Wie jüdisch muss Israel sein?

Die Israelis sind sich darin einig, dass Israel nicht nur ein jüdischer Staat, sondern als solcher demokratisch zu sein hat. Aber sie stimmen keineswegs darin überein, was genau unter „jüdisch“ und unter „demokratisch“ zu verstehen ist.

von Aviel Schneider |
Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Anlässlich des 73. Jahrestages der Nation veröffentlichte das Jewish People Policy Institute aktuelle Umfrageergebnisse. Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen beantworten grundlegende Fragen zur Identität des Staates höchst unterschiedlich.

53 Prozent der säkularen Juden im Land sind der Meinung, dass der Staat „zu jüdisch“ orientiert sei. 90 Prozent der orthodoxen und religiösen Juden hingegen sind der entgegengesetzten Ansicht. 47 Prozent der Juden mit traditioneller Orientierung stimmen den Religiösen darin zu, dass Israel „jüdischer“ werden sollte. Nur die liberalen und säkularen Juden sind zu 62 Prozent der Meinung, dass das Judentum im Staatswesen ausgewogen repräsentiert ist.

So oder so stimmen 98 Prozent der jüdischen Bevölkerung Israels überein, dass Israel jüdisch sein müsse. 88 Prozent gehen auch den Folgeschritt und verstehen, dass deshalb im Land eine jüdische Mehrheit leben muss. Zusätzlich versteht die jüdische Mehrheit (74 Prozent) im Land, dass der Staat dafür die jüdische Kultur fördern und sich um das Judentum in der Diaspora (69 Prozent) kümmern muss. Zusätzlich zu dieser Komplexität (und vielleicht gerade deswegen) ist die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung (66 Prozent) für die Zulassung der Zivilehe, die ohne das Rabbinat zu Stande kommt.

Einigkeit und Recht und Freiheit sind auch Werte, um die die Generationen in Israel streiten.

Die große Mehrheit der israelischen Juden (69 Prozent) meint nicht, dass das Rechtssystem im jüdischen Staat auf der biblischen Halacha basieren muss. Dennoch glauben 22 Prozent der Juden im Land, dass Israels Gesetzgebung auf der Halacha fußen sollte. Diese Haltung nehmen 70 Prozent der Orthodoxen, 53 Prozent der Religiösen und 65 Prozent der nationalreligiösen Siedler ein. Darüber hinaus befürworten knapp 40 Prozent der jüdischen Bevölkerung eine rechtliche Präferenz für Juden im Staat.

Eine weitere, nicht unwichtige Kontroverse besteht um die Frage, ob im jüdischen Staat jüdische Werte höher stehen als demokratische. In diesem Fall stimmt nur eine Minderheit der Säkularen, Traditionellen und religiös Liberalen zu, während eine Mehrheit der religiösen und orthodoxen Juden die jüdischen Werte den demokratischen vorzieht.

Die Umfrage illustriert, weshalb Israel so zerstritten ist. Kein Wunder, dass man sich in den letzten vier Wahlen nicht einigen konnte. Der Präsident des Institutes, Prof. Yedidia Stern: „Aus der Studie ist zu lernen, dass auch kontroverse Themen lösbar sind. Aber es ist die Politik, die alles schwierig macht. Dabei ist gerade sie das Feld, wo Einigkeit hergestellt werden sollte.“

Der Report steht in englischer Sprache zur Verfügung: http://jppi.org.il/en/article/index2021/

 

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