Die Türkei hat Haftbefehle gegen 37 führende israelische Regierungs- und Militärvertreter erlassen – darunter Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz. Israel hingegen lehnt die Maßnahme entschieden ab und stuft sie als reine PR-Aktion ein.
Ankara greift an – Jerusalem weist zurück
Das Büro der Staatsanwaltschaft in Istanbul erließ laut türkischen Medien am 7. November 2025 Haftbefehle gegen insgesamt 37 Personen, darunter Netanjahu, Katz, Sicherheitsminister Itamar Ben‑Gvir und den Generalstabschef der IDF Eyal Zamir. Den Ermittlungsakten zufolge werden den Beschuldigten Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gazakonflikt vorgeworfen.
Außenminister Gideon Sa’ar erklärte daraufhin in einer Stellungnahme:
„Israel lehnt diesen neuesten PR-Stunt des Tyrannen Erdoğan entschieden ab.“
Er führte weiter aus:
„In Erdoğan’s Türkei ist die Justiz längst ein Werkzeug zur Unterdrückung politischer Gegner und zur Verhaftung von Journalisten, Richtern und Bürgermeistern geworden.“
Sa’ar verwies explizit auf die frühere Verhaftung des Bürgermeisters von Istanbul wegen politischer Opposition.
The Istanbul Prosecutor’s Office – which, as recalled, recently orchestrated the arrest of the Mayor of Istanbul merely for daring to run against Erdoğan – has now issued “arrest warrants” for Israeli leaders and senior officials.
In Erdoğan’s Turkey, the judiciary has long…
— Gideon Sa’ar | גדעון סער (@gidonsaar) November 7, 2025
Diplomatische Bedeutung und strategische Kontexte
Die türkische Maßnahme wird von Jerusalem als Versuch gewertet, politischen Druck zu erzeugen und die internationale Agenda gegen Israel im Kontext des Gazakonflikts neu auszurichten. Türkische Behörden positionieren sich dabei zunehmend als juristischer Akteur gegen Jerusalem.
Zugleich reflektiert der Schritt Ankaras ihren Anspruch, eine aktivere Rolle im Gazastreifen einzunehmen – etwa bei Wiederaufbau- und Vermittlungsprozessen. Israel jedoch betrachtet eine solche Einbindung mit Skepsis, da sie die Sicherheitslage beeinflussen könnte.
Die Veröffentlichung der Türkei bleibt zwar symbolisch wirkungsvoll, doch der praktische Effekt ist bislang begrenzt: Es bestehen keine Auslieferungsabkommen zwischen den Staaten, und mehrere der beschuldigten Israelis reisen ohnehin nicht in die Türkei. Dennoch kann die Aktion als Teil einer umfassenderen diplomatischen Kampagne verstanden werden – mit Blick auf internationales Recht, Medienwirkung und geopolitische Einflussnahme.




