(JNS) Israel geriet 2016 in die Kritik, als es den Gaza-Direktor von World Vision, Mohammed El Halabi, wegen Zusammenarbeit mit der Hamas festnahm. Europäische Diplomaten, Vertreter der Vereinten Nationen und sogenannte „humanitäre“ NGOs warfen Israel vor, einen unschuldigen Mann verurteilt zu haben.
Am Mittwoch enthüllte eine in Jerusalem ansässige Beobachtungsorganisation, dass Halabi tatsächlich schuldig war.
Es ist die jüngste Enthüllung aus einem Fundus freigegebener interner Hamas-Dokumente, die von NGO Monitor ausgewertet wurden.
Drei Dokumente aus dem Hamas-Ministerium für Inneres und Nationale Sicherheit (MoINS) belegen, dass Halabi, der als Direktor der Gaza-Operationen von World Vision fungierte, ein Hamas-Aktivist war und Hilfsgelder an die Terrororganisation umleitete.
A March 11, 2020 report describes El-Halabi as a sensitive operative in contact with a limited circle of “brothers in the positive,”(the positive = Hamas’ military wing ) and seeks to identify how the information reached Israeli authorities. >> pic.twitter.com/voR7MMZDuW
— NGO Monitor (@NGOmonitor) February 11, 2026
In einem Dokument vom März 2020 erklärte eine Hamas-Behörde, Halabi habe mit mehreren „Brüdern“ aus den al-Qassam-Brigaden, dem „militärischen“ Arm der Hamas, in Kontakt gestanden.
Die Hamas betrachtete seine „Verhaftung und seinen Prozess als erheblichen Bruch der internen Sicherheit“, so NGO Monitor. Die Terrororganisation habe ihr Möglichstes getan, um das Verfahren zu manipulieren.
„Unsere Überwachung und Koordination mit allen relevanten Parteien in diesem Fall spielte eine Rolle dabei, mehrere Pläne zu vereiteln, die auf eine Verurteilung von Mohammed Halabi abzielten“, heißt es in einem internen Hamas-Dokument.
Den Dokumenten zufolge überwachte die Hamas die israelischen Gerichtsverfahren, spürte mutmaßliche Informanten im Gazastreifen auf und verhörte sie, und versuchte, potenzielle Zeugen daran zu hindern, nach Israel zu reisen, um auszusagen, erklärte NGO Monitor.
Am 15. Juni 2016 wurde Halabi vom israelischen Sicherheitsdienst (Schin Bet) bei der Einreise in den Gazastreifen festgenommen. Ihm wurde vorgeworfen, 50 Millionen Dollar an Terrorgruppen umgeleitet zu haben.
„Laut Anklageschrift nutzte Halabi fiktive humanitäre Projekte und landwirtschaftliche Vereinigungen als Tarnung für die Veruntreuung von Geldern und Materialien zugunsten der Hamas“, so NGO Monitor.
Am 15. Juni 2022, genau vier Jahre nach seiner Festnahme und trotz der Bemühungen der Hamas, das Verfahren zu sabotieren, wurde Halabi vom Bezirksgericht Beerscheva in mehreren terrorbezogenen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Dazu gehörten die Lieferung von Baumaterialien an die Hamas zum Bau (und zur Verschleierung) militärischer Anlagen und Tunnel, die Beschaffung von Waffen, das Sammeln von Informationen über israelische Stellungen, die Umleitung von Geldern, die Anstellung von Hamas-Mitgliedern sowie die Manipulation des Ausschreibungsverfahrens von World Vision zugunsten der Organisation.
Das Gericht in Beerscheva verurteilte Halabi zu zwölf Jahren Haft. Am 1. Februar 2025 wurde er jedoch im Rahmen eines Geisel-gegen-Waffenruhe-Abkommens freigelassen. Laut der britischen Zeitung The Guardian wurde Halabi im Gazastreifen geboren. NGO Monitor teilte JNS mit, dass er sich vermutlich wieder dort aufhält.
Die Gerichtsverhandlungen fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, um Sicherheitsquellen nicht zu gefährden. Dies setzte Israel der Kritik von Menschenrechtsgruppen aus, die Halabi rasch verteidigten.
Am 17. Mai 2023 bezeichnete Amnesty International, bekannt für seine israelkritische Haltung, Halabi als „gewaltlosen politischen Gefangenen“. Die Organisation erklärte, er habe „sein Leben der Unterstützung und Stärkung von Kindern und Menschen mit Behinderungen gewidmet“.
Australisches Interesse
Da der Großteil der World-Vision-Mittel für Gaza damals von World Vision Australia stammte, verfolgte Australien den Fall besonders aufmerksam.
Am 16. Juni 2022, einen Tag nach der Urteilsverkündung, erklärte der damalige Geschäftsführer von World Vision Australia, Tim Costello, ein baptistischer Geistlicher, in einem gemeinsam verfassten Gastbeitrag im Sydney Morning Herald: „Das Urteil von gestern Abend verkündet das Ende der Rechtsstaatlichkeit in den israelischen Gerichten.“
Costello beharrte darauf, Halabi sei „ein unschuldiger Mann“ und es habe „keine substanziellen Beweise“ zur Stützung der Anklage gegeben.
In einem Bericht vom 12. Februar über die Hamas-Dokumente erklärte der Sydney Morning Herald, man habe Costello um eine Stellungnahme gebeten; dieser habe eine Kommentierung abgelehnt.
Gerald Steinberg, Präsident von NGO Monitor, betonte in einer Stellungnahme, „die Hamas-Dokumente zeigen eindeutig, dass die Angriffe der Führung von World Vision Australia auf das israelische Justizsystem Teil einer konstruierten Schmierkampagne waren“.
World Vision International, dessen Jahresumsatz 2023 bei 3,5 Milliarden Dollar lag, stellte seine Aktivitäten im Gazastreifen 2016 infolge von Halabis Festnahme ein. Die Organisation erklärte, sie habe im selben Jahr eine unabhängige Prüfung eingeleitet. Diese wurde im Juli 2017 abgeschlossen und habe „keine Hinweise auf eine Umleitung von Geldern und keine materiellen Beweise dafür gefunden, dass El-Halabi Teil der Hamas war oder für sie arbeitete“.
„Die Untersuchung von World Vision war privat und intransparent. Es ist unklar, wie sie durchgeführt wurde, welche Materialien geprüft wurden und welches Mandat sie hatte“, erklärte NGO Monitor gegenüber JNS.
Die australische Regierung, die World Vision Australia finanziert hatte, setzte ihre Zahlungen unmittelbar nach Halabis Festnahme aus. In den Jahren 2022–23 stellte das australische Außen- und Handelsministerium (DFAT) der Organisation jedoch 39,9 Millionen australische Dollar (28,3 Millionen US-Dollar) zur Verfügung.
„Der Wiederaufbau des Gazastreifens wird ein Test für Australien und andere Geberregierungen sowie für die Hilfsindustrie, einschließlich einflussreicher NGOs“, sagte Steinberg gegenüber JNS. „Werden sie aus diesem und anderen Versagen lernen und mit Israel bei echten Kontrollmechanismen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass Steuergelder nicht länger an Terroristen umgeleitet werden?“
Auch in den Vereinigten Staaten geriet World Vision International unter Beobachtung. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2020 stellte Senator Chuck Grassley (Republikaner, Iowa) fest, dass World Vision unwissentlich mit der Islamic Relief Agency (ISRA) zusammengearbeitet hatte, einer Organisation, die seit 2004 von den USA wegen Terrorfinanzierung sanktioniert ist.
„Unwissenheit kann nicht als Entschuldigung ausreichen“, sagte Grassley damals.
2023 sandte Grassley ein Schreiben an World Vision International und forderte Informationen über die Prüfung nach Halabis Verurteilung an. Da World Vision den Prüfbericht nicht veröffentlicht hatte, verlangte Grassley eine ungeschwärzte Fassung.
„Im Jahr 2022 erhielt World Vision 491 Millionen Dollar in Form von ‚Lebensmitteln, Nicht-Lebensmittelgütern und Bargeld‘ von der US-Regierung. Zudem ist World Vision der sechstgrößte Umsetzer von USAID-Zuschüssen“, erklärte er.
„Der Kongress und das amerikanische Volk haben Anspruch auf Transparenz hinsichtlich der Schritte, die World Vision unternommen hat, um sicherzustellen, dass Steuergelder wie vorgesehen verwendet und nicht für illegale Aktivitäten missbraucht werden“, fügte er hinzu.
Obwohl Grassley seine Anfrage nach dem Prüfbericht wiederholt hat, hat die Organisation ihm oder seinen Mitarbeitern diesen bislang nicht zur Verfügung gestellt.




