Waffenstillstand? Und was dann?

So wie es aussieht, könnte die momentane „Runde“ mit der Hamas bald zu Ende gehen. Der Frieden ist dennoch noch weit entfernt.

von Dov Eilon |
Tel Aviv Foto: Miriam Alster/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Eine weitere Woche neigt sich ihrem Ende entgegen. Und den Meldungen zufolge sieht es ganz danach aus, als würde auch die Operation „Wächter der Mauern“ vor dem Ende stehen. Es wird davon gesprochen, dass eventuell schon morgen Mittag ein Waffenstillstand in Kraft treten werde.

Und dann? Wie wird es dann weitergehen? Was werden die Bedingungen dieses Waffenstillstandes sein? Oder soll ich lieber von einer Feuerpause sprechen? Hier im Land sind wir alle ziemlich verunsichert. Niemand weiß, wie diese „Runde“ zwischen Israel und der Hamas zu Ende gehen wird.

Hier in Modiin haben wir seit sechs Tagen keine Sirenen mehr gehört. Was wir hören, das sind die Bumms der Raketenabwehr in der Nähe. Es ist schon komisch, während wir weiter im Wohnzimmer vor dem Fernseher sitzen, rennen nur etwa 20 Autominuten von uns entfernt die Menschen in die Sicherheitsräume, um sich vor den Raketen in Rettung zu bringen. Auch unser Sohn traf sich in den letzten tagen mindestens fünfmal im Treppenhaus mit seinen Nachbarn, denn einen Sicherheitsraum gibt es in den alten Häusern nicht. Wirklich sicher ist man dort eigentlich nicht. Ich wundere mich, dass ich trotzdem recht wenig besorgt war. Kann es sein, dass wir uns einfach daran gewöhnt haben und eine gewisse Gefahr einfach in Kauf nehmen?

In der Stadt Ashdod im Süden ist ein Teil einer Rakete in einen Park mitten in der Stadt gefallen, eine unmittelbare Gefahr.

Während es bei uns also deutlich ruhiger ist, geht der Raketenbeschuss auf den Süden des Landes ohne Pause weiter. Oft versuche ich, mir vorzustellen, wie man in Deutschland auf eine derartige Situation reagieren würde. Was wäre, wenn in einer deutschen Stadt auch nur eine einzige Rakete in ein Wohnhaus eingeschlagen wäre, wie würden sich die Bürger verhalten. Ich denke, sie würden danach kein Auge mehr schließen und wären in einem ständigen Gefühl der Panik. Aber das ist reine Fantasie, daher ist es wohl auch so einfach für die deutschen Politiker und ihren Kollegen im Ausland, von uns ein Ende der Operation zu verlangen. Nur am Verhandlungstisch könnten Probleme gelöst werden. Das mag ja nicht falsch sein, aber wir befunden uns eben nicht in Europa, sondern im Nahen Osten und hier herrscht nun mal eine ganz andere Mentalität. Wer hier nicht lebt, kann diese Mentalität nicht verstehen.

Auch ich wünsche mir, dass wir hier endlich alle zusammen in Frieden leben können. Als ich vor fast 33 Jahren nach Israel kam, hatte ich nicht verstanden, warum die Menschen hier nicht in der Lage sind, ohne diese ständigen Konflikte und Auseinandersetzungen zu leben. Leider ist mir in diesen ganzen Jahren klargeworden, warum. Die Hamas ist eben keine Organisation, mit der man sich an einen Tisch sitzen kann. Sie kennen sicher das Sprichwort „Frieden kann man nur mit Feinden schließen“, klingt logisch. Aber kann man das auch mit einer Terrororganisation, dessen Ziel es nach wie vor ist, die Juden ins Meer zu werfen? Lesen Sie einfach den Artikel meines Kollegen David Lazarus über die Hamas.

In Jerusalem demonstrierte gestern eine Gruppe von Menschen für ein Ende der Gewalt auf beiden Seiten, wenn es doch so einfach wäre…

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich bin gegen Gewalt und ich weine um jedes unschuldiges Opfer dieses Krieges. Und ich wünsche mir nichts mehr, als Frieden in dieser Region. Aber den wird es wohl auch bei einem baldigen Waffenstillstand hier nicht so schnell geben. Wir haben viel Arbeit vor uns, denn auch die Beziehungen zwischen Arabern und Juden innerhalb unseres Landes sind gestört.

Heute wird der deutsche Außenminister Heiko Maas in Israel erwartet. Ich bin mir nicht sicher, ob er zur Beruhigung der Lage beitragen kann, aber immerhin hatte er eine klare Aussage gemacht, als er die Raketenangriffe der Terroristen auf unser Land verurteilte und für diese Auseinandersetzung verantwortlich machte.

Wie Sie im obigen Titelbild aus Tel Aviv sehen, geht das Leben weiter, trotz der Gefahr der Raketen aus Gaza. Ich hoffe, dass es bald wieder Ruhe geben wird und wir uns dann nur noch über das schöne Wetter unterhalten werden, das wir zurzeit haben.

Wir wollen einfach nur das schöne Wetter genießen

Das Wetter für heute in Israel

meist heiter mit einem weiteren Anstieg der Temperaturen, besonders im Landesinneren und in den Bergen, Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 31 Grad, Tel Aviv 25 Grad, Haifa 25 Grad, Tiberias am See Genezareth 37 Grad, am Toten Meer 38 Grad, Beersheva 33 Grad, Eilat am Roten Meer 38 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209,24 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 44 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Donnerstag und schon jetzt ein schönes und friedliches Wochenende. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Modiin!

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