Premierminister Yair Lapid besucht Villa der Wannsee-Konferenz

Israels Premierminister Yair Lapid hat sich am Montag mit dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz in der Villa der “Wannsee-Konferenz” getroffen, wo damals die “Endlösung” beschlossen wurde.

von Gil Tanenbaum | | Themen: Holocaust
Foto: Kobi Gideon/GPO

(TPS) – Premierminister Yair Lapid und eine Delegation von Holocaust-Überlebenden trafen sich am Montag mit Bundeskanzler Olaf Scholz in der Wannsee-Villa, der Ort, an dem die SS-Führer Reinhard Heydrich und Adolf Eichmann eine Konferenz mit deutschen Beamten abhielten, auf der die “Endlösung” – die systematische Ermordung von Millionen von Juden durch Vergasung in Konzentrationslagern – geplant wurde. Sie wurde als “Wannsee-Konferenz” bekannt.

Premierminister Lapid wurde von den Holocaust-Überlebenden Pnina Katzir, Avraham Roth, Shoshana Treister, Yisrael Mila und Zvi Gil und ihren Familien begleitet. Der Premierminister und der Bundeskanzler sprachen mit den Holocaust-Überlebenden.

Lapid sagte Bundeskanzler Scholz, dass er den Mut und den Respekt sehr schätze, mit dem er den erschütternden Aussagen der Holocaust-Überlebenden zugehört habe. Der Premierminister betonte, dass er davon überzeugt sei, dass Deutschland unter der Führung des Bundeskanzlers Antisemitismus mit null Toleranz bekämpfen werde.

Die Veranstaltung sei für ihn sehr bewegend gewesen, da Lapid selbst Sohn eines Holocaust-Überlebenden sei und Holocaust-Überlebende und ihre Familien anwesend gewesen seien, so der israelische Premierminister weiter.

Foto: Kobi Gideon/TPS

Die Holocaust-Überlebenden bedankten sich bei Bundeskanzler Scholz für den besonderen Besuch. Jeder von ihnen erzählte seine Geschichte und die seiner Familie während des Holocausts sowie die Geschichte seiner Alija nach Israel und der Familie, die er dort gegründet hat. Sie betonten die Wichtigkeit, die Erinnerung an den Holocaust in den jüngeren Generationen von Juden, Deutschen und der ganzen Welt zu verankern.

Premierminister Lapid sagte: “Vor einer Stunde betrat ich das Büro des Bundeskanzlers und wurde von einer Ehrengarde deutscher Soldaten begrüßt, die vor dem jüdischen Staat salutierten. Ich dachte an das erste Mal, als mein Vater einen deutschen Soldaten sah.”

Yair Lapids Vater Yosef “Tommy” Lapid war damals, im März 1944, erst 13 Jahre alt, ein ungarischer Junge. Tommy Lapid lag in dem großen Bett im Haus seiner Eltern, als es passierte. Sein Vater lag neben ihm, aber seine Mutter – Yair Lapids Großmutter – war in Budapest. Um 5 Uhr morgens klopfte es an die Tür. Ein deutscher Soldat trat ein und fragte: “Wo ist Dr. Lampel” – Lapids Großvater. Daraufhin ging Lapids Urgroßmutter Hermina, die Deutsch sprach, auf den Soldaten zu, ging auf die Knie – sie war schon eine alte Frau -, packte seine Stiefel und flehte: “Bitte, bitte. Du hast auch eine Mutter.”

Wie Lapid erzählte, sagte der Soldat nichts. Sein Großvater zog sich an, nahm seine Tasche, ging zu Tommy Lapid hinüber, der weinte, und sagte zu ihm: “Mein Sohn, entweder sehe ich dich oder ich sehe dich nicht.” Tommy Lapid sah seinen Vater nie wieder.

“Heute sind der deutsche Bundeskanzler, das deutsche Militär und das deutsche Volk hierhergekommen”, sagte Lapid, “in die Wannsee-Villa, den Ort, an dem die Bürokratie des Bösen geschaffen wurde, um Sie zu ehren und Sie um Vergebung zu bitten. Wir sind hierhergekommen, um ihnen zu sagen, dass wir gewonnen haben.”

Sein Großvater Bela starb im Konzentrationslager, aber sein Vater überlebte und gründete eine Familie, die eine neue Nation gründete – Israel.

“Dieses Land ist stolz darauf, heute hier zu sein”, erklärte Yair Lapid voller Stolz. Dann wandte er sich an den Bundeskanzler und sagte: “Ich danke Ihnen, mein Freund, dass Sie heute mit uns hierhergekommen sind. Es gehört eine gehörige Portion Zivilcourage dazu, dies zu tun. Danke, dass Sie gekommen sind.”

Eine Antwort zu “Premierminister Yair Lapid besucht Villa der Wannsee-Konferenz”

  1. Patricia Schekahn sagt:

    Mit Hoffnung und Respekt: Mögen diese Begegnungen einen Grundstein legen für eine treue Freundschaft, die sich dessen würdig erweist in Taten und Worten und eines Tages im Himmel wieder zufinden sein darf. Es ist wie eine sehr ernste und sehr wichtige Prüfung und die Hoffnung ist mit ausgestreckter Hand vom jüdischen Volk gegeben. Wenn b e i d e ihre Hände reichen und festhalten kann sehr gute Frucht daraus zu entstehen, die mit Gottes Hilfe zu einem großen Segen, der im Herzen beginnt, geschehen. Manch einem mag es naiv erscheinen – aber bei Gott ist nichts unmöglich, wie klein ein Anfang auch sein mag. Ja ein Mensch sollte Ehrfurcht haben vor dem Einen, der über unser Aller Leben wacht.

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