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Israel Heute Morgen

Nun haben wir schon November, das klingt nach Winter. Ein paar Worte über eine „Revolution“ in der israelischen Medienlandschaft und das Ende von „Arutz 2“, dem zweiten Fernsehprogramm, Erinnerungen an einen Abend vor 22 Jahren, an dem der damalige Israelische Ministerpräsident Rabin ermordet worden war, und natürlich das Wetter für heute in Israel.

Guten Morgen liebe Leser!

Nun haben wir schon November, das klingt nach Winter. Ab heute müssen hier in Israel alle Autos auch am Tag mit Licht fahren, um bei winterlichen Wetter besser gesehen werden zu können. Bei meinem Auto wird das Licht angeschaltet, wenn ich den Motor starte. Ich fahre das ganze Jahr hindurch mit Licht, es ist einfach sicherer. Heute war die Sicht allerdings wunderbar. Der Tag begann mit einem strahlend blauen Himmel und einer Temperatur von um die 18 Grad. Auch jetzt scheint hier in Jerusalem die Sonne. Es sind nur sehr wenig Wolken am Himmel. Ab heute Abend soll sich das schöne Wetter dann langsam verabschieden, im Norden und an der Küste soll es anfangen zu regnen. Und ab morgen wird es dann „winterlich“ mit relativ niedrigen Temperaturen, Regen und Gewitter vom Norden bis zum Negev im Süden und die Gefahr von Überflutungen der trockenen Wadis im Osten, in der Wüste. Ich freue ich auf dieses „Winterwochenende“.

Und hier ist erst einmal das Wetter für heute in Israel:

Teilweise bewölkt, im Norden des Landes kann es zu leichtem Nieselregen kommen. Keine bedeutende Veränderung der Temperaturen. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 21 Grad, Tel Aviv 25 Grad, Haifa 23 Grad, Tiberias am See Genezareth 28 Grad, am Toten Meer 30 Grad, Eilat am Roten Meer 29 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren halben Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei -214.26 m unter dem Meeresspiegel.

Gestern Abend war das Israelische Fernsehen in totaler Hysterie. Eine wahre Revolution stand an, auf die man uns, die Zuschauer, schon seit einem Monat mit pausenlosen Videoclips vorbereitet hatte. Um was es geht? Seit rund 25 Jahren gibt es in Israel den Fernsehkanal “Channel 2”, Arutz 2 auf Hebräisch (Arutz schta’im ausgesprochen). Der Beginn dieses zweiten Fernsehprogramms hatte damal die gesamte Medienlandschaft Israels verändert. Es war vorbei mit dem Monopol des staatlichen Israelischen Rundfunks und dem Ersten Programm, Arutz 1. Arutz 2 war der erste private und kommerzielle Fernsehsender in Israel. Er wurde zunächst von drei, später von zwei Produktionsfirmen betrieben, Keshet und Reshet. Die dritte Produktionsfirma, Telad, zog sich schon vor einigen Jahren zurück. Keshet und Reshet teilten sich die Sendetage auf dem zweiten Programm, Arutz 2, dem Lieblingssender der Israelis. Er lag auf dem Kanal 22 der Fernsehanbieter. In allen Haushalten drückte man am liebsten auf 22. Bis gestern. Seit heute sind Keshet und Reshet zwei verschiedene Fernsehsender, Keshet hat die Nummer 12 bekommen, Reshet liegt ab heute auf der Nummer 13. Dazu kommt noch der Sender Channel 10, Arutz 10, der seit heute eigenartigerweise unter der Kanalnummer 14 zu finden ist. Daher hat der Sender seinen Namen von Arutz 10 auf Arutz Esser geändert. Esser bedeutet auch 10 aber auch so etwas wie “gut”. “Du bist esser”, sagt man oft, wenn man jemanden loben will. Der öffentliche neue Sender KAN11 bleibt weiter auf der 11.

Damit wir uns heute auch zurechtfinden, haben alle Fernsehsender, die ihre Programmnummer wechseln, heute große Anzeigen in den Zeitungen veröffentlicht

Nun bleibt die Frage, ob unser kleines Land wirklich drei kommerzielle Fernsehsender braucht. die sich jetzt um die Gunst des Zuschauers streiten, Rating. Denn Rating bedeutet mehr Einnahmen durch Werbung. Nun muss der Werbekuchen in drei Teile geteilt werden, wer bekommt mehr? Und der Fernsehanbieter hat gar keine Nummern mehr, sondern ein Menu, wo ich mir den Sender aussuchen kann, den ich sehen will. Auch kann heute alles zeitversetzt gesehen werden, denn alle Sender werden automatisch eine ganze Woche lang aufgezeichnet.

So kommt man zum neuen Sender, einfach 1,2 drücken, 12! Clip von Keshet, die jetzt auf 12 zu sehen sind. Also ich habe es verstanden.

Gestern Abend gab es auf Arutz 2 eine Abschiedsparty, es erinnerte mich etwas an Silvester, denn gegen Mitternacht wurde dann zurückgezählt. Es war der Sendetag von Keshet, die auf Kanal 12 wechseln, so wurde also bis 12 gezählt, dann war das zweite Programm, Arutz 2, Geschichte. Kanal 22 wurde abgeschaltet. Ein wahres Drama, eine Revolution. Na gut, eigentlich ja nicht, war aber lustig zu sehen, was für eine Show daraus gemacht wurde.

Während die privaten Fernsehkanäle sich selbst feierten, sendete das erste Programm, das öffentlich rechtliche Fernsehen, eine Dokumentation über Itzhak Rabin. Denn heute haben wir den 12. des Monats Cheshvan, genau der Tag, an dem der ehemalige Ministerpräsident Rabin ermordet worden war. Heute wird auf dem Herzlberg in Jerusalem die offizielle und staatliche Erinnerungszeremonie stattfinden. Dieses Ereignis ist doch viel wichtiger als eine Änderung der Programmnummern.

Ich kann mich noch ganz genau an diesen Tag erinnern, es war der 4. November 1995, Samstag Abend. Im Fernsehen, auf Arutz 2, wurde ein Film gesendet, Crocodile Dundee, der plötzlich unterbrochen wurde.

Wir waren fassungslos. Ich habe diesen Abend nie vergessen. Am kommenden Samstagabend, der diesmal wie damals auf den 4. November fällt, wird auf dem Rabinplatz in Tel Aviv, dort, wo Rabin ermordet wurde, eine Erinnerungsveranstaltung stattfinden. 22 Jahre ist es her. Auf meinem Weg nach Jerusalem hörte ich im Radio, wie darüber gesprochen wurde, dass die Erinnerung an diesen politischen Mord immer mehr in Vergessenheit geraten würde. In einer Einladung zu einer Gedenkfeier der Arbeitspartei habe man sogar geschrieben dass Rabin am 4.11.1995 gestorben sei. Gestorben? Er wurde ermordet. Eine Journalistin meinte, man scheine sich dafür zu schämen, dass dieser Mord stattfinden konnte, wirklich seltsam. Ehemalige Generalstabschefs der Armee schlugen die Einladung der Veranstalter aus, an der Erinnerugsfeier am Samstag Ansprachen zu halten. Das ist schwer zu verstehen. Viele denken, diese Veranstaltung sei politisch, aber das soll sie gar nicht sein, im Gegenteil. Es scheint uns schwer zu fallen, Einheit zu zeigen. Dabei gibt es doch den Spruch: „Wir sind doch alle Juden!“

Mir diesen Worten wünsche ich Ihnen einen angenehmen und friedlichen Mittwoch, Machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem

Dov

Titelbild: Mahnmal an der Stelle, wo Itzhak Rabin ermordet wurde (Foto: Miriam ALster/Flash90)/ip>

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