Bei einem überraschenden Truppenbesuch an der westlichsten Spitze des sogenannten Netzarim-Korridors machte Generalstabschef Lt.-Gen. Eyal Zamir unmissverständlich klar: Die militärische Phase sei zwar zeitweise angepasst worden, doch ein endgültiges Ende der Operation gebe es nicht. „Die Operation ist nicht vorbei. Wir müssen jederzeit wachsam sein und kampfbereit bleiben“, sagte Zamir bei der Übung und dem anschließenden Briefing vor Soldaten und Kommandeuren.
Zamir erklärte, es gebe «keinen Waffenstillstand, sondern eine Änderung der operativen Lage», weil die politische Führung versuche, militärische Erfolge in politische Ergebnisse zu verwandeln. Gelinge dieser politische Prozess nicht, werde die Armee wieder in die Offensive gehen. Zugleich betonte er, dass die IDF ihre Mission fortsetze — dabei aber die Leben der Soldaten schützen wolle.
Bei dem unangekündigten Manöver simulierte die Truppe einen Angriff auf ein Vorposten-Gefechtsstand und absolvierte Einsatzprozeduren unter Realbedingungen. Zamir machte deutlich, dass auch nach eventuellen Vereinbarungen die Armee die operative Kontrolle über vordere Gebiete behalten werde, um Handlungsfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit zu bewahren.
Einen besonderen Stellenwert in seinen Worten nahm die Frage der Reservisten ein: Zamir lobte ihren Einsatz in den vergangenen zwei Jahren und versprach verstärkte Unterstützung für Reserveeinheiten und deren Familien. Außerdem bezeichnete er die mögliche Freilassung der noch 48 Geiseln als „bedeutenden Erfolg“ und als eines der zentralen Ziele dieses Krieges: „Wir hoffen, bald alle 48 Geiseln zuhause zu sehen; das ist ein moralisches, ethisches und nationales Gebot.“
„Vor zwei Jahren erlebten wir das traumatischste Ereignis unserer Geschichte. Wir werden nicht zu den Tagen vor dem 7. Oktober zurückkehren“, sagte Zamir. „Wir verändern die Realität im Nahen Osten — in allen Einsatzgebieten. Wir werden keine Bedrohungen dulden. Wir befinden uns in der Offensive und eliminieren unsere Feinde, wo immer sie sich formieren.“
An dem Besuch nahmen unter anderem der Befehlshaber des Südkommandos, Maj.-Gen. Yaniv Asor, der Leiter der Technologie- und Logistikdirektion, Maj.-Gen. Rami Abudraham, der Kommandeur der 99. Division, Brig.-Gen. Yoav Bruner, sowie Kommandeure der 10. und 11. Reservistenbrigaden teil. Die Präsenz der Führungsspitze vor Ort sendet ein klares Signal: Militärische Bereitschaft und politische Verhandlungen laufen parallel — und beide Seiten bleiben eng miteinander verwoben.
Die Botschaft aus Gaza ist doppelt: Nach innen soll den Truppen vermittelt werden, diszipliniert und vorbereitet zu bleiben; nach außen richtet sich die Warnung an Hamas — und an jene, die eine schnelle politische Lösung erzwingen wollen. Die Armee behält sich ausdrücklich die Option vor, in eine neue Offensive zurückzukehren, sollte die politische Lösung die Sicherheitsinteressen Israels nicht ausreichend absichern.




