Noah, die Arche und der Elefant im Raum

von David Shishkoff

Der Thora-Abschnitt dieser Woche nimmt kein Blatt vor den Mund

Die Bibel macht deutlich, dass Gott ein gerechter und anspruchsvoller Richter ist. Foto: Nati Shohat/Flash90

Bei der Betonung all der positiven, inspirierenden, wohltuenden Bibelstellen und ihrer Anpassung an aufgeklärte, moderne Empfindlichkeiten scheint es, dass der Teil, in dem es um Gott als Richter geht, der „zum Tode verurteilt und zum Leben erweckt“ (5.Mose 32,39), deutlich heruntergespielt wurde. Es ist so etwas wie der große, unbequeme Elefant im Raum (oder in der Arche), über den niemand sprechen will. Aber der Gott, der sowohl in den hebräischen Schriften als auch im Neuen Testament dargestellt wird, hat diese nicht zu ignorierende Eigenschaft: Er ist ein gerechter Richter.

Noahs Thoraabschnitt (1.Mose 6-11) hat wunderschöne Bilder – Tierpaare, die sich in einer hölzernen Arche aufreihen, Tauben, die über die riesige Wasserfläche fliegen, und der allererste Regenbogen. Doch im Herzen der Geschichte stehen die ernüchterndsten Worte, die man sich vorstellen kann:

„Der Herr sah, wie groß die Bosheit des Menschen auf der Erde geworden war und dass alle Gedanken seines Herzens immer nur böse waren… Da sagte der Herr: ‚Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vom Erdboden vertilgen… Noah aber fand Gnade in den Augen des Herrn.'“ (1. Mose 6:5-8)

Nachdem er mit Noah den „Neustart“ eingeleitet hatte, versprach Gott, trotz der Bosheit des Menschen nie wieder alles Leben durch eine Flut auszulöschen. Doch damit hatte der Schöpfer noch lange keinen perfekten Maßstab für Gerechtigkeit, und deshalb wurde das Opfer eingeführt.

Das biblische Opfer kann die Strafe aufheben, aber nur im Zusammenhang mit dem Gericht. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Tatsache im Mittelpunkt der ersten Verkündigung des Petrus stand, als er den Heiden in Cäsarea das Evangelium predigte, nämlich die Aussage, dass Jesus von Nazareth „zum Richter der Lebenden und der Toten eingesetzt“ worden ist“ (Apg. 10,42).

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