Die israelische Armee (IDF) hat angekündigt, Zehntausende zusätzliche Reservisten einzuberufen. Die Mobilisierung dient der Vorbereitung auf eine Ausweitung der militärischen Operationen im Gazastreifen – insbesondere in Rafah im Süden, wo sich nach israelischen Schätzungen die letzten vier Hamas-Bataillone verschanzen.
Generalstabschef Eyal Zamir erklärte am Sonntag vor Soldaten der Eliteeinheit „Shayetet 13“:
„Diese Woche verschicken wir Zehntausende Einberufungsbefehle an unsere Reservisten, um unsere Operation in Gaza zu intensivieren und auszuweiten. Wir erhöhen den Druck mit dem Ziel, unsere Leute zurückzubringen und die Hamas zu besiegen. Wir werden in weiteren Gebieten operieren und sämtliche Infrastruktur – über und unter der Erde – zerstören.“
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Freitag das Sicherheitskabinett einberufen und die Zustimmung für die Militäroperation in Rafah erhalten. Er betonte: „Wir werden in Rafah operieren. Das braucht Zeit, aber es wird passieren.“ Die IDF bereitet sich darauf vor, die letzten bedeutenden Hamas-Stellungen zu zerschlagen und gleichzeitig die internationale Kritik an einer Offensive in diesem dicht besiedelten Gebiet auszubalancieren.
Die Mobilmachung von weiteren Reservisten soll auch reguläre Einheiten entlasten, die bislang in anderen Regionen wie dem Libanon sowie in Judäa und Samaria stationiert waren. Bereits am Freitag hatte die Armee mit Evakuierungsmaßnahmen für rund 100.000 Palästinenser in Teilen von Rafah begonnen.
IDF zerstört Hamas-Stellungen in Rafah
In einer separaten Mitteilung bestätigte die IDF, dass ihre Streitkräfte weiterhin im gesamten Gazastreifen operieren, um terroristische Infrastruktur zu zerstören und die israelische Zivilbevölkerung zu schützen. Die Reservepanzerbrigade „Eiserne Faust“ (205. Brigade) ist derzeit in Rafah im Einsatz. Sie hat dort Stellungen der Hamas über und unter der Erde zerstört und Dutzende Terroristen eliminiert.
Die Armee entdeckte zudem ein Waffenlager, das sich nur rund 80 Meter von einer ehemaligen Schule und etwa 100 Meter von einem früheren Krankenhaus in Rafah entfernt befand.
Am Wochenende führten IDF-Truppen in enger Zusammenarbeit mit dem Inlandsgeheimdienst Shin Bet umfangreiche Operationen im gesamten Gazastreifen durch. In Gaza-Stadt kämpften Reservisten der Jerusalemer Brigade unter dem Kommando der 252. „Sinai“-Division weiterhin im Stadtteil Shejaiya, räumten Tunnelanlagen und beschlagnahmten Waffendepots.
Die israelische Luftwaffe griff über 100 Terrorziele an – darunter Tunnelschächte, Kommandozentralen und Gebäude, die von bewaffneten Hamas-Einheiten genutzt wurden. Bodentruppen fanden weitere Waffen und töteten mehrere Terroristen.
Trotz der anhaltenden Angriffe geht die IDF davon aus, dass die Hamas noch über mindestens zwei organisierte Brigaden verfügt und weiterhin eine Bedrohung darstellt. Gleichzeitig zeigen sich jedoch erste Auswirkungen des anhaltenden militärischen und humanitären Drucks: Einige Hamas-Kämpfer haben sich ergeben, und das Kommando- und Kommunikationsnetzwerk der Terrororganisation wurde stark beschädigt.
Dermer: Krieg und Geiselbefreiung gehören zusammen
Strategieminister Ron Dermer, der maßgeblich an den Verhandlungen über ein Geiselabkommen beteiligt ist, bekräftigte vergangene Woche auf dem JNS International Policy Summit, dass Israel sowohl die Hamas besiegen als auch alle Geiseln heimholen will.
„Manche in Israel sagen: Lasst die Geiseln zurück und beendet endlich den Krieg. Andere sagen: Vergesst den Krieg und bringt die Geiseln heim. Wir aber sagen: Beides ist wichtig – wir werden die Hamas bekämpfen und die Geiseln zurückholen“, erklärte Dermer. „Das ist die Haltung des Ministerpräsidenten – und auch meine.“
Dermer zeigte sich zuversichtlich, dass der multifrontale Konflikt, mit dem Israel derzeit konfrontiert ist, in einem Jahr beendet sein werde – „und dass Israel gewonnen haben wird“.
Die erklärten Ziele Israels im Krieg bleiben: die vollständige Zerschlagung der Hamas als politische und militärische Kraft, die Rückkehr aller Geiseln und die dauerhafte Verhinderung einer Bedrohung aus dem Gazastreifen.




