Soldaten als Schauspieler

Eine theaterreife Vorstellung der israelischen Armee genügte Hisbollahführer Nasrallah, um den Angriff auf ein israelisches Armeefahrzeug am Sonntag als Erfolg zu bezeichnen. Damit war die kurze Auseinandersetzung im Norden vorerst beendet.

Nachdem im August bei einem israelischen Angriff auf eine Terrorzelle in Syrien zwei Hisbollah-Mitglieder ums Leben kamen, kündigte Hisbollah-Führer Nasrallah an, sich kalkuliert und angemessen an Israel zu rächen, betonte aber, er habe kein Interesse an einem Krieg.

Die angekündigte Antwort kam am Sonntagnachmittag mit mehreren auf Ziele der israelischen Armee abgeschossenen Panzerabwehrraketen in der Nähe von Avivim an der Grenze zwischen Israel und Libanon. Nachdem bei den Angriffen ein Mannschaftstransportwagen der israelischen Armee getroffen wurde, wurden zwei verletzte Soldaten über einen Hubschrauber in das Rambam-Krankenhaus in Haifa gebracht.

Es gibt Aufnahmen von der Evakuierung der Soldaten und vom Ankommen des Hubschraubers in Haifa, die zeitnah ins Internet gestellt wurden. Die Hisbollah bekannte sich sofort zu den Angriffen und berichtete, sie habe ein israelisches Armeefahrzeug zerstört und die Soldaten darin verletzt und getötet. Unter den Hisbollah-Anhängern im Libanon wurde dies als Erfolg gefeiert.

Zu Verwirrungen kam es dann, als die israelische Armee am Abend, nachdem sie als Reaktion mehrere Hisbollah-Ziele im Libanon angegriffen hatten, bekannt gaben, dass es auf israelischer Seite keine Toten und auch keine Verletzten gegeben habe. Wer hatte jetzt recht?!

Was die Hisbollah zu dem Zeitpunkt nicht wusste, ist, dass es sich hier um eine berechnete Taktik der israelischen Armee handelte. Die verletzten Soldaten gab es nie wirklich, das war alles vorher geplant und nur gespielt, um die Hisbollah denken zu lassen, sie hätten ihr Ziel erreicht und ihr Angriff hätte Opfer zur Folge gehabt. Durch die Ansage von Nasrallah wusste man, die Hisbollah würde aufhören, sobald es ein paar zu den zwei Toten angemessene Opfer gab, da sie an einer größeren Eskalation nicht interessiert ist.

Und die Rechnung ging auf. Nach den Nachrichten über die verletzten Soldaten gab es keine weiteren Angriffe mehr. Die Israelische Armee hatte also mit ihrer Taktik wahrscheinlich wirkliche Verluste verhindern können. Später wurde dann alles aufgelöst. Ein israelischer Armeesprecher gab noch am Abend eine Erklärung ab, wonach die Situation nun erst einmal vorbei sei und die Sicherheitsanweisungen im Norden aufgehoben wurden, man aber weiter in Bereitschaft sei.

Seitdem herrscht Stille an der Grenze und es wird nach einer angespannten Zeit wieder aufgeatmet. Beide Seiten scheinen erst einmal zufrieden zu sein. Israel hat keine Verluste erlitten und konnte etwas Größeres verhindern und zudem der Hisbollah vielleicht noch eine Lektion erteilen. Nasrallah konnte seine versprochene Rache durchführen, um weiterhin glaubwürdig zu wirken, ohne einen Krieg oder eine größere Reaktion von Israel befürchten zu müssen.

 

 

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