ANALYSE: Israel steht nach dem schrecklichen Elad-Anschlag vor einem Dilemma

Israelis sind derzeit aufgefordert, Waffen zu tragen und sich in zivilen Verteidigungskräften zu organisieren, da unsere Feinde mit „weltbewegendem Religionskrieg“ drohen

von Yochanan Visser | | Themen: Hamas, Terror
Hunderte von Menschen nahmen an der Beerdigung eines jungen israelischen Vaters teil, der letzte Woche in der Stadt Elad von palästinensischen Terroristen mit Äxten und Messern brutal ermordet wurde. Foto: Olivier Fitoussi/Flash90

Die Spannungen in Israel haben sich nach dem schrecklichen Terroranschlag in der Stadt Elad am vergangenen Donnerstag weiter verschärft. Die beiden Terroristen, die den Anschlag verübt hatten, wurden inzwischen verhaftet, aber es wird erwartet, dass die Welle der Gewalt hiermit nicht zuende ist. Die Hamas drängt unterdessen auf eine weitere große Konfrontation mit Israel und stachelt die arabischen Massen permanent auf.

Nach einer dreitägigen Fahndung nahmen Spezialeinheiten der israelischen Polizei und der israelischen Armee die beiden Terroristen fest, die am Ende der Feierlichkeiten zum 74. Unabhängigkeitstag in der Stadt Elad am vergangenen Donnerstag drei Israelis brutal mit einer Axt und Messern ermordet hatten.

Die beiden Terroristen, Assad al-Rafai, 19, und Subhi Emad Subhi Abu Shqeir, 20, stammen aus dem Dorf Rumana in der Nähe von Jenin und hatten sich in einem Wald in der Nähe von Rosh Ha’ayin versteckt, einer Stadt in der Nähe des Sicherheitszauns, der das israelische Kernland vom so genannten “Westjordanland” trennt.

Bei ihrer Verhaftung leisteten sie keinen Widerstand, wahrscheinlich weil sie durch den Mangel an Wasser und Nahrung stark geschwächt waren.

Die beiden Terroristen hatten wahrscheinlich versucht, die Grüne Linie (die Waffenstillstandslinie von 1948) zu überqueren, an der der Sicherheitszaun während und nach der Zweiten Intifada errichtet wurde.

 

Hartes Durchgreifen

Als Reaktion auf den schrecklichen Anschlag in Elad hat die israelische Armee die Zahl der Truppen in Judäa und Samaria verdoppelt, insbesondere am Sicherheitszaun.

Die Löcher im Zaun, durch die täglich Tausende von palästinensischen Arabern illegal nach Israel gelangt waren, sind inzwischen geschlossen worden.

Mindestens drei der sieben tödlichen Anschläge, die Israel seit dem 21. März heimgesucht haben, wurden von palästinensischen Arabern verübt, die sich illegal in Israel aufhalten.

Die Zahl der Todesopfer dieser Anschläge beläuft sich inzwischen auf 19, und Hunderte weitere werden für ihr Leben traumatisiert sein.

Israelische Streitkräfte treffen in der palästinensischen Stadt Dschenin ein, um gegen dortige terroristische Infrastrukturen vorzugehen. Foto: Nasser Ishtayeh/Flash90

Weitere Einzelheiten über den Anschlag in Elad

Al-Rafai und Abu Shqeir töteten zunächst einen Taxifahrer, der wahrscheinlich glaubte, sie hielten sich legal in Israel auf, und sie nach Elad brachte.

Die Terroristen erklärten dem Taxifahrer, sie müssten wegen Renovierungsarbeiten an einer Synagoge in die Stadt fahren.

Oren Ben Yiftach, der Taxifahrer, zweifelte die Version der Terroristen nicht an, da er sie in der Vergangenheit bereits mindestens zehn Mal nach Elad gebracht hatte.

Dann aber wurde der Vater von sechs Kindern von den beiden palästinensischen Terroristen unmittelbar nach der Ankunft an der Synagoge in Elad erstochen. Anschließend warteten sie mit dem toten Fahrer stundenlang im Auto, bis es dunkel wurde.

Yiftach wehrte sich zunächst, hatte aber keine Waffe, mit der er sich wirksam hätte verteidigen können.

Als die beiden Araber schließlich Yiftachs Auto verließen, töteten sie Yonathan Habakkuk (40) und Boaz Gol (40), beide verheiratet und Väter von jeweils fünf Kindern.

Augenzeugen zufolge kämpfte Habakuk heldenhaft mit den Terroristen, um seinen siebenjährigen Sohn zu schützen, der später mit ansehen musste, wie sein Vater seinen Wunden erlag.

Anschließend begaben sich die Terroristen in einen Park, in dem Dutzende von Familien zu einem Grillfest zum Unabhängigkeitstag zusammengekommen waren.

Da ein bewaffneter Wachmann anwesend war, konnten sie zwar keine weiteren Menschen töten, doch gelang es ihnen, den Wachmann schwer zu verletzen und weitere Personen anzugreifen, die leicht oder schwer verletzt wurden.

Die Polizei in Elad erklärte später, die beiden Terroristen hätten die Nacht in einer Schule in der Nähe des Tatorts verbracht, wo sie Tauben verzehrten. Anschließend seien sie aus Elad geflohen. Sie wurden schließlich in einem Wald einen Kilometer außerhalb der Stadt gefunden.

Spezialkräfte der Polizei und des Militärs fanden in der Nähe des Verstecks der Terroristen blutverschmierte Geldscheine. Ein DNA-Test bestätigte, dass sie den Terroristen gehörten.

 

Israel rechnet mit mehr Gewalt

Die israelischen Sicherheitskräfte rechnen für das Jahr 2022 mit weiteren Terroranschlägen in israelischen Städten – eine Vorhersage, die sich, wie wir sehen werden, vorerst als richtig erwiesen hat.

Als Reaktion auf den Terroranschlag in Elad ordnete Premierminister Naftali Bennett die Bildung einer Nationalgarde an, die aus professionellen Sicherheitskräften und bewaffneten zivilen Freiwilligen bestehen soll.

Die Garde soll an Orten eingesetzt werden, an denen die Bevölkerung normalerweise keine Waffen besitzt.

Dies betrifft vor allem ultra-orthodoxe Städte und Wohngebiete, in denen die Zahl der Waffenscheine gering ist.

Die israelische Polizei wird außerdem umfangreiche Maßnahmen ergreifen, um palästinensische Araber an der illegalen Einreise nach Israel zu hindern.

Darüber hinaus werden strengere Maßnahmen gegen diejenigen ergriffen, die illegal in Israel lebenden palästinensischen Arabern bei der Beförderung helfen oder ihnen Arbeit verschaffen.

Premierminister Bennett betont, dass Israel sich von der jüngsten Terrorwelle nicht einschüchtern lässt, und fordert die Bürger auf, Waffen zu tragen und sich in Zivilschutzeinheiten zu organisieren. Bild: Olivier Fitoussi/Flash90

Politische Konsequenzen der Terrorwelle

Bennett befindet sich aufgrund der anhaltenden Welle von Terroranschlägen sowie aufgrund interner Probleme innerhalb seiner Koalition in einer schwierigen Lage.

Die islamistische Partei Ra’am hält die Regierung faktisch in Geiselhaft und droht damit, die vorübergehende Aussetzung ihrer Beteiligung an Bennetts Koalition in einen dauerhaften Ausstieg zu verwandeln.

Siehe: Das Rätsel um Mansour Abbas

Ra’am setzte ihre Beteiligung an Bennetts Regierung während der Unruhen auf dem Tempelberg aus, nachdem die Polizei in die Al-Aqsa-Moschee eingedrungen war, wo palästinensische Randalierer israelische Sicherheitskräfte mit Steinen, Molotowcocktails und Feuerwerkskörpern angriffen hatten.

Siehe: Gewalt auf dem Tempelberg wurde organisiert und finanziert

Ohne Ra’am wird die Regierung Bennett in sich zusammenbrechen. Der Premierminister hat in letzter Zeit Äußerungen getätigt, die zeigen, dass er sich dieser Möglichkeit sehr wohl bewusst ist.

Die Koalition hat derzeit keine Mehrheit mehr und wird von nur 60 Knessetmitgliedern unterstützt, was genau der Hälfte der Abgeordneten entspricht.

Siehe: “Netanjahu war geschockt, aber ich bin mit mir im Reinen”

In der israelischen Öffentlichkeit wächst die Kritik an Bennetts Umgang mit der aktuellen Terrorwelle, wie eine große Zahl von Beiträgen in den sozialen Medien zeigt.

Das passiert immer dann, wenn es den israelischen Sicherheitskräften nicht gelingt, eine Anschlagswelle zu stoppen oder wenn die israelische Armee einen Krieg nicht entscheidend gewinnen.

So geschehen im Jahr 2001, als die Regierung von Ehud Barak gestürzt wurde, nachdem es der Polizei und der israelischen Armee nicht gelungen war, die Welle von Selbstmordattentaten zu stoppen, die Israel damals heimsuchte.

Ähnliches geschah nach dem zweiten Libanonkrieg, der ohne einen klaren Sieg der israelischen Streitkräfte endete.

Letztlich führte dies zusammen mit einem Korruptionsskandal zum Sturz der Regierung Olmert.

 

Liquidierung des Hamas-Führers erwogen

Die derzeitige Regierung steht nun vor dem Dilemma, dass sie nicht weiß, wie sie die Welle der Terroranschläge beenden soll. Sie scheint sich von den hitzigen Diskussionen in den sozialen Medien in Israel beeinflussen zu lassen, in denen Hamas-Führer Yahya Sinwar als Hauptverantwortlicher für die anhaltende Gewalt angesehen wird.

Bennett weiß, dass sich etwas ändern muss, um das Sicherheitsgefühl der Öffentlichkeit wiederherzustellen, und erwägt daher, neben den neuen defensiven Maßnahmen auch offensive zu ergreifen.

Eine dieser offensiven Maßnahmen ist die gezielte Tötung Sinwars, der kürzlich palästinensische und israelische Araber dazu aufgerufen hat, Juden mit allen Waffen zu töten, die sie in die Hände bekommen.

Sinwar, ein Erzterrorist, der 14 Jahre in israelischen Gefängnissen verbracht hat, ist der fanatischste Hamas-Führer.

In einer kürzlich von Quds TV in Gaza ausgestrahlten Rede riet Sinwar den palästinensischen Arabern in Judäa und Samaria, Messer und Äxte zu benutzen, um jüdische Israelis zu ermorden.

Und genau das haben die Terroristen in Elad bei ihrem grausamen Anschlag getan, sie haben Messer und Äxte benutzt.

In derselben Rede warnte Sinwar außerdem, dass seine Organisation “einen regionalen Religionskrieg” gegen Israel entfesseln werde, falls das “zionistische Gebilde” die Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg erneut “entweiht”.

Ein solcher Krieg werde das Gesicht der Welt verändern und die Erde versengen, prahlte Sinwar.

Siehe Sinwars Rede mit englischen Untertiteln:

 

In Israel gibt es im Sicherheitsapparat einige, die daran zweifeln, ob es eine gute Sache ist, Sinwar aus dem Weg zu räumen. Sie verweisen auf die Tatsache, dass frühere gezielte Tötungen nur zu mehr Terror und Gewalt durch palästinensische Araber geführt haben.

Die Hamas reagierte auf die Diskussion über die mögliche Ermordung Sinwars mit der Androhung neuer Raketenangriffe auf zentrale israelische Städte und einer Wiederaufnahme von Selbstmordattentaten.

 

Neue Terroranschläge

Am Sonntagabend stellte sich heraus, dass die Vorhersage der Sicherheitsdienste über die Fortsetzung der Terrorwelle richtig war.

Zunächst wurde ein Anschlag in der Nähe der Altstadt von Jerusalem gemeldet, bei dem ein Polizeibeamter durch einen Stich in den Nacken mittelschwer verletzt wurde.

Eine Stunde später versuchten vier Terroristen, in das Dorf Tekoa südlich von Jerusalem einzudringen. Einem von ihnen gelang es, über den Sicherheitszaun des Dorfes zu klettern. Er wurde von einem Mitglied der örtlichen zivilen Sicherheitskräfte erschossen.

Der Mann hatte zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern auf der Veranda seines Hauses Tee getrunken, als der Terrorist mit einem Messer auf sie zukam. Nachdem er seine Frau und Kinder umgehend ins Haus geschickt hatte, griff er sein M-16-Gewehr und erschoss damit den Terroristen.

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