Neu in unserem Print-Magazin: Eine exklusive Serie über Israelis und ihr faszinierendes Leben. Sie können mit interessanten Lebensgeschichten aufwarten, manchmal tragisch, vom Schicksal gebeutelt, manchen war das Glück gewogen. Wir möchten Ihnen in unserer neuen Serie genau jene Menschen vorstellen, die sonst niemand beachtet: Menschen am Rande der israelischen Gesellschaft, Aussteiger und Menschen mit einer eindrucksvollen Geschichte.
Lesen Sie hier eine Kostprobe und vergessen Sie nicht, unser Magazin zu abonnieren.
Shuki feiert diese Woche seinen 43. Geburtstag, aber seine Geschichte beginnt im Jahr 1932. In diesem Jahr wurde sein berühmter Vater Andre Haidu in eine säkulare Familie ohne Bindung zum Judentum, in Budapest geboren. Erstaunlicherweise hat er den Holocaust einigermaßen gut überstanden (Shuki nennt als Vergleich den Film „Das Leben ist schön“ von Roberto Benigni). Nach Kriegsende begann er Musik zu studieren und als Komponist zu arbeiten. Als 1956 die Revolution in Ungarn begann, emigrierte er mit seiner Mutter nach Paris, setzte sein Musikstudium fort und machte Karriere. Ein verlockendes Jobangebot schickte ihn nach Tunis, wo er erstmals mit der Welt der Religion in Kontakt kam und sein Judentum eine neue Bedeutung bekam. Als er nach Israel auswanderte, gelang es ihm, die ultraorthodoxe Welt mit der Welt der Musik zu verbinden. 1997 gewann er dafür den Israel-Preis.
Andre und seine Frau schickten ihre sechs Söhne in streng ultraorthodoxe Bildungseinrichtungen, wobei er glaubte, dass die ultraorthodoxe Welt, die er in Paris zurückließ, dieselbe sei wie die in Jerusalem. Aufgrund der Kluft zwischen der Offenheit zu Hause und der Starrheit des Bildungsrahmens in Israels Hauptstadt durchliefen die Jungen eine Reihe von Schulen auf dem religiösen Kontinuum.
Shuki – der älteste Sohn – durfte wie seine Brüder an der Hartman High School studieren. Dort gab es pluralistischen und integrierten Religionsunterricht. Bis heute hält Shuki den Schabbat gemäß dem Gesetz, trägt aber keine Kippa: „Ich muss nicht jedem zeigen, dass ich religiös bin – das ist etwas zwischen mir und Ihm da oben.“ Er sagt, dass jeder seiner Brüder die Religion anders angenommen habe, er hat einen ultraorthodoxen Bruder in Bnei Berak, aber auch einen weltlichen Bruder in Givatayim. Drei Jahre lang diente Shuki als Militäroffizier in der Givati-Patrouille und begann nach Beendigung seines Dienstes, während er über seine zukünftige Richtung nachdachte, bei den Ausgrabungen in der Davidsstadt zu arbeiten. Sein Wunsch war es, Archäologie zu studieren und laut ihm war es „ein Glück wurde ich nicht angenommen“ (Keiner der Söhne folgte dem Weg des Vaters und wandte sich der Musik zu – die Angst vor Vergleichen war zu groß).
Shuki begann als Sicherheitsbeamter für die Regierung zu arbeiten. In dieser Zeit traf er auf Hunderte Besucher Israels und während sie auf ihre Einreisegenehmigung warteten, fragte er sie, was sie machten und wie zufrieden sie seien. Er kam schnell zu dem Schluss, dass die glücklichsten Menschen Reiseleiter sind: „Das Lächeln, das während des Gesprächs auf ihren Gesichtern erschien, zeigte ihre Liebe zum Beruf.“
Nach zwei Jahren schloss Shuki den Kurs für Reiseführer des Tourismusministeriums ab und begann im ganzen Land zu arbeiten. „Ich habe jedem Jobangebot zugestimmt, um in diesem Bereich erfolgreich zu sein und voranzukommen.“
Sehr schnell wurde ihm klar, dass seine wahre Liebe die Arbeit in Jerusalem ist, und noch schneller wurde ihm klar, dass sein Lieblingsviertel in der Stadt der Mahane-Yehuda-Markt ist.
Damals – vor 15 Jahren – gab es keine Touren auf dem Markt und Shuki beschloss, diesen Bereich weiterzuentwickeln und sich darauf zu konzentrieren. Er kam zum Markt und saß stundenlang mit den Besitzern der Bastas, Restaurants und anderen Marktarbeitern zusammen. Die tiefen Verbindungen, die er in dieser Zeit knüpfte, dienen ihm bis heute. Für ihn ist der Markt ein wahrer Mikrokosmos Jerusalems. Hier arbeiten Juden aus allen Bereichen neben Arabern aus dem Osten der Stadt mit guten Beziehungen und persönlichen Verbindungen. Jede seiner Touren beginnt mit dem Satz: „Hallo, ich bin Shuki vom Shuk (Markt auf Hebräisch) und ich bin für die nächsten zwei Stunden euer Jerusalemer.“

Shuki ist mit einer säkularen Frau verheiratet, die ebenfalls aus einer religiösen Familie stammt und deshalb besuchen beide Söhne die Keshet-Schule (eine gemischte Schule für religiöse und säkulare Kinder). Während Shuki und die Jungs den Schabbat begehen, sitzt die Ehefrau im anderen Zimmer vor dem Fernseher. Sein ältester Sohn feierte erst vor einer Woche eine Bar Mizwa: „Ich habe ihn zu meinem 30. Geburtstag geschenkt bekommen“, erklärt Shuki.
Shukis Markenzeichen ist seine ausgefallene Kleidung, die im starken Gegensatz zur Mode der Arbeiter auf dem Markt steht. Er mochte jedoch schon immer schicke und farbenfrohe Kleidung. Die grundlegende Veränderung geschah, nachdem wir ausgewählt wurden, den Präsidenten des Landes Reuven Rivlin und seinen Gast, den deutschen Bundeskanzler, zu führen. Shuki beschloss, ihnen einen Rundgang zu geben und dabei den Wandmalereien auf dem Markt zu folgen. Aus Respekt vor seinen Gästen lieh sich Shuki einen feinen Anzug von einem Freund. Dabei merkte er schnell, dass ihn alle seine Touristen anders behandeln, wenn er so gekleidet ist. Zu seiner Garderobe gehören heute unzählige Hemden und Anzüge in vielen Farben, dutzende Paar Schuhe und Hüte. Auch auf Accessoires legt er großen Wert, so kreierte er selbst mit Federn verzierte Bänder für seine Hüte. Die Brille, die er wählt, passt immer zu der Anstecknadel, die er am Revers tragen wird, sowie zur Kette, die er tragen wird. Diese Liebe zum Detail ist offensichtlich und inspirierend. Er kauft alles in Second-Hand-Läden in Israel und auf der ganzen Welt und schafft es so, einen an ihn angepassten persönlichen Stil zu bewahren.
Oh – und er hat einen kleinen Bart, ein Hinweis auf die Liebe, die er zu Bob Marley hegt: „Ich möchte keine Dreadlocks haben, also habe ich mich für einen kleinen Bart wie den von Bob entschieden.“
Heute ist Shuki der Top-Reiseführer für Besucher des berühmten Mahane-Yehuda-Markts. Genauso wie dieser Shuk, hat Shuki einen ganz persönlichen Stil, der ihn einzigartig macht und ihm einen ganz besonderen Charakter verleiht. Die Geschichten, die Shuki während seiner Touren über sich selbst erzählt, sind dementsprechend genauso spannend, wie seine Geschichten über Jerusalem und seinen weltberühmten berühmten Markt.




