Wenn mit den Schaufäden eine Blutung gestillt wird

Mit seinen Ziziot rettete Rabbiner Eitan Shnerb nach dem Anschlag vom Freitag das Leben seines Sohnes. Es gibt wohl nichts symbolischeres.

Talit mit Ziziot
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Die Bombe, die an einer natürlichen Quelle in der Nähe der Siedlung Dolev versteckt wurde und am Freitagmorgen die 17-jährige Rina Shnerb getötet und ihren Vater und Bruder schwer verwundet hat, ist nur das jüngste tödliche Ereignis im anhaltenden Krieg gegen die Existenz des jüdischen Staates. Ob man dies als Terror oder den heldenhaften Kampf gegen die Besatzung bezeichnet, ändert nichts an dieser elementaren und unbestreitbaren Tatsache, dass Muslime Juden töten für das „Verbrechen”, in dem Land Israel zu leben.

 

Leider sind jedoch viel zu viele Israelis, ganz zu schweigen von Nicht-Israelis, von einer gut gemachten Propaganda überzeugt worden, dass Israel zu Recht die Folgen der Besatzung zu erleiden hat. „Beendet die Besetzung Palästinas”, sagt der Naive, „und der Frieden wird kommen.”

 

Und doch ereignet sich von Zeit zu Zeit etwas, das uns Israelis daran erinnert, worum es bei diesen Morden geht. In einem Telefongespräch mit Premierminister Netanjahu, der anrief, um die Hinterbliebenen zu trösten, erklärte Rabbi Eitan Shnerb: „Meine einzige Botschaft ist es, die Torah, das Land und das Volk Israel weiter zu stärken. Rina ist eine Märtyrerin.”

 

Dies ist eine bemerkenswert kühne Aussage eines Rabbiners, wenn man bedenkt, dass jüdisches Märtyrertum weder begrüßt noch verbreitet ist. Außerdem hat es überhaupt nichts mit dem muslimischen Märtyrertum zu tun. Um nur einen, den offensichtlichsten Unterschied zu nennen: ein Jude wird niemals ein Märtyrer, indem er anderen das Leben nimmt.

 

Dennoch bezieht sich Rabbi Shnerb, als er seine Tochter Märtyrerin (hebr. „harugat malchut“) nennt, auf nichts anderes als die zehn Märtyrer, die von den Römern getötet wurden, weil sie sich geweigert hatten, dem Edikt des Imperiums zu gehorchen, das religiöse Aktivitäten wie Beschneidung, Synagogengebet und die Torah unter die Todesstrafe stellte. Die zehn Märtyrer wurden hingerichtet, weil sie sich weigerten, diese Gesetze zu befolgen. Um nur einen von ihnen zu erwähnen: Rabbi Haninah ben Teradion wurde in eine Torah-Schriftrolle gewickelt, die angezündet wurde, weil er die Torah lehrte, woraufhin auch seine Frau getötet und seine Tochter vergewaltigt wurde. Als die Schüler von R. Haninah ihn fragten, warum er dem römischen Edikt nicht gehorchte, antwortete er: „Ich tue, was mein Gott mir befiehlt.”

 

Nach dieser Analogie war Rinats „Verbrechen” ihr Gehorsam gegenüber dem göttlichen Befehl, „…und ihr sollt das Land in Besitz nehmen und darin wohnen; denn euch habe ich das Land gegeben, damit ihr es in Besitz nehmt.” (4. Moses 33:53). Die Shnerbs leben mit ihren elf Kindern in der von Armut geprägten und hauptsächlich von Arabern bewohnten Stadt Lod, in der nur wenige Juden aus eigenen Stücken leben würden. Laut den Weisen ist das Befolgen des Befehls, das Land zu besitzen, einschließlich Lod, vergleichbar mit dem Befolgen der gesamten Torah. Es ist so sehr wichtig.

 

Nicht weniger bedeutsam waren die Bemühungen von Rabbi Eitan Shnerb, das Leben seines Sohnes zu retten. Trotz seiner eigenen Wunden benutzte er seine Schaufäden, seine Ziziot, um die Blutung aus dem Bein seines Sohnes zu stoppen, und rettete so wahrscheinlich sein Leben. Obwohl er es höchstwahrscheinlich selber nicht so sah, könnte es nichts symbolischeres geben, als die Ziziot in eine Aderkompresse zu verwandeln. Die Ziziot mit all dem, wofür sie stehen, zum Abbinden einer akuten Blutung aus einer Ader zu benutzen, könnten genauso gut ein Hinweis auf das ultimative Heilmittel für unser fortwährendes nationales Bluten sein, welches unsere Führer so lange verzweifelt versucht haben, zu stillen, aber immer ohne das wirksamste Mittel zu benutzen, das unser endloses nationales Bluten letztlich beenden könnte.

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