Bibi und Sigmar: Zwischen Weisheit und Rechthaberei

Was für ein dummes Spektakel verursachten Bibi und Sigmar. Von dem deutschen Außenminister Sigmar Gabriel erwarte ich nicht viel, vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu erwarte ich jedoch mehr.

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(Fotos: Yonatan Sindel/Flash90, Yoav Ari Dudkevitch/POOL)

Was für ein dummes Spektakel verursachten Bibi und Sigmar. Netanjahu sagte gestern sein Treffen mit dem deutschen Außenminister kurzfristig ab. Der Hintergrund war Sigmars Treffen mit zwei linksradikalen Organisationen „Das Schweigen Brechen“ und „B´Tselem“, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Israels Soldaten weltweit als Kriegsverbrecher zu verleumden. Zwischen Israels Regierung und den Regierungskritikern wählte Sigmar die zweiten. Als Netanjahu nach der Absage Gabriel am Telefon suchte, verweigerte sich dieser, mit Netanjahu zu sprechen. Netanjahus Behauptung stimmt, dass andere Weltpolitiker, wie die USA oder Großbritannien, solche Treffen neben den offiziellen Staatstreffen ebenso nicht zugelassen hätten. Angenommen der israelische Außenminister wäre Gast der deutschen Regierung und vorher bitte er zum Ausgleich eines politischen Überblickes, die Parteimitglieder der Alternative für Deutschland kennenzulernen. Ich bin mir sicher, dass dies die deutsche Regierung verärgert hätte. Darüber hinaus finanziert keine israelische Regierung radikale Organisationen in europäischen Ländern, die ihre eigenen Regierungen weltweit schlechtmachen, so wie es die zwei israelischen Organisationen in Israel tun. Europäische Staatsgelder, auch aus Deutschland, finanzieren diese Organisationen aus politischen Gründen, was ein Einmischen in die Innenpolitik Israels darstellt.

Gabriel begründete sein Treffen mit den israelischen Regierungskritikern damit, dass er „ein ausgewogenes Bild über die politische Lage im Land gewinnen möchte“. Das ist Blödsinn, denn seine Meinung über Israels Politik formte er nicht gestern, seine kritische Meinung über Israel ist schon länger bekannt. Damit provozierte Gabriel mit einem tollen Schachzug, zum einen machte er dadurch Israel wieder schlecht und zum zweiten machte er für beiden linksradikalen Minibewegungen wertvolle Reklame in der Primetime. Das allein zeigt, wo er in Bezug auf Israel steht. Dass er in Israel neben Netanjahu auch andere Freunde hat, sagt nichts.

Netanjahus Fehler war, dass er wohl Recht hatte, aber nicht weise gehandelt hat. Auch er wusste, dass Gabriels Treffen mit den beiden Organisationen Gabriels Einstellung gegenüber Israel nicht ändern wird. Wer jedoch davon profitierte waren die radialen Israelkritiker im Volk, die dadurch Schlagzeilen in Deutschland gewonnen haben und damit bestimmt neue Finanzierungen aus Europa gewinnen werden. In Israel haben diese Gruppen nicht einmal einen Knessetsitz im Parlament, denn selbst unter den Linken im Land zählen sie zur extremen Randgruppe, die nun in Deutschland als eine Art Helden gefeiert werden. Manchmal ist es besser, weise zu sein, als auf sein Recht zu bestehen. Hätte Netanjahu den Mund gehalten und Gabriel kein Ultimatum vorgelegt, dann wäre alles in der langweiligen Medienflut verschwommen.

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