“Warum nicht Hebräisch lernen?“

Der lebendige Gott der Heiligen Schrift wird nirgendwo besser gesehen als in der hebräischen Sprache

“Warum nicht Hebräisch lernen?“
Noam Revkin Fenton/Flash90

“Hebräisch ermöglicht es uns, das Alte Testament von innen zu sehen, anstatt durch das Fernrohr einer Version zu blicken”, schrieb Leslie C. Allen in einem Essay unter dem Titel dieses Artikels.

Gott hat sich im Laufe der Geschichte durch Taten zu erkennen gegeben, an Männern und Frauen, die von Ebbe und Flut der Ereignisse des realen Lebens erfasst wurden. Er ist der Gott Israels und ein Gott des Handelns, nicht ein Konzept, eine Philosophie oder ein Ideal. Der lebendige Gott der Heiligen Schrift wird nirgendwo besser gesehen als in der hebräischen Sprache, die ihn in der Bibel beschreibt.

 

Lebendige Worte

Die Verfasser der hebräischen Bibel standen beispielsweise im Gegensatz zu unserer modernen Kultur, wo man durch digitale Bildschirme und Unterhaltung mehr zu einem Zuschauer des Realen geworden ist, mit beiden Beinen im Leben. Sie waren aktiv, gerieten mit ihren Händen und Füßen in den Schmutz des Lebens. Sie waren Fischer, Bauern und Handwerker, für die die Wahrheit nicht so sehr eine Idee war, über die man nachdenken musste, sondern vielmehr die Verpflichtung, eine bestimmte Art zu leben und sie in den alltäglichen Erfahrungen des Lebens umzusetzen.

Dieses handlungsorientierte Leben des Volkes Israel spiegelt sich in ihrer Sprache, dem Hebräischen, wider. Im Englischen und im Deutschen setzen wir normalerweise das Substantiv oder Subjekt an den Anfang eines Satzes, und dann folgt das Verb. “Der König regierte”, zum Beispiel. Im Hebräischen ist die Reihenfolge fast immer umgekehrt, und das Verb steht an erster Stelle. “Er regierte, (nämlich) der König.” Im Hebräischen wird die Betonung auf die Handlung gelegt, indem das Verb an den Anfang des Satzes gestellt wird. Englische oder deutsche Übersetzungen spiegeln dies normalerweise nicht wider. Daran sollten wir beim Lesen der Bibel immer denken. Die Handlung wird fast immer betont.

 

Die Macht der Poesie

Ein ganzes Drittel der hebräischen Bibel ist in Poesie geschrieben. Die hebräische Poesie verwendet parallele Zeilen und Gedankenrhythmen, um das Auswendiglernen zu erleichtern und einen Eindruck zu hinterlassen. Die Propheten benutzten oft Wortspiele, um ihre Botschaften zu vermitteln und sie in den Köpfen ihrer Zuhörer zu verankern.

Wir sehen dies an Beispielen wie: mishpat (Gerechtigkeit) und mispah (Blutvergießen) Jes. 5,7; shaqed (Mandelbaum) und shoqed (zuschauen) Jer. 1,11-12; qayitz (reife Frucht) und qetz (Zeit ist reif am Ende) Amos 8,1-2. Es könnten noch viele weitere Beispiele angeführt werden, aber man erhält hier schonmal einen kleinen Blick dafür, dass wir, wenn wir uns in die hebräische Sprache vertiefen, die wahre Bedeutung der Schrift viel besser verstehen und schätzen lernen.

 

Bilder malen

Die hebräische Sprache malt gerne Bilder. Den Verfassern der Bibel ging es nicht so sehr um Konzepte oder Spekulationen, sondern um die Beschreibung dessen, was wir mit unseren Augen sehen. Die Bibel gibt Zeugnis davon, was Gott getan hat, denn so wird er erkannt; durch das, was er tut, und durch sein Handeln in Echtzeit im wirklichen Leben. Selbst der Messias ist “Gott, der unter uns wohnt”, Fleisch und Blut, die in der realen Welt leben.

 

Glaube: Handeln oder Denken?

Für viele Christen, die keinen Hintergrund im Hebräischen der Bibel haben, kann das Verständnis des Glaubens frustrierend sein. Für viele Christen wird “Glauben haben” oder “glauben” als Billigung einer Lehre, eines Dogmas oder eines “Glaubens” angesehen.

Bei den Hebräern war der Glaube anders. Das Verb aman ist eines der Wörter, die in der hebräischen Bibel verwendet werden, um “glauben”, “vertrauen” oder “Glauben haben” zu beschreiben. Aman wird manchmal mit Wörtern wie “bestätigen”, “unterstützen” oder “dauerhaft machen” übersetzt. Sie erhalten die Bedeutung, wenn man weiß, dass im Hebräischen das Wort für Säulen, “Omenot“, von dem Verb aman kommt (2. Kö. 18,16).

“Treue” oder “Vertrauen” (emunah) sind gebräuchlichere Wörter, die auf dem Verb aman basieren. Dies spiegelt das hebräische Verständnis von Glauben als Stabilität, Beständigkeit oder Zuverlässigkeit wider. Dies wird in 2.Mo. 17,12 deutlich, wo Aaron und Hur beschrieben werden, wie sie Moses Hände in der Fürbitte für Israel unterstützen: “Seine Hände blieben emunah (gestützt) bis zum Sonnenuntergang.”

Glaube ist also im Hebräischen die Fähigkeit, unter beunruhigenden Umständen stabil (treu) zu bleiben. Dies spiegelt sich in der entscheidenden Passage wider, die im Neuen Testament oft wiederholt wird, wo der Prophet Habakkuk die Emunah verwendet (2,4). “Die Rechtschaffenen werden durch den Glauben leben”. Im Zusammenhang damit stand das Volk Israel vor der völligen Vernichtung durch feindliche Armeen, und Stabilität und Ausdauer (emunah) wären von entscheidender Bedeutung, wenn das Volk Gottes den kommenden “Tag des Unheils” (3,16-17) überstehen sollte.

 

Sagt Amen!

Aus dem Wort aman leitet sich auch das Wort Amen ab, das direkt aus dem Hebräischen ins Englische übernommen wurde. Wenn wir im Gottesdienst oder im Gebet “Amen” sagen, bestätigen oder unterstützen wir die Sache. Wir sagen: “Dies ist vertrauenswürdig, zuverlässig, stabil und dauerhaft. Ich bejahe, dass es wahr ist, und möge Gott es zu Ende führen.

Im Hebräischen bedeutet das Konzept des Glaubens mehr als das Festhalten an einer Liste von Überzeugungen. Glaube ist die Zuversicht, mit Mut und Erwartung durchs Leben zu gehen. Eine Person des Glaubens im hebräischen Sinne ist jemand, der ins Leben hinausgeht und gemäß seinen Überzeugungen handelt. Glaube ist eine Lebensweise, die auf Dienst und Gehorsam gegenüber Gott beruht. Wie Abraham, der in voller Zuversicht, dass Gott ihm dort begegnen würde, ins Unbekannte ging.

Rabbi Abraham Heschel, einer meiner Lieblingsautoren, hat es treffend formuliert, nämlich dass der Glaube “eher einen Sprung der Handlung als einen Sprung des Gedankens” erfordert.

Ich hoffe, Ihnen hat dieser kurze Blick auf “Warum nicht Hebräisch lernen?“ gefallen. Es gibt so viel mehr, was wir verstehen können. Eine Möglichkeit in diese Richtung ist der Hebräisch-Sommerkurs mit unserer hochqualifizierten Hebräisch-Lehrerin Jana Vilensky.

Schreiben Sie sich doch auch mit ein!