Bourla: Netanjahu dachte, Pfizer-Impfstoff würde ihm Wiederwahl sichern

Der CEO von Pfizer erklärt, warum Israel das erste Land war, das seinen Impfstoff COVID-19 in großen Mengen erhalten hat

von Israel Heute Redaktion |
Netanjahu ermöglichte dank seines Deals mit Pfizer die Impfung von 5 Millionen Israelis (fast 80 % der anspruchsberechtigten Bevölkerung) innerhalb weniger Monate. Foto: Miriam Alster/Flash90

Vor einem Jahr suchte die Welt fieberhaft nach einem Impfstoff, der die lähmenden Lockdowns und Einschränkungen infolge der COVID-19-Pandemie endlich beenden würde. Der Pharmariese Pfizer war einer der ersten, der die erfolgreiche Entwicklung eines solchen Impfstoffs bekannt gab. Ein Land nach dem anderen hoffte, rasch an die Impfstoffe heranzukommen und gab Bestellungen auf.

Irgendwie war der kleine jüdische Staat in der Lage, mehr als genug Impfdosen zu beschaffen, um die gesamte Bevölkerung zu impfen.
Viele, wenn nicht sogar die meisten Israelis, schrieben diesen Erfolg dem damaligen Premierminister Benjamin Netanjahu zu. Der CEO von Pfizer, Albert Bourla, erklärte letzte Woche in einem Interview mit der Financial Times, dass Bibi ein wichtiger Teil der Gleichung war, aber die Hartnäckigkeit des israelischen Regierungschefs war nicht die ganze Geschichte.
Wie eigentlich bei anderen Impfstoffen üblich, wurde der COVID-19-Impfstoff nicht einer jahrelangen, strengen Testphase unterzogen, denn dazu war keine Zeit. Und es war auch nicht unbedingt notwendig. Wissenschaftler hatten bereits seit Jahren an Impfstoffen gegen Coronaviren gearbeitet, denn COVID-19 war keineswegs das erste Auftreten dieses Virustyps (man denke an SARS und MERS).

Dennoch fehlte es an gesicherten Daten, was durch eine relativ kleine Nation, die den Großteil ihrer Bevölkerung schnell impfen ließ, schnell behoben werden konnte.
Israel passte insofern ins Bild, da das Land nur 9 Millionen Einwohner zählt und die große Mehrheit der Bürger bereit war, sich impfen zu lassen und damit den Alltag wieder einkehren zu lassen. Noch wichtiger war, wie Bourla erklärte, dass dieses „Testland“ über eine hocheffiziente elektronische Krankenakte verfügen musste. Israel erfüllte alle Voraussetzungen und erklärte sich daher bereit, medizinische Daten über das Virus im Austausch gegen Garantien für die Lieferung von Impfstoffdosen auszutauschen.

Und Netanjahu war der Katalysator. „Das Wichtigste, was deutlich wurde, war, dass Bibi über alles Bescheid wusste“, so Bourla. „Er rief mich 30 Mal an und fragte: ‚Was ist mit den jungen Leuten … was tun Sie gegen die südafrikanische Variante?'“

Ähnlich äußerte sich Bourla im März, als er dem israelischen Sender Channel 12 sagte: „Ich habe mit mehreren Staatsoberhäuptern gesprochen. Ich habe mit Ihrem Premierminister gesprochen, und er hat mich überzeugt, dass Israel der Ort mit den richtigen Bedingungen ist. Ich war, offen gesagt, beeindruckt von der Besessenheit Ihres Ministerpräsidenten. Er hat mich 30 Mal angerufen.“

In seinem Interview mit der Financial Times fügte der Pfizer-Chef hinzu, er habe keinen Zweifel daran, dass Netanjahus Hauptanliegen das israelische Volk sei, „aber ich bin sicher, dass er auch dachte: ‚Das könnte mir politisch helfen.'“
Als der Interviewer andeutete, Bibi habe sich verrechnet, da seine erfolgreiche Impfkampagne ihn nicht davor bewahrt habe, nach den Wahlen am 23. März die Macht zu verlieren, antwortete Bourla: „Vielleicht. Aber er hat es sehr gut gemacht.“

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