In unserer aktuellen Dezember-Ausgabe von Israel Heute zeigen wir Ihnen auf einer Doppelseite Bilder von Demonstrationen in Israel. „In Israel protestiert jeder“ lautet die Überschrift. Auch gestern gingen wieder viele Menschen auf die Straße. Nicht eine, sondern gleich vier verschiedene Demonstrationen gab es gestern.
Gestern Mittag protestierten wieder einige Behinderte für eine Verbesserung ihrer Bedingungen, für eine Anhebung der monatlichen Unterstützung. Diesmal blockierten einige von ihnen den Eingang zum Büro des Ministerpräsidenten, um auf ihr Problem aufmerksam zu machen.

Dabei hatten sich die Regierung und mehrere Organisationen der Behinderten bereits vor einigen Wochen auf eine Lösung des Problems geeinigt. Doch nicht alle waren damit einverstanden und führten ihre Protestaktionen fort.
Gleichzeitig und nicht weit entfernt demonstrierten im orthodoxen Stadtviertel Mea Shearim ultra-orthodoxe Juden der Naturei Karta Gruppe gegen den Staat Israel und gegen den Zionismus. Diese Gruppierung lehnt den Staat völlig ab. Ihrer Ansicht nach wird erst nach Ankunft des Messias ein neues Israel entstehen.

Diese Gruppe ist die extremste Gruppierung, die den Staat Israel total ablehnt. Dennoch genießen sie die vollen Rechte eines Bürgers des Landes.
Zur selben Zeit fand auch in Tel Aviv eine Demonstration statt. Vor dem Gebäude der Universität Tel Aviv demonstrierten zahlreiche Studenten und Aktivisten gegen die sexuelle Belästigung von Frauen. In den letzten Wochen werden täglich immer mehr Fälle veröffentlicht, bei denen bekannte Persönlichkeiten ihnen unterstellte Frauen ausgenutzt und belästigt hätten.

Vor einigen Tagen veröffentlichte eine bekannte Journalistin, dass sie vor 10 Jahren vom ehemaligen Ministerpräsidenten Ehud Olmert belästigt worden sei. Später sagte sie sogar, dass dies nicht der einzige Fall gewesen sei, sie sei von vielen Männern belästigt worden. Auch ein bekannter Radio-Moderator wurde von ihr beschuldigt. Die beiden werden sich nun vor Gericht wiedersehen, denn jeder beschuldigt den anderen der üblen Nachrede. Jeden Tag gibt es neue Meldungen von Fälle der Belästigung, einige vonihnen liegen bis zu 30 Jahren zurück.
Dies war nicht die letzte Demonstration gestern. Am Abend waren wieder die orthodoxen Juden der Jerusalemer Abteilung der Litauer-Strömung auf den Straßen von Jerusalem, Bnei Brak und anderen Orten, um gegen den Armeedienst zu protestieren. Dabei blockierten sie wieder zentrale Straßen und behinderten den Verkehr. 40 Demonstranten wurden von der Polizei vorläufig festgenommen.

Eigentlich dachte man, dass es diese Demonstrationen in dieser Größenordnung erst einmal nicht geben würde, denn der Unterricht in den Religionsschulen (Jeshiva) hatte wieder begonnen. Doch wenn der Rabbiner ruft, dann kommen alle. Heute früh wurde im Radio ein Interview mit einem Teilnehmer der Demonstration gesendet. Der Mann, Rabbi Boaz, war eigentlich auf dem Weg zu einer Hochzeit, doch dann kam der Aufruf zur Demonstration, die Hochzeit wurde verschoben. Der Moderator fragte, was das Problem sei. Man müsse schließlich nur zum Rekrutierungsbüro gehen, sich melden, um dann vom Armeedienst befreit zu werden. Nein, war die Antwort, es handele sich nicht um eine Freistellung, sondern lediglich um einen Aufschub. Man will nicht, dass einige von den orthodoxen dann doch in der Armee dienen, denn dann würden später vielleicht noch andere auf die Idee kommen, der Armeedienst könnte dann als normal angesehen werden. Dabei sagte er auch, dass man nichts gegen die Armee und den Soldaten habe, ganz im Gegenteil, man bete immer für das Wohl der Soldaten, für ihre Gesundheit und dass sie zum Glauben finden werden. Aber man erwarte vom Staat, dass er auch die Notwendigkeit des Thorastudiums für das Wohl des Jüdischen Volkes verstehe. Daher geht man auf die Straßen. Die Regierung sollte sie in Ruhe lassen, damit sie sich dem Thorastudium widmen können.
Die nächste Demonstration irgendwo in Israel ist nur eine Frage der Zeit. Israel als demokratischer Staat gibt jedem die Möglichkeit, seine Meinung zu äußern, solange andere nicht gestört werden. Straßenblockaden werden daher meistens nicht lange geduldet.




