Als ich meine Mutter in Jerusalem besuchte, hörte ich hinter mir ein religiöses Ehepaar über die jüngsten Gewaltexzesse jüdischer Siedler sprechen. Ein Satz ließ mich aufhorchen: „Das sind längst nicht mehr nur ein paar verrückte Jugendliche. Das Problem ist viel größer, als wir glauben.“ Bemerkenswert war für mich nicht nur, was die beiden sagten, sondern wer es sagte: religiöse Juden, die sich offenbar ernsthafte Sorgen über die Entwicklung innerhalb der eigenen Gesellschaft machten. Am Tag zuvor war die amerikanische Washington-Post-Fotografin Heidi Levine bei gewaltsamen Zusammenstößen nahe Abu Falah verletzt worden. Internationale Medien berichteten von einem brutalen Angriff jüdischer Siedler. Israelische Stellen sprachen dagegen von einer gezielten palästinensischen Provokation. Was tatsächlich geschah, wird noch untersucht.
Doch der Vorfall wirft eine Frage auf, die inzwischen auch innerhalb des religiösen Lagers diskutiert wird: Handelt es sich wirklich nur um eine kleine, gewaltbereite Randgruppe oder wächst hier ein Problem heran, das Israel lange unterschätzt hat? Ausgerechnet Israels Geheimdienstchef David Zini, selbst religiöser Jude, fordert inzwischen ein härteres Vorgehen. Und...
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