In einer außergewöhnlichen Rettungsaktion hat die israelische Altertumsbehörde ein 2.000 Jahre altes Tauchbad aus der Zeit des Zweiten Tempels vollständig und unversehrt aus dem Erdreich des neuen Stadtteils Carmei Gat in Kiryat Gat geborgen – ein seltenes Exemplar jüdischer Geschichte, das direkt am ursprünglichen Fundort wieder aufgestellt werden soll.
Ein Koloss aus der Zeit des Zweiten Tempels
Die Mikwe – das jüdische Ritualbad zur rituellen Reinigung – stammt aus der Zeit des Zweiten Tempels, also aus der Epoche vor der Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahr 70 nach Christus. Es wiegt rund 25 Tonnen und wurde bei archäologischen Rettungsgrabungen entdeckt, die die Israelische Altertumsbehörde (IAA) im Zuge der Erschließung des neuen Wohnviertels Carmei Gat in Kiryat Gat durchgeführt hat. Die Kosten der Rettungsgrabungen – insgesamt rund 28 Millionen Schekel – wurden von der Israelischen Landbehörde getragen.
Die Entdeckung der antiken Mikwe liefert einen klaren Beweis für die Existenz einer jüdischen Siedlung in diesem Gebiet vor rund 2.000 Jahren. Bei der Ausgrabung der Siedlung wurden außerdem steinerne Messbecher freigelegt – nach jüdischem Gesetz können Steingefäße keine rituelle Unreinheit annehmen, weshalb sie in der jüdischen Gemeinschaft der Zweiten Tempelperiode weit verbreitet waren.
Eine technische Meisterleistung der Denkmalpflege
Die eigentliche Herausforderung bestand nicht in der Entdeckung, sondern im Transport: Wie bringt man ein 25 Tonnen schweres antikes Ritualbad unversehrt aus dem Boden, ohne es zu beschädigen? Die Konservierungsabteilung der Israelischen Altertumsbehörde entwickelte dafür ein komplexes ingenieurwissenschaftliches Verfahren. Die Mikwe wurde zunächst vollständig freigelegt, dann in einem eigens konstruierten Stahlrahmen gesichert und schließlich als Ganzes aus dem Boden gehoben.

Selbst nachdem die Mikwe vom Boden abgehoben worden war, war die Herausforderung noch lange nicht bewältigt. Aufgrund des Abstands zwischen dem Kranfuß und der Mikwe war ein riesiger Kran mit einer Tragkraft von 300 Tonnen erforderlich, um das 25 Tonnen schwere Bauwerk anzuheben. Die ungewöhnliche Breite der Mikwe – etwa 4 Meter – erforderte zudem den Einsatz eines Schwerlasttransportfahrzeugs.
Der Transport der Mikwe zum Lagerhaus in Beit Guvrin wurde zu einer Operation für sich. Um diese große Ladung zu transportieren, wurde die Straße für den Verkehr gesperrt, und Begleitfahrzeuge fuhren vor und hinter dem Lkw her.
„Sobald man eine solche Konstruktion einmal angehoben hat, gibt es kein Zurück mehr“, sagt Eyal Kaho, leitender Konservator bei der Israelischen Altertumsbehörde, der die Operation leitete. „Wenn sie auseinanderfällt – haben wir die Mikwe verloren. Deshalb muss jedes Detail im Voraus bedacht werden. Am Tag vor einer solchen Aktion schläft man nicht. Man steht unter Druck, denn die Verantwortung liegt bei einem selbst, und Fehler sind schlichtweg unbezahlbar. Selbst nach 36 Jahren bei der Israelischen Altertumsbehörde steigt jedes Mal aufs Neue das Adrenalin.“
Das Objekt wird nun im Nationalschatz der Israelischen Altertumsbehörde aufbewahrt – bis die Bauarbeiten im neuen Stadtteil Carmei Gat abgeschlossen sind. Danach soll die Mikwe an seinen ursprünglichen Standort zurückgebracht und in einen öffentlichen Freiraum im Herzen des neuen Viertels integriert werden. Eine Lösung, die Stadtentwicklung und historisches Erbe verbindet – und die in Israel so einzigartig ist wie der Fund selbst.
Die Grabungsleiterinnen Elena Kogan-Zahavi, Maayan Margulis und Shira Lifshitz betonten die historische Bedeutung: Die Entdeckung zeige, dass in der Region Kiryat Gat – dem antiken Gat der Philister – vor 2.000 Jahren eine jüdische Gemeinschaft lebte, die ihr religiöses Leben nach den Reinheitsgesetzen der Tora ausrichtete. Eine Mikwe ist für Archäologen ein untrügliches Erkennungszeichen jüdischer Besiedlung – denn kein anderes Volk der Antike baute solche Strukturen.




