Warum die Anti-Israel-Industrie von Südafrika besessen ist

Die Verleumdung der Apartheid ist nicht nur unzutreffend, sondern ein unhaltbares Übel.

| Themen: Apartheid
Die Durban-Konferenz machte die Vorstellung populär, Israel sei ein Apartheidstaat. Foto: Creative Commons

(JNS) Die Anti-Israel-Industrie und Anti-Zionisten auf der ganzen Welt sind von nichts so besessen wie von Südafrika. Sie berufen sich bei ihren Angriffen auf Israel unablässig auf das inzwischen abgeschaffte System der Rassentrennung in diesem Land – die “Apartheid” – und sind an einem Punkt angelangt, an dem man sich oft gezwungen sieht zu fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, Israel einfach beiseite zu lassen und über Südafrika zu diskutieren. Das ist im Grunde das Einzige, worüber sie anscheinend reden wollen.

Ich werde die Frage der offensichtlichen Unrichtigkeit der Apartheid-Verleumdung nicht weiter erörtern, da viele andere sich ausführlich damit beschäftigt und sie diskreditiert haben. Es lohnt sich jedoch zu fragen, warum Südafrika zum Objekt einer solchen Besessenheit geworden ist.

Siehe dazu: Die Apartheid-Lüge bekämpfen – mit der Wahrheit

Dafür gibt es mehrere Gründe, aber der vorangigste und offensichtlichste ist, dass es einfach ist. Aus gutem Grund besteht heute ein weltweiter Konsens darüber, dass die Apartheid ein abscheuliches System war, das die elementarsten Menschenrechte der schwarzen Südafrikaner verletzte, und dass sie einen wohlverdienten Tod starb. Kurzum, mehr oder weniger alle sind sich einig, dass die Apartheid in Südafrika ein übles Regime war.

Die Beschwörung der Apartheid dient also mehr oder weniger dem gleichen Zweck wie die Beschwörung des Nationalsozialismus. Es ist einfach ein anderer Name für den Teufel, und es ist die moralische Verpflichtung eines jeden anständigen Menschen, den Teufel zu vernichten. Dies entbindet die Anti-Israel-Industrie von der Notwendigkeit, sich mit den moralischen Zweideutigkeiten des israelisch-palästinensischen Konflikts zu befassen. Sie kann sich einfach auf Südafrika berufen. Das ist eine faule Taktik, aber oft eine rhetorisch wirksame.

Hinter der Instrumentalisierung der Apartheid als Sinnbild des Bösen steckt jedoch ein dunkleres Motiv. Vereinfacht ausgedrückt ist die Apartheid in Südafrika – wie das französische Algerien oder die Konföderierten Staaten von Amerika – eines der wenigen historischen Beispiele für ein Regime, das mit allgemeiner Zustimmung der Welt vollständig zerstört wurde. Für diejenigen, die Israel vernichtet sehen wollen, ist dieser globale Konsens von unschätzbarem Wert. In den meisten Fällen wird der Wunsch nach der Zerstörung einer Nation als ungeheuerlich angesehen, aber wenn die Gleichsetzung mit der Apartheid gelingt, wird dies auf den Kopf gestellt, und der Wunsch nach dem Überleben einer Nation wird ungeheuerlich.

Die moralischen Implikationen sind enorm, denn das bedeutet, dass die Apartheid-Verleumdung faktisch zu einer Rechtfertigung für Völkermord geworden ist. Sie besagt, dass die Vernichtung der jüdischen Nation kein schreckliches Verbrechen, sondern erstrebenswert ist. Infolgedessen können sich die Völkermörder in den Heiligenschein der moralischen Rechtschaffenheit hüllen. Alle Sünden – einschließlich Terrorismus und ethnischer Säuberungen – werden freigesprochen, und Mord wird zu Gottes Werk.

Es gibt auch historische Gründe für die Südafrika-Besessenheit, insbesondere bei den israelfeindlichen Linken, denn das Ende der Apartheid war im Grunde der letzte wirkliche politische Sieg der Linken. In den letzten Jahrzehnten hat die Linke ihre Auseinandersetzungen mit der Rechten fast ausschließlich im Bereich der Kultur gewonnen. In der Welt der praktischen Politik hat sie durchweg Niederlagen erlitten.

Unter anderem brach der sowjetische Kommunismus zusammen; der ehemalige Präsident Ronald Reagan und die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher schmiedeten im gesamten Westen einen neoliberalen Konsens, der bis heute Bestand hat; China gab den Maoismus zugunsten eines autoritären Kapitalismus auf; Kuba ist nach wie vor ein hoffnungsloser Fall; linke Wiederbelebungsversuche in Ländern wie Venezuela erwiesen sich als katastrophal; und selbst die Finanzkrise von 2008 konnte die sozialistische Linke nicht wieder an die Macht bringen. Wenn der Beinahe-Zusammenbruch des globalen Finanzsystems keine linke Wiederbelebung und Revolution herbeiführen konnte, kann man mit Sicherheit sagen, dass dies auch nicht der Fall sein wird. Die Linke ist nicht dumm, und sie ist sich dessen wohl bewusst.

Daher ist die Rückkehr zum letzten großen Sieg in der Hoffnung, ihn zu wiederholen, wahrscheinlich unvermeidlich. Der Hass auf Israel birgt die Möglichkeit (für einige sogar die Gewissheit), zu den glorreichen Tagen zurückzukehren, in denen die globale Linke sich als mächtige und starke Kraft betrachten konnte. Mit anderen Worten, er gibt der Linken Hoffnung, und Hoffnung ist im Moment dringend nötig.

Dies ist jedoch ironisch, wenn man bedenkt, dass das Ende der Apartheid aus Sicht der Linken eine Art Fantasie ist. Ja, die Apartheid war ein schreckliches und unmoralisches System. Es ist gut, dass es zu Fall kam. Aber der Traum der Linken, was an seine Stelle treten würde, hat sich als genau das erwiesen – ein Traum. Südafrika ist nicht das multirassische und multikulturelle Paradies geworden, das sich die Linke vorgestellt hat. Es ist ein ganz normales Land geworden, mit all den Problemen und moralischen Kompromissen, die die praktische Politik mit sich bringt. Für die Linke muss es eine Quelle ständiger Angst sein, zu sehen, wie ihre Träume von einem paradiesischen Südafrika nach der Apartheid an der Wand der realen Welt zerschellen.

Es muss also eine andere messianische Fantasie an seine Stelle treten, und für die wahren Gläubigen ist dies die große Hoffnung, Israel zu zerstören. Aus der Asche des bösen zionistischen Gebildes, so glauben sie, wird eine neue Utopie in Form eines “befreiten” Palästinas entstehen, in dem alle Konflikte gelöst werden und sich der Frieden unaufhaltsam über eine gewalttätige und instabile Region ausbreitet. Die “Grundursache” von Krieg und Terror wird beseitigt, die historische Gerechtigkeit wird endlich hergestellt und die Palästinenser werden, wie wir alle, endlich glücklich sein.

Aber nicht alle von uns werden glücklich sein. Was die Apartheid-Verleumdung böswillig verschweigt, ist, dass die Juden nicht glücklich sein würden – und das aus gutem Grund. Die Apartheid wurde abgeschafft, weil sie eine schreckliche Ungerechtigkeit gegenüber den schwarzen Südafrikanern darstellte. Aber das Ende Israels wäre eine schreckliche Ungerechtigkeit gegenüber den Juden. Und das ist der dunkle Schatten der Apartheid-Verleumdung: Sie versucht nicht zu befreien, sondern zu versklaven; nicht Leben zu bringen, sondern Tod.

Wir sollten jedoch bedenken, dass Fantasien von Sklaverei und Tod mächtig sind, und wir dürfen die enormen Energien nicht unterschätzen, die sie freisetzen können. Unsere Feinde mögen von den dämonischsten Kräften angetrieben werden, aber der Teufel hat eine nicht unbeträchtliche Macht. Um die Apartheid-Verleumdung zu bekämpfen, reicht es also nicht aus, sie einfach zu widerlegen oder zu entlarven. Wir müssen auch darauf hinweisen, dass es sich um ein unentschuldbares Übel handelt, um das Werk des Teufels, und dass es entsprechend behandelt werden muss.

 

Benjamin Kerstein ist Schriftsteller und Redakteur und lebt in Tel Aviv. Lesen Sie mehr von ihm auf Substack und seiner Website. Folgen Sie ihm auf Twitter @benj_kerstein.

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