Amazon zerstört Israels Wirtschaft – endlich!

Der Internetriese ist in Israel angekommen und bietet viele Produkte viel günstiger an als israelische Geschäfte.

von Michael Selutin |
Foto: Christoph Scholz/Flickr Creative commons (CC BY-SA 2.0)

Israelis beschweren sich gerne über die hohen Kosten und niedrigen Löhne im Land und auch Touristen sind oft erstaunt wie teuer viele Produkte sind. Verschiedene Studien der OECD bestätigen, dass die Lebenshaltungskosten in Israel höher sind als in vielen anderen Industrieländern, während die Gehälter eher durchschnittlich sind. Hinzu kommen die hohen Kosten für Wohnungen und diese Kombination sorgt für den Wunsch nach einer wirtschaftlichen Revolution. Proteste gegen die hohen Kosten gab es mehrere, aber genauso wie die Versprechen verschiedener Politiker das Leben in Israel günstiger zu machen, passierte im Anschluss nichts.

Vor einigen Wochen jedoch kam die Erlösung Israels aus einer ganz unerwarteten Richtung. Der amerikanische Online-Verkäufer Amazon hat nämlich viele seiner Produkte auf der US-Website mit kostenloser Lieferung nach Israel versehen. Wer in Israel lebt und eine Bestellung über $49 auf solche Produkte aufgibt, muss keine Lieferkosten zahlen. Das ist eine große Sache, denn die Lieferung aus den USA nach Israel kostete bisher teilweise mehr als das Produkt, das man bestellen wollte. Allerdings fällt eine Einfuhrsteuer in Israel an, wenn Produkte im Wert von über $75 importiert werden. Diese Situation hat einen neuen Nationalsport in Israel erschaffen und die Regeln lauten: Den Warenkorb bei Amazon so zu füllen, das er über $49, aber unter $75 liegt. Wer am nächsten an $75 ist, gewinnt. Verschiedene Amazon Gruppen auf Facebook spielen dieses Spiel und bisher liegt der Rekord bei einer Bestellung in Höhe von $74,97. Auf diesen Facebook Gruppen werden weiterhin Informationen über Amazon Produkte ausgetauscht, Probleme besprochen und vieles mehr, das mit der Amazon-Revolution in Israel zu tun hat. Kurz vor Weihnachten kostet zum Beispiel das beliebte „Siedler von Catan“ Spiel bei Amazon $21, also umgerechnet 72,90 Schekel, während es in Israel 240 Schekel kostet. Eine Jacke der Firma Columbia kostet etwa $60, also 208,30 Schekel, während sie im Columbia Geschäft in Israel 400 Schekel kostet. Ein Doppelpack Colgate Zahnpasta findet man bei Amazon.com für $6, was etwa 20 Schekel entspricht, in Israel kostet solch ein Doppelpack etwas mehr als doppelt so viel.

Es ist also kein Spiel, sondern ein ernstes wirtschaftliches Problem, das hier deutlich wird, denn merkwürdigerweise ist es günstiger, seine täglichen Produkte wie Zahnpasta, Einweggeschirr, Kleidung, Müllbeutel, Elektronik, Spielzeug, Medizin und fast alles, das man zum Leben braucht, aus den USA zu bestellen, als es im eigenen Land zu kaufen.

Es gibt verschiedene Theorien über die Frage der hohen Kosten in Israel: Steuern, Kartelle, sozialistische Strukturen, geldhungrige Einzelhändler und vieles mehr und wahrscheinlich ist es eine Kombination aus mehreren dieser Punkte, die die Kosten in Israel nach oben treiben. Den gordischen Knoten, den Generationen an Politikern nicht entknoten konnten, zerschnitt nun Amazon, indem es seine Produkte zu amerikanischen Preisen und ohne Lieferkosten anbietet.

Es ist jedoch nicht alles rosig in der neuen Welt von Amazon, denn es dauert teilweise einen Monat, bis das Paket aus den USA ankommt und dann nicht immer in gutem Zustand. Die israelische Post, die die Lieferungen für Amazon durchführt, ist nach eigenen Angaben total überlastet und hat nicht die Kapazitäten, um die überraschend hohe Anzahl an Bestellungen zu verarbeiten. Die oben genannten Facebook Gruppen posten immer wieder Fotos von Postfilialen, in denen sich die Amazon Pakete bis zur Decke stapeln und verzweifelte Lieferanten weinen sich an den Schultern ihrer Kunden über die unmögliche Situation aus.

Wird Amazons Eintritt in den israelischen Markt nun dazu führen, dass das Leben in Israel günstiger wird? Für Verbraucher, die ihre Zahnpasta aus den USA erhalten, wird sicherlich vieles günstiger, aber ob die Geschäfte ihre Produktpreise senken werden, ist fraglich. Frische Nahrungsmittel können bei Amazon weiterhin nicht bestellt werden, besonders wenn sie koscher sein sollen und es gibt noch viele Israelis, die nicht gerne online bestellen. Ein erster, großer Schritt, das verstockte israelische Wirtschaftssystem aufzubrechen, wurde jedoch gemacht und israelische Verbraucher freuen sich über qualitativ hochwertige, günstige Produkte direkt aus Amerika.

Israel Today Newsletter

Daily news

FREE to your inbox

Israel Heute Newsletter

Tägliche Nachrichten

KOSTENLOS in Ihrer Inbox