MitgliederZionismus: Ein Volk, ein Land, eine göttliche Gegenwart

Woher hat das jüdische Volk immer gewusst, dass die Eroberungsmächte nur auf der Durchreise waren, und woher kommt sein Beharren darauf, dass „dieses Land unser Land ist“?

Blick auf eine Chupa, die bei einer jüdischen Hochzeitszeremonie verwendet wird Foto: Gershon Elinson/Flash90

Über die Enden der Erde verstreut, durch Leid und Tränen, Schrecken und Ängste hindurch, hat das jüdische Volk stets unermüdlich nach einem Land gestrebt, nach einer Heimat, nach Zion.

In Ghettos eingesperrt, im Untergrund und unterdrückt, hat es sich doch Jahrtausende lang geweigert, zum Schweigen gebracht zu werden. „Barmherziger Vater, sei gütig zu Zion und baue die Mauern Jerusalems wieder auf“, beten wir Juden unablässig.

Was hat diese unerschütterliche Sehnsucht nach einem winzigen Stück Land am Leben erhalten? Wie kann ein wüstes Fleckchen Erde, an das man sich nur erinnert, so geliebt werden, „bis dass der Tod uns scheidet“?

Zionismus ist keine sentimentale Sehnsucht nach dem verlorenen Eden, sondern eine Willenskraft, eine unnachgiebige Treue zu einem uralten Bund, der mit Blut geschlossen wurde, eine göttliche Ketubah, wenn man so will, die das physische und geistige Erbe Abba Abrahams für seine Kinder garantiert. Das Volk Israel ist mit dem Land verheiratet, und der Zionismus ist die Leidenschaft seiner Liebesbeziehung.

Man wird euch nicht mehr als Verlassene bezeichnen und euer Land nicht mehr als verödet bezeichnen. Sondern man wird dich Hephzibah (ich habe Gefallen an ihr) nennen und dein Land Beulah (verheiratet); denn der Herr wird Gefallen an dir finden, und dein Land wird verheiratet sein. (Jes. 62:4)

Und die Hochzeitsglocken hallen immer noch, während die Menschheit in einer modernen geistigen Klimakrise der gefährlichsten Bedrohung unserer Existenz gegenübersteht. Wir haben uns von der Bibel entfremdet, und die moralischen Grundlagen all dessen, was eine gerechte Gesellschaft gewährleisten könnte, liegen verbrannt auf der Erde.

Wir sagen, es sei naiv und tollkühn, an fantastische Ideale einer Welt zu glauben, in der Gerechtigkeit herrscht und wir in Frieden zusammenleben, in der die Menschen lieben und ehren. Die Glocken unserer Kirchen klingen fremd gegenüber unseren „Fortschritten“, während die „aufgeklärte“ Zivilisation um uns herum gnadenlos zusammenbricht.

Dann, an einem Tag, hallte ein Echo der Ewigkeit im Bewusstsein der Welt wider. Aber wer hat unserem Bericht geglaubt? Die Rückkehr nach Zion ist ein biblisches Ereignis, das dem Exodus in nichts nachsteht, und der Zionismus ist Mose, der uns in das Gelobte Land zurückführt.

Der Zionismus stellt das gesamte menschliche Geschichtsverständnis infrage und untergräbt die traditionellen religiösen, sozialen und philosophischen Grenzen. Er ist eine Blamage für alle, die auf intellektuelle Konformität mit modernen Paradigmen angewiesen sind. Es gibt keine empirischen Untersuchungen, die ihn erklären könnten, keine Modelle, keine universellen Prinzipien oder Kategorien, die ihn beschreiben könnten. Der Zionismus ist ein Vorbote, ein Schuss in die Welt, der die kühne Hoffnung auf den Gott Israels wiedererweckt.

Die Welt schreit unfair, ungerecht, unmoralisch, rassistisch, weil sie das Konzept eines Ehebundes mit einem auserwählten Volk und einem Land nicht nachvollziehen kann. Auch Israel hat darunter gelitten, dass es die Quelle seiner göttlichen Gunst nicht kennt.

Aber was für eine Ehe! Ein Land für ein Volk und ein Volk für ein Land. Was könnte es für die Familie Abrahams Schöneres geben als das Erbe eines liebenden Vaters, der das Bedürfnis seiner Kinder nach einer Heimat und einem Ort versteht, an dem sie ihre Familien pflegen und aufziehen können, ein Land, für das wir kämpfen und das wir lieben und in dem wir unser Erbe für kommende Generationen pflegen können.

 

Der Zionismus: eine Liebesaffäre zwischen Gott und Israel

Der Zionismus ist ein Aufruf zur Neuinterpretation der Geschichte. Der Zionismus erinnert uns daran, dass der Wandel der Politik, der Kriege, der Regierungen und der Nationen auf unerklärliche Weise auf das gewünschte Ziel des Barmherzigen zusteuert.

Israel ist das Volk, in dem die Bibel weiterlebt, und Zion ist die Erfüllung von Israels Bestimmung.

Würde Israel das Land aufgeben, wäre das eine Verhöhnung der Hoffnungen, der Hingabe und der Gebete unzähliger Generationen und eine Verhöhnung der Bibel.

Woher wussten wir, dass die Eroberungsmächte nur auf der Durchreise waren? Woher kommt es, dass wir darauf beharren, dass dieses Land unser Land ist? Wir haben es durch unsere Lieder, unsere Gebete und Erinnerungen bewahrt.

Um Zions willen schweige ich nicht, und um Jerusalems willen lasse ich nicht ab, bis seine Gerechtigkeit hervorbricht wie Lichtglanz und sein Heil wie eine brennende Fackel.

Aber der Zionismus ist nicht nur eine Erinnerung aus der Vergangenheit, die uns an das Land bindet, er ist unsere Tikvah, unsere gegenwärtige Hoffnung, unsere Zukunft.

Von Israel sagt Jesaja: „Ihr seid meine Zeugen, spricht der Herr, und ich bin Gott“ (43,12). Ein Rabbiner aus dem zweiten Jahrhundert verstand diese Worte so, dass ich Gott bin, wenn ihr meine Zeugen seid, und wenn ihr aufhört, meine Zeugen zu sein, bin ich nicht Gott. Wenn es keine Zeugen gibt, gibt es auch keinen Gott, den man erkennen, hören oder kennenlernen kann.

Zionismus, ein Volk, ein Land, eine göttliche Liebesaffäre.