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Tacheles mit Aviel – Der Wecker hat geklingelt

Tacheles, offen und unverblümt sage ich meine Meinung. Bei vielen Menschen im Land hat der Wecker geklingelt. Und wie. Und bei vielen klingelt er immer noch.

Wecker
Israelis protestieren gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und die derzeitige Regierung in Tel Aviv, 13. Januar 2024. Foto von Avshalom Sassoni/Flash90

Am 7. Oktober hat der Wecker geklingelt. In allen Bevölkerungsschichten sind die Menschen im Land aufgewacht. Die Linken sind weiter nach rechts gerückt, die Rechten sind noch extremer geworden und die Bibi-Fans haben sich weiter von Bibi entfernt. Orthodoxe Juden, die sich bisher aus Glaubensgründen geweigert haben, in der Armee zu dienen, überlegen nun doch, ob sie den Wehrdienst antreten sollen. Gerade im Krieg haben sich Soldaten und Reservisten aus allen Schichten und Regionen des Landes neu kennengelernt und verstanden, dass wir alle ein Volk sind. Die Menschen erwachen aus ihren Vorstellungen und Träumen. Das ist nicht einfach. Aber es passiert, wenn ein Volk in Not ist, so wie jetzt. Israel befindet sich immer noch in einem Schockzustand, die meisten würden sagen, dass sich die Menschen in einem Posttrauma befinden. Nur bei den Arabern in Israel sehe ich kein Erwachen. 

Viele von euch kennen sicher den berühmten israelischen Texter, Komponisten und Musiker Idan Raichel. Er ist bekannt für sein „Project„, das elektronische Musik mit traditionellen hebräischen Texten sowie orientalischer und afrikanischer Musik verbindet. Vor wenigen Tagen sagte er vor der Kamera: „Wie ist es möglich, nicht nach rechts zu rücken?“ Was im Land passiert ist, lässt die Menschen aufwachen, auch Idan Raichel, der bisher wegen seiner Weltmusik und seiner linken Haltung auch im Ausland sehr beliebt war: „In der Frage des Krieges gibt es keine andere Wahl, als weiter nach rechts zu rücken. Der ganze Krieg ist von Anfang bis Ende ein einziges großes Kriegsverbrechen. Auch wenn man ein Linker ist, wie kann man sich in einem Krieg wie diesem Verhalten, nach allem, was passiert ist?“. Idan ist mit Damaris Deubel, einer aus Österreich stammenden Chefin, verheiratet und lebt mit seinen Töchtern in Tel Aviv.

Jetzt hat Idan beschlossen, jedes Konzert mit der israelischen Hymne Hatikva zu beenden. Dass er wegen seines Rechtsrucks nicht mehr wie früher auf die großen Bühnen der Welt eingeladen wird, nimmt er in Kauf.

 

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In einem weiteren Instagram-Post schrieb Raichel, er verurteile nun die meisten Palästinenser im Gazastreifen als Terroristen, weil sie nicht gegen die Terrororganisation Hamas aufgestanden seien. „Sie hätten mutig sein können – und heute Nacht in alle Tunnel eindringen und sich gegen die Hamas erheben können“, schrieb Raichel und fügte hinzu: „Sie hätten sie bekämpfen können, auch um den hohen Preis von Tausenden von ihnen –  und alle Geiseln zurückbringen, die Terrororganisation Hamas rauswerfen und anfangen, ihr Leben neu aufzubauen. Aber nein!“

Auch für die bekannte israelische Sängerin und Schauspielerin Miri Mesika hat sich alles verändert. Seit dem barbarischen Überfall vom 7. Oktober ist bei ihr jede Erinnerung an linke Fantasien verschwunden. „Ich bin liberal, für Demokratie und Gleichberechtigung. Aber jetzt bin ich nicht nur rechter geworden, ich sehe niemanden mehr, nur noch uns. Ich erkenne mich selbst nicht mehr. Früher wollte ich immer den anderen sehen und verstehen, was ihn verletzt, was ihm weh tut“, sagte Mesika in einem Interview. Sie erinnerte sich an die Worte ihrer verstorbenen Großmutter, die eine Kämpferin der Lechi (Kämpfer für die Freiheit Israels, eine zionistische, paramilitärische Untergrundorganisation während des britischen Mandats) war. „Mirale, du verstehst die Tiefe der Geschichte zwischen den Völkern nicht. Du kennst ihre Mentalität nicht, du hast nie mit Arabern gelebt. Ich weigerte mich, ihr zu glauben. Ich bin entmutigt, dass der Hass dort so tief ist, dass ein zweijähriges Kind Juden hasst.“

Miri Mesika singt vor 40.000 Menschen bei einer pro-israelischen Demonstration in London am 14. Januar 2024 zum 100. Tag seit dem 7. Oktober 2023.

Mesika und Raichel sind nur ein kleines Beispiel für linke Persönlichkeiten, die von ihren linken Fantasien über die Palästinenser nichts mehr wissen wollen.

Andererseits sind auch Menschen aufgewacht, die in Bibi nicht mehr König David oder den erhofften Erlöser sehen. Seit elf Jahren ist Alon Davidi Bürgermeister der südlichen Stadt Sderot, nur zwei Kilometer vom Gazastreifen entfernt. Keine andere Stadt wie Sderot hat in diesen Jahren so sehr unter dem Raketenbeschuss gelitten wie seine Stadt. Seit 23 Jahren lebt Sderot im Terror und dafür ist Alon Davidis Kandidat verantwortlich – Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu. „Sobald der Krieg vorbei ist, muss Netanjahu aufstehen und gehen. Alle waren arrogant und haben Lügen verbreitet, dass die Hamas besiegt sei. Jahrelang habe ich die Regierung und den Sicherheitsapparat angefleht, eine Bodenoffensive im Gazastreifen zu starten und die Hamas zu vernichten. Aber nichts ist passiert“, sagte Alon Davidi im Gespräch mit Walla.

Der Bürgermeister von Sderot, Alon Davidi, an der Einschlagstelle einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete, Sderot am 24. Oktober 2023. Foto: Yossi Aloni/Flash90

Alon Davidi ist ein langjähriger Likud-Wähler und Freund von Bibi. Die große Mehrheit in der Stadt Sderot sind Likud-Wähler. Aber jetzt scheint bei Alon, wie bei vielen anderen in Sderot, das Los gefallen zu sein. Sie sind aufgewacht. „Ich weiß nicht, ob Bibi bereit ist, die Verantwortung für das zu übernehmen, was er in den 23 Jahren getan hat, in denen wir unter dem Terrorismus gelitten haben. Wir müssen ehrlich sagen, dass er die meiste Zeit an der Spitze stand“, so Davidis Vorwurf. „Bibi ist der Mann, der nach dem Konzept lebt, das die Hamas zu dem mächtigen Monster gemacht hat, das sie geworden ist.“ Davidi ist nur ein Beispiel von vielen, die Benjamin Netanjahu öffentlich nicht mehr trauen. Das hört man übrigens von vielen Likud-Wählern im Land. Die meisten sprechen von einem Neuanfang in der israelischen Politik. Alle müssen ausgetauscht werden.

Selbst der orthodoxe Gesundheitsminister Moshe Arbel von der sefardischen Schas-Partei rief kürzlich die orthodoxe Bevölkerung zum Dienst in der Armee auf. Schon in den zwei Wochen nach dem Überfall der Hamas auf den Süden Israels hatten sich mehr als 2.000 junge orthodoxe Juden aus dieser Religionsgemeinschaft freiwillig zum Dienst gemeldet. In der Vergangenheit haben nur wenige ultraorthodoxe Juden in der israelischen Armee gedient, was zu Ressentiments geführt und zu den jüngsten Protesten gegen die Regierung beigetragen hat.

Die ultraorthodoxen Juden machen etwa 15 Prozent der israelischen Bevölkerung aus und sind die am schnellsten wachsende Gemeinschaft des Landes. Traditionell verweigern sie den Wehrdienst, glauben aber, dass sie ihren Dienst leisten, indem sie junge Männer zwischen 13 und 22 Jahren zum Vollzeitstudium der Thora verpflichten, die ein schützendes Netz über Israel und die jüdische Gesellschaft spannt. Doch in den letzten Monaten wollen immer mehr orthodoxe Toraschüler zu den Waffen greifen und kämpfen, und nicht nur sie. Sogar einer unserer Mitarbeiter, ein orthodoxer Jude, M.S., Vater von vier Kindern, denkt jetzt über einen verkürzten Wehrdienst nach. Das war in den letzten Monaten eine lebhafte Debatte in den Medien, weil orthodoxe Jeschiwa-Schüler die Not im Volk sahen und mitkämpfen wollten. Aber das ist oft nicht so einfach, weil ihre Rabbiner dagegen sind und sie davon abhalten wollen. Natürlich nicht alle, aber immer noch die Mehrheit. Aber in den Köpfen der jungen orthodoxen Juden hat sich ein neues Denken entwickelt.

Ultraorthodoxe jüdische Männer, die sich nach Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hamas für den Dienst in der israelischen Armee entschieden haben, treffen am 23. Oktober 2023 in den Rekrutierungsbüros der israelischen Armee in Tel Hashomer bei Tel Aviv ein. Foto von Avshalom Sassoni/Flash90

Der Weckruf vom 7. Oktober hat die israelische Gesellschaft im Land wachgerüttelt. Was bisher im Land war, kann so nicht bleiben. Die Menschen haben ihre Selbstsicherheit verloren und alle – die meisten – sind aufgewacht. Israel muss aufwachen, umdenken und neu prüfen, ob Frieden mit den palästinensischen Nachbarn wirklich möglich ist. Der Auftrag in der Vision muss neu in die Hand genommen werden. In der Politik, aber vor allem mit Gott. Ich weiß, es ist für viele schwer zu verstehen, aber Gott ist mit im Spiel, denn das Volk Israel ist nach den biblischen Visionen der Propheten in das Gelobte Land zurückgekehrt.

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Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “Tacheles mit Aviel – Der Wecker hat geklingelt”

  1. Roland Kunz sagt:

    Nun warte ich noch, dass der Historiker Moshe Zimmermann – ein notorischer Nestbeschmutzer Israels – den Wecker hört. Immer wieder lässt er sich willig als Feigenblatt der internationalen Medien gegen deren antisemitische Berichterstattung missbrauchen und merkt dabei nicht einmal, wie er vorgeführt wird.

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