juden als Peiniger ihres Erlösers beschuldigt, statt als „Brüder“, die sein Schicksal teilten, ist die Suche nach Jesus unter den ermordeten Massen des Holocausts bewundernswert und ernüchternd.
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