Das Israelische Zentrale Statistikamt (CBS) hat pünktlich zum Eid al-Adha – dem islamischen Opferfest – seinen jährlichen Bericht zur muslimischen Bevölkerung in Israel veröffentlicht. Das Fest wird ab dem zehnten Tag des islamischen Monats Dhū al-Hiddscha gefeiert und dauert vier Tage. Es markiert einen der Höhepunkte der Hadsch-Pilgerfahrt nach Mekka. Die Zahlen zeigen eine Gemeinschaft, die sich demografisch, bildungsmäßig und gesellschaftlich verändert.
Wachstum, Geburtenrate und Familienleben
Ende 2025 lebten rund 1,849 Millionen Muslime in Israel – 18,6 Prozent aller Einwohner. Die Gemeinschaft wuchs um 34.000 Personen, doch die Wachstumsrate verlangsamte sich auf 1,8 Prozent – nach 2,2 Prozent im Vorjahr und 3,8 Prozent im Jahr 2000. Damit liegt das Wachstum zwar noch über dem der jüdischen (1,2 Prozent), der christlichen (–0,4 Prozent) und der drusischen Bevölkerung (0,8 Prozent), aber der Abstand schrumpft stetig.
Die Geburtenrate sinkt seit 2001 kontinuierlich: 2025 kamen muslimische Frauen auf 2,76 Kinder – weniger als jüdische Frauen (3,08), aber mehr als Drusen- (1,69) und Christinnen (1,62). Das Jahr 2020 markierte dabei einen historischen Wendepunkt: Erstmals lag die Geburtenrate jüdischer Frauen (3,00) über der muslimischer Frauen (2,99). Regional gibt es große Unterschiede: Im Südbezirk liegt die muslimische Geburtenrate mit 4,55 Kindern am höchsten, in Tel Aviv mit 1,63 am niedrigsten. Damit liegt die Geburtenrate der Muslime in Israel höher als in vielen Nachbarstaaten wie dem Libanon (2,2) oder dem Iran (1,7), ähnlich wie in Ägypten und Jordanien (je 2,7).
Im Jahr 2024 heirateten 13.690 muslimische Paare in Israel, während sich 2.808 Paare scheiden ließen. Das Heiratsalter steigt: Muslimische Männer heirateten 2024 erstmals mit durchschnittlich 27,2 Jahren, Frauen mit 23,7 Jahren – deutlich später als noch 1980. Rund 25 Prozent der muslimischen Haushalte haben sechs oder mehr Mitglieder, verglichen mit neun Prozent bei jüdischen Haushalten. Die durchschnittliche Haushaltsgröße liegt bei 4,27 Personen (jüdisch: 3,00). Die Lebenserwartung beträgt 77,4 Jahre für Männer und 83,1 Jahre für Frauen, gegenüber 82,6 bzw. 86,4 Jahren bei Juden.
Die muslimische Bevölkerung ist geografisch vor allem im Norden konzentriert: 33,6 Prozent leben im Nordbezirk, 13,0 Prozent im Bezirk Haifa. Die Stadt mit den meisten muslimischen Einwohnern ist Jerusalem mit 395.200 Menschen (37,2 Prozent der Stadtbevölkerung), gefolgt von Rahat (80.300), Umm al-Fahm (60.900) und Nazareth (56.300).
Bildung: Frauen holen stark auf, Studienabbrüche bleiben ein Problem
Im Schuljahr 2024/2025 besuchten 408.900 muslimische Schüler israelische Schulen – 20,2 Prozent aller Schüler landesweit, davon 7.100 im hebräischsprachigen Bereich. 40,4 Prozent der muslimischen Oberschüler lernten in technisch-beruflichen Zweigen, mehr als bei jüdischen Schülern (34,9 Prozent). 75,8 Prozent der muslimischen Abiturienten erlangten die Hochschulreife; 50,0 Prozent erfüllten die Universitätszulassungsvoraussetzungen – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Bei Christen waren es 78,3 Prozent, bei Drusen 65,8 Prozent.
Beim Hochschulzugang ist der Geschlechterunterschied bemerkenswert: 42,2 Prozent der muslimischen Frauen mit Schulabschluss begannen innerhalb von acht Jahren ein Studium – mehr als doppelt so viele wie bei Männern (20 Prozent). Insgesamt studierten 49.800 Muslime an israelischen Hochschulen – 16,4 Prozent aller Studierenden. Ihr Anteil an der Bevölkerung zwischen 20 und 29 Jahren beträgt hingegen 24,3 Prozent – hier besteht noch Nachholbedarf. An pädagogischen Hochschulen liegt der muslimische Studierendenanteil mit 22,0 Prozent am höchsten, an Universitäten mit 12,2 Prozent am niedrigsten. 12.300 Muslime schlossen im vergangenen Jahr ein Studium ab – 13,6 Prozent aller Absolventen.
Allerdings gibt es ein ernstes Problem beim Studienabbruch: 27,2 Prozent der muslimischen Studienanfänger brachen ihr Studium nach dem ersten Jahr ab – gegenüber deutlich niedrigeren Werten bei Nicht-Muslimen. Besonders hoch ist die Abbruchquote bei Männern (17,1 Prozent) gegenüber Frauen (10,0 Prozent).
Arbeitsmarkt, Soziales und Verkehr
Die Erwerbsbeteiligung unter Muslimen ab 15 Jahren lag 2025 bei 50,5 Prozent – bei Männern 63,8 Prozent, bei Frauen 37,0 Prozent. Damit liegt die Erwerbsbeteiligung muslimischer Frauen deutlich unter der jüdischer Frauen (64,6 Prozent). Die Arbeitslosenquote unter Muslimen betrug 4,1 Prozent – höher als bei Juden (2,8 Prozent), Christen (2,9 Prozent) und Drusen (2,5 Prozent). Rund 28 Prozent der muslimischen Männer arbeiten im Baugewerbe, 32 Prozent der muslimischen Frauen im Bildungsbereich. Die Wohndichte in muslimischen Haushalten liegt bei 1,23 Personen pro Zimmer – deutlich mehr als in jüdischen (0,76) oder christlichen Haushalten (0,90).
Im sozialen Bereich waren 2024 rund 311.600 Muslime beim Sozialministerium registriert. 204.200 Muslime sind im Behindertenregister eingetragen – die häufigste Behinderungsart ist körperliche Einschränkung (47,9 Prozent), gefolgt von chronischen Erkrankungen (35,3 Prozent).
Die CBS-Daten zeigen auch eine überproportionale Beteiligung an Strafverfahren: 38,9 Prozent aller Angeklagten in israelischen Strafprozessen sind Muslime – mehr als doppelt so viel wie ihr Bevölkerungsanteil. Die häufigsten Delikte sind Vergehen gegen die öffentliche Ordnung (27,7 Prozent), gegen Leib und Leben (22,5 Prozent) und Eigentumsdelikte (21,9 Prozent). Sexualdelikte hingegen sind bei muslimischen Verurteilten deutlich seltener als bei Nicht-Muslimen. Das Problem der Gewalt innerhalb der arabischen Gemeinschaft wird auch intern wahrgenommen: Laut einer Umfrage vom Mai 2026 gaben 52 Prozent der arabischen Israelis an, dass Kriminalität in der eigenen Gemeinschaft bei ihnen ein Gefühl der Unsicherheit auslöst.
Im Straßenverkehr besaßen 915.890 Muslime einen Führerschein – 17 Prozent aller Fahrerlaubnisinhaber. Auffällig: 41,2 Prozent aller privaten Lkw gehören muslimischen Eigentümern – weit mehr als ihr Bevölkerungsanteil. Bei Verkehrsunfällen kamen 2.784 Muslime zu Schaden (20,7 Prozent aller Opfer), darunter 128 Todesopfer, 593 Schwerverletzte und 2.063 Leichtverletzte. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der muslimischen Unfallopfer jedoch um 16 Prozent zurück – ein positiver Trend.




