Ein neuer Bericht des Forschungs- und Informationszentrums der Knesset verdeutlicht die verheerenden psychischen Folgen des Massakers vom 7. Oktober 2023 für die Überlebenden des Nova- und Psytrance-Festivals. Tausende von ihnen kämpfen mit Traumata und posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD). Die Studie, die im Auftrag des Knesset-Ausschusses für öffentliche Angelegenheiten erstellt wurde, enthüllt alarmierende Daten zu psychischem Stress, unzureichender Versorgung und sogar Suiziden unter den Betroffenen.
Psychologische Hilfe und Suizidzahlen
Dem Bericht zufolge benötigten rund 2.000 Überlebende psychologische Hilfe, darunter viele, die unmittelbar traumatisiert waren. Das israelische Gesundheitsministerium bestätigte, dass drei Frauen Selbstmordversuche unternommen und eine 22-jährige Überlebende des Nova-Festivals Selbstmord begangen habe. Dieser Suizid wurde als Einzelfall dokumentiert, Überlebende und Angehörige berichten jedoch von einer höheren Dunkelziffer. Genaue Zahlen über Betroffene, die sich in psychiatrischer Behandlung befinden, fehlen bis heute.
Das Massaker vom 7. Oktober 2023 traf die Teilnehmer des Nova-Festivals, des Psytrance-Events und das Vorbereitungsteam des Midburn-Festivals mit voller Wucht. Bei dem Angriff wurden 399 Menschen getötet, viele weitere verletzt oder entführt. Die Überlebenden wurden Zeugen grausamer Verbrechen, darunter Mord und Entführung. Insgesamt erkannte der Nationale Versicherungsfonds Israels 3.710 Überlebende als Opfer von Terrorakten an. Etwa die Hälfte von ihnen wurde als behindert eingestuft, viele leiden an PTBS oder anderen psychischen Erkrankungen.

Unterstützungsangebote und Kritik an der Versorgung
Die Betroffenen haben Anspruch auf finanzielle Unterstützung, darunter die Erstattung medizinischer Kosten, Rehabilitationsmaßnahmen und Verdienstausfallentschädigungen während Krankenhausaufenthalten. In den ersten zwei Monaten nach Kriegsbeginn erhielten alle Betroffenen eine vorläufige finanzielle Unterstützung, unabhängig von der Einstufung des Behinderungsgrades.
Das Sozialministerium hat in Zusammenarbeit mit der israelischen Trauma-Koalition, lokalen Behörden und anderen Organisationen therapeutische Angebote geschaffen. Mehr als 1.000 Überlebende nutzten diese Hilfsprogramme bis November 2024. Dennoch kritisiert der Bericht, dass die Versorgung der Betroffenen oft unzureichend ist. Betroffene berichten von langen Wartezeiten, bürokratischen Hürden und fehlenden Ressourcen.
Die Mehrheit der anerkannten Überlebenden sind Männer (66 %). Der größte Anteil entfällt auf die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen (75 %), gefolgt von 20 % der 25- bis 45-Jährigen. Weniger als 6 % der Betroffenen sind älter als 45 Jahre oder jünger als 18 Jahre.

Ein besonders sensibles Thema sind die Suizide unter den Überlebenden. Der Bericht weist darauf hin, dass sich Betroffene und Angehörige zunehmend Sorgen um die psychische Stabilität der Hinterbliebenen machen. Das Gesundheitsministerium betont jedoch, dass nur ein bestätigter Suizid und drei Suizidversuche dokumentiert sind. Daten zu Überlebenden, die Soldaten waren und in speziellen Militärzentren behandelt werden, fehlen bislang.
Reaktionen und Perspektiven
Yitzhak Pindrus, Vorsitzender des Knesset-Ausschusses für öffentliche Angelegenheiten, äußerte sich besorgt über die Situation: „Die Zahlen verdeutlichen, was Überlebende und ihre Familien seit mehr als einem Jahr anprangern: Viele Betroffene brauchen dringend Hilfe, die sie nicht in ausreichendem Maße erhalten.“

Pindrus begrüßte die Entscheidung, einen Sonderbeauftragten zu ernennen, der die Hilfsmaßnahmen koordinieren soll. „Hier geht es um Leben und Tod. Es ist unsere Pflicht, den Überlebenden so schnell wie möglich die dringend benötigte Hilfe zukommen zu lassen“, betonte er.
Der vollständige Bericht wird bei einer Parlamentssitzung vorgestellt, bei der weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Überlebenden diskutiert werden sollen. Im Mittelpunkt stehen dabei der Ausbau der therapeutischen Angebote und der Abbau bürokratischer Hürden für die Betroffenen.




