Guten Morgen liebe Leser!
Wir leben in einer außergewöhnlichen Realität. Da fliegen einem im Süden die Granaten und Raketen über den Kopf und hier bei uns ist ein ganz normaler Alltag. Nachdem ich in der vergangenen Nacht mehrmals wegen meiner Handy-App, die mich über jeden Raketenalarm mit voller Lautstärke informiert, geweckt wurde, habe ich sie einfach stumm gestellt. Schliesslich wollte ich heute ausgeschlafen im Büro erscheinen. Diesen Luxus haben die Bewohner im Süden leider nicht. Sie wurden im Laufe der ganzen Nacht immer wieder von den Sirenen aus dem Schlaf gerissen, wenn eine Rakete oder Mörsergranate aus dem Gazastreifen in ihre Richtung abgeschossen worden war. Und die kann man eben nicht stumm schalten, so wie ich es mit meinem Handy gemacht habe.
Heute früh habe ich mein Handy und die Alarm-App wieder angestellt. Bis jetzt ist es ruhig geblieben. In den Nachrichten hört man immer wieder das Wort „Waffenstillstand“. Doch davon redete man auch gestern Abend und gleich danach ging es wieder los. Dennoch besteht man in den Orten des Südens darauf, den Alltag weiter zu leben. Schulen und Kindergärten sind geöffnet. Auf meinem Weg nach Jerusalem hörte ich im Radio ein Interview mit einer Kindergärtnerin aus einem Kibbutz nahe der Grenze zum Gazastreifen. Sie wurde gefragt, wie sie sich fühle, trotz der sehr unruhigen Nacht heute in ihrem Kindergarten die Kinder empfangen zu müssen. Das Alltagsleben sei wichtig, sagte sie, besonders für die kleinen Kinder, die natürlich auch etwas von dieser unangenehmen Situation mitbekommen würden. Sämtliche Schulen und Kindergärten in der Nähe des Gazastreifens seien gegen Raketen und Mörsergranaten abgesichert. Allerdings mache sie sich Sorgen wegen der Fahrt zum Kindergarten. Denn jeden Moment könnte ja wieder eine Rakete rüberkommen, so wie gestern. als eine Mörsergranate im Hof eines zum Glück noch leeren Kindergartens explodiert sei. Sie sei sich sehr unsicher, sagte sie. Aber sie habe wohl keine Wahl und müsse bald losfahren. Schliesslich würden die Kinder auf sie warten.
So wie diese Kindergärtnerin gibt es sicher noch viele Menschen, die sich unsicher fühlen und sich dennoch nach außen hin so verhalten, als sei alles wie immer, Alltag. Kann man sich an so eine Situation gewöhnen? Es sieht ganz so aus. Wir haben ja auch keine andere Wahl. Auch bei uns zuhause in Modiin haben wir zur Zeit des Gazakrieges vor fast genau vier Jahren unseren Alltag weitergelebt und das, obwohl einige Male die Iron Dome Abwehrraketen direkt über unseren Garten flogen auf der Jagd nach einer Rakete aus dem Gazastreifen. Wir warteten dann kurz auf den Knall des Abschusses und dann ging das Leben weiter.
So lebt man auch heute in der Nähe des Gazastreifens ganz „normal“ weiter. Doch so ganz normal ist es eben doch nicht. Die Bürger wurden aufgefordert, sich nie weiter als 15 Sekunden von einem Sicherheitsraum zu entfernen. Denn das ist die Zeit, die man hat, um sich vor einer aus dem Gaza abgeschossenen Mörsergranate oder Rakete in Sicherheit zu bringen. Das ist der Alltag im Süden. Haben Sie mal darüber nachgedacht, was man in 15 Sekunden machen kann? Oder wie weit man laufen kann?
15 Sekunden, um sich in Sicherheit ui bringen. Alltag im SüdenUnd nun das Wetter für heute in Israel:
Teilweise bewölkt mit vereinzelten leichten Regenschauer, vornehmlich im Norden und an der Küste. In den Bergen ein weiterer leichter Rückgang der Temperaturen. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 24 Grad, Tel Aviv 26 Grad, Haifa 25 Grad, Tiberias am See Genezareth 30 Grad, am Toten Meer 34 Grad, Beersheva 28 Grad, Eilat am Roten Meer 35 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei -213.425 m unter dem Meeresspiegel.
Es ist sehr angenehm, dass es etwas kühler geworden ist. Leider hat sich die Hitze der letzen Tage in den Häusern festgesetzt, so dass wir auch gestern die Klimaanlage eingeschaltet hatten. Aber was soll’s. Bald ist eh Sommer.
Und nun wünsche ich Ihnen einen angenehmen und erfüllten Mittwoch und uns einen ruhigen und friedlichen Tag ohne Alarme. Seit drei Stunden hat es keinen mehr gegeben. Also, machen SIe es gut.
Shalom aus Jerusalem!
Dov




