Der Einfluss der USA auf israelische Proteste

Die Proteste, die Bibis Rücktritt fordern, haben den Siedepunkt erreicht und reflektieren stark die amerikanischen Proteste

Der Einfluss der USA auf israelische Proteste
Yehonatan Valtser/TPS

Die Jerusalemer Polizei hat am Dienstagabend 34 Randalierer verhaftet, die sich an Protesten gegen Premierminister Benjamin Netanjahu beteiligt hatten. Die Demonstranten, die seinen Rücktritt fordern, versammelten sich um die offizielle Residenz des Premierministers im Stadtzentrum, blockierten die Zufahrtsstraßen und gerieten mit der Polizei aneinander.

Die Ausschreitungen vom Dienstagabend waren die neusten in den letzten Tagen in Tel Aviv und Jerusalem. Die Organisatoren der Demonstrationen haben unterdessen angekündigt, ihre Kampagne zur Amtsenthebung Netanjahus fortzusetzen.

In den Augen der Demonstranten kämpfen sie für das Überleben des Staates Israel selbst.

Viele Demonstranten scheinen von der jüngsten Welle von Unruhen in den USA im Zusammenhang mit dem Tod von George Floyd beeinflusst zu sein.

Vor der Knesset kletterte eine von ihnen am Dienstagabend auf die berühmte Menora, das Staatssymbol neben dem Eingang zum Parlament, und entblößte sich, während sie mit einem roten Hemd winkte.

 

 

Die Schändung nationaler Symbole ist ein Markenzeichen dieser neuen Welle von Demonstrationen, sowohl hier als auch in den USA.

Die Frau, eine Sozialarbeitsstudentin in ihren 20ern, erzählte am Mittwoch dem Nachrichtenportal Ynet, dass sie von einer Demonstrantin in Portland inspiriert worden sei, die sich vor einigen Tagen während einer Demonstration in den USA entblößt hatte. Ein anderer Protestler erklomm ebenfalls das nationale Symbol und schwenkte eine rote Fahne.

Die Vorfälle in den USA machen die wiederholte Missachtung von nationalen Symbolen deutlich. Ein Demonstrant in der Nähe der Knesset wurde gesehen, wie er eine Antifa-Flagge schwenkte. Ein anderer marschierte mit der Maske eines Schweinekopfes und ahmte möglicherweise Demonstranten in den USA nach, die einen echten Schweinekopf trugen.

Israelische Linke haben Netanjahu lange Zeit einen “schweinischen Kapitalismus” vorgeworfen, konnten aber nicht viel argumentieren, während Israels Wirtschaft florierte. Die Auswirkungen von COVID-19 haben ihnen eine neue Chance eröffnet.

Auch bei vorangegangenen Anti-Netanjahu-Demonstrationen haben etliche Demonstranten die Polizei angegriffen, Eigentum beschädigt und allgemeine Unruhen in den Zentren von Jerusalem und Tel Aviv verursacht.

Erlebt Israel den Beginn weit verbreiteter US-ähnlicher Unruhen, die in den dortigen Zentren mehrerer Städte Verwüstungen angerichtet haben? Einige Vorfälle zeigen, dass die Demonstranten von den Vorfällen in den USA inspiriert sind, aber die Proteste in Israel haben noch nicht die umfassende Reichweite und Kraft der Proteste in Amerika erreicht.