Die Behauptung des Irans, ein nuklearer Schwellenstaat zu sein, sollte geglaubt werden

Nachdem ein hochrangiger iranischer Beamter behauptet hat, Teheran sei bereits in der Lage, eine Atombombe zu bauen, erklären Analysten gegenüber JNS, dass sie “technologisch gesehen sehr, sehr nahe dran sind”.

von David Isaac | | Themen: Iran
Illustration einer iranischen ballistischen Rakete. Foto: Allexxandar/Shutterstock

JNS) Der Iran kann nach Belieben eine Atomwaffe herstellen, erklärte der ehemalige iranische Außenminister Kamal Kharrazi am Sonntag. Stunden später ging Mohammad-Javad Laridschani, ein hochrangiger Berater des iranischen Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei, noch weiter und sagte, dass, wenn Teheran eine Atombombe bauen würde, “niemand uns aufhalten könnte … und sie wissen das”.

Analysten erklärten gegenüber JNS, dass diese iranischen Offiziellen beim Wort genommen werden sollten.

“Ich glaube, dass das, was Kharrazi sagt, zutrifft”, sagte Eyal Pinko, Dozent an der Bar-Ilan Universität und Experte für nationale Sicherheit in Israel. “Es geht um die Entscheidung, die Bombe zu bauen, und um wenige Wochen dies umzusetzen.

Yossi Kuperwasser, Brigadegeneral (a.D.) der israelischen Verteidigungsstreitkräfte und Mitarbeiter am Jerusalem Center for Public Affairs, stimmt dem zu.

“Der Iran kann die Entscheidung treffen. Es wird einige Zeit dauern [eine Waffe zu produzieren], aber technologisch gesehen sind sie sehr, sehr nah dran”, sagte er gegenüber JNS. “Sie haben es geschafft, Uran auf 60 Prozent anzureichern, was extrem nahe an 90 Prozent [Waffenqualität] ist. Und sie haben fortschrittliche Zentrifugen, die dies [die Anreicherung von 60 Prozent auf 90 Prozent] in sehr kurzer Zeit erreichen können”, sagte er.

Zwei aktuellen Berichten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)  zufolge, verfügt der Iran bereits über genügend angereichertes Uran, um eine Bombe zu bauen.

Siehe: IAEA-Chef klagt: Der Iran wird nuklear werden

Kuperwasser sagte, dass der Iran neben seinen Anreicherungsbemühungen wahrscheinlich auch an anderen “notwendigen Technologien” arbeitet. Er wies darauf hin, dass Teheran Fortschritte bei der Herstellung von Uranmetall – einer Schlüsselkomponente einer Atomwaffe – gemacht, Sprengkapseln getestet und Pläne für den möglichen Einsatz eines nuklearen Sprengkopfes mit einer seiner vorhandenen Raketen, der “Shahab 3”, entwickelt habe.

“Und das sind nur die Dinge, von denen wir wissen”, sagte er.

Pinko von Bar-Ilan wies darauf hin, dass jedes Atomprogramm aus drei Hauptkomponenten besteht: “Die erste ist die Rakete oder der Sprengkopfträger. Der Iran hat diese Fähigkeit schon vor vielen Jahren entwickelt. Das zweite ist das Waffensystem, das den Nuklearprozess ermöglicht und in Gang setzt. Die im Jahr 2018 durchgeführte Mossad-Operation, bei der alle Dokumente und CDs aus dem Iran beschafft wurden, zeigt, dass der Iran über dieses System verfügt. Die dritte Komponente, das hochangereicherte Uran, hat die IAEO im Mai 2021 bestätigt.”

Obwohl der Iran noch nicht über Atomwaffen verfügt, sagte Kuperwasser, habe die Islamische Republik die nukleare Schwelle bereits überschritten.

“Das war immer der Unterschied zwischen uns Israelis und den Amerikanern. Die USA sagten, der Iran dürfe keine Atomwaffen haben. Wir sagten, dass der Iran nicht einmal die Fähigkeit haben sollte, eine Atomwaffe zu produzieren, denn wenn man erst einmal die Fähigkeit dazu hat, könnte man versuchen, sie tatsächlich zu bauen”, so Kuperwasser.

Der einzige Grund, warum der Iran seine Atomwaffenfähigkeit bisher nicht offengelegt hat, ist laut Pinko, dass er Sanktionserleichterungen will.

Die Europäer lassen sich auf das “diplomatische Spiel” ein, weil sie das iranische Atomprogramm nicht als Bedrohung für sich selbst sehen und führte fort “sie sind auch sehr daran interessiert, mit dem Iran Geschäfte zu machen. Für sie hat der Iran ein riesiges Marktpotenzial”.

Kuperwasser betonte, dass sowohl Europa als auch die Vereinigten Staaten eine Konfrontation mit dem Iran vermeiden wollen. “Sie glauben, dass das Regime in einigen Jahren vielleicht verschwinden wird. Natürlich ist das alles Wunschdenken”, sagte er.

Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden habe der Iran die Grenzen immer weiter überschritten und sei von einer Urananreicherung von 20 % auf 60 % übergegangen, erklärte der Experte und fügte hinzu,

“jetzt sprechen sie über die nächste Stufe, 90 %”

Die Iraner fühlen sich ermutigt, weil die westlichen Länder bisher nicht angemessen reagiert haben, so sein Fazit und fordert

“ab einem bestimmten Punkt muss jemand den Iranern sagen: Genug ist genug, ihr müsst hier aufhören'”, sagte er.

Israel müsse “aufwachen” und Washington klarmachen, dass seine Weigerung, sinnvolle Schritte gegen Teheran zu unternehmen, von den Iranern als “grünes Licht, noch weiter zu gehen” interpretiert werde, so Kuperwasser. “Die Zeit, etwas zu tun, ist jetzt gekommen. Wir werden nicht warten, bis sie 90% angereichertes Uran haben und erst dann handeln. Das wäre völlig unverantwortlich”, mahnte er.

Er verwies auf die Äußerungen vom Sonntag des Generalstabschefs der IDF, Generalleutnant Aviv Kochavi hin, der erklärte, es sei ein “moralischer Imperativ” für Israel, eine militärische Option gegen den Iran vorzubereiten.

Pinko warnte, dass ein iranisches Atomprogramm “eine völlig neue strategische Ära für den Nahen Osten” einläuten würde. Als Atommacht “wird sich niemand mit dem Iran anlegen. Und die nukleare Fähigkeit wird ihnen erlauben, noch aggressiver zu handeln”, und erläuterte, “der sunnitische Block, somit die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Ägypten, wird nicht in Ruhe gelassen werden”, resümierte Pinko und forderte,

“sie werden dem Iran etwas entgegensetzen müssen. Ein Wettrüsten wird beginnen.”

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