Nichts ist normal

Trotz Impfungen und offener Geschäfte ist eigentlich nichts normal bei uns. Die elektronischen Handschellen sind vielleicht ein weiterer Höhepunkt der oft fragwürdigen Maßnahmen gegen Corona.

Jerusalem Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Und wieder beginnt ein neuer Tag. Fast jeden Morgen beginne ich zusammen mit Ihnen den Tag und erzähle Ihnen, was hier bei uns in Israel gerade aktuell ist. Seit einem Jahr wird unser tägliches Leben vom Coronavirus bestimmt, oder vielleicht besser gesagt, von den nicht immer verständlichen Entscheidungen der Regierung in ihren Bemühungen, eine weitere Ausbreitung des Virus zu stoppen. Alle diese Maßnahmen hatten mehr oder weniger Erfolg, darüber lässt sich streiten. Auch bei Ihnen ist es vielleicht nicht anders, erzählen Sie uns davon, wenn Sie möchten (hier unter dem Artikel oder auch auf unserer Facebookseite).

Aber eins ist sicher: Corona ist noch immer da, die Zahlen der Neuinfizierungen sind um ein vielfaches höher als vor einem Jahr, als alles begann. Und was ist mit uns? Uns, den Israelis, geht es auch nicht besser. Haben diese ganzen Maßnahmen also etwas genützt? Eigentlich ist nichts normal.

Aber gut, immerhin haben wir ja jetzt die Impfung gegen Corona, das Ende der Krise scheint zum Greifen nah. Aber es fühlt sich gar nicht so an. Wenigstens die Geschäfte haben alle wieder geöffnet und wir können endlich wieder einem unserer Lieblingshobbys nachgehen, dem Shopping, Israelis lieben es.

Endlich können wir wieder einkaufen gehen, wie hier im Mamilla Komplex in Jerusalem.

Es scheint doch alles in Ordnung zu sein, oder? Aber das ist es eben nicht. Wir müssen uns noch immer nach den strengen Corona-Anweisungen richten, mit Maske und sozialem Abstand. Vor besonders beliebten Geschäften gibt es lange Warteschlangen. Ich selbst hätte keine Lust, eine halbe Stunde in einer Schlange zu stehen, um mir dann eine neue Hose kaufen zu können. Aber es gibt auch kleinere Geschäfte, wo es diese Warteschlangen nicht gibt. Vielleicht ist es ja auch gar nicht so schlimm, was meinen Sie dazu?

Auch die Märkte laden jetzt wieder zum Einkaufen ein, wie hier auf dem Carmel Markt in Tel Aviv.

Wie war das jetzt mit dem sozialen Abstand? Irgendwie ist das alles doch sehr verworren. Da werden Pärchen von einer Bank am Dizengoff Platz verscheucht, andererseits scheint es kein Problem zu sein, sich auf dem Markt unter die Menge zu mischen. Ich bin wirklich etwas verwirrt, liebe Leser.

Jeden Tag hören wir von den endlos langen Beratungen unserer Regierung um die kommenden Schritte. Ab Sonntag sollen die Restaurants wieder Gäste empfangen dürfen. Draußen dürfen alle sitzen, im Rahmen der Coronaregeln natürlich. Im Restaurant drinnen dürfen aber nur Gäste sitzen, die entweder von Corona genesen oder geimpft worden sind. Dafür haben wir den sogenannten „Grünen Pass“. Na, ich bin gespannt, ob das auch funktioniert.

Und noch etwas, vielleicht die bisher krasseste Entscheidung unserer Regierung. Das sage ich mal so, auch, wenn ich die Gründe dafür  vielleicht etwas verstehen kann. Ich bin selbst schon durcheinander. Um was es geht? Um das hier:

Elektronisches Armband statt Coronahotel, gestern am Ben Gurion Flughafen

Die jungen Leute sehen doch sehr zufrieden aus. Aber dennoch, denke ich, hat das einen sehr bitteren Nachgeschmack. Bis jetzt durfte nur eine sehr begrenzte Zahl von Israelis zurück nach Israel kommen, da der Flughafen ja noch immer geschlossen ist. Die Art und Weise, wie geregelt wurde, wer nach Hause kommen darf und wer noch nicht, war sehr umstritten. Jetzt dürfen endlich alle Israelis nach Hause kommen. Den Richtlinien zufolge müssten sie dann aber für zwei Wochen in ein Coronahotel, auch das eine sehr umstrittene Maßnahme. Viele vergleichen des Coronahotel mit einem kleinen Gefängnis. Nun gibt es eine Lösung: das elektronische Armband! Am Anfang wurde es noch bei seinem eigentlichen Namen genannt: elektronische Handschellen! Jetzt wird es offiziell in der Presse als „Freedom Bracelet“ (Freiheits-Armband) angepriesen.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich dazu sagen soll. Der Hintergrund dieser Idee ist die Tatsache, dass sich viele Menschen nicht an die häusliche Quarantäne gehalten hatten, sie nicht ernst genommen haben. Und da auch die Coronahotels verpönt sind, hat man sich nun die Idee mit den elektronischen Armbändern ausgedacht, wofür gestern ein Testlauf mit 100 Freiwilligen begonnen hat. Aber so richtig freiwillig ist das auch nicht, denn die Alternative wären ja zwei Wochen im Coronahotel gewesen. Das ist dann wohl auch der Grund dafür, dass das nette junge Paar auf dem Foto so glücklich aussieht. Immerhin können sie zu Hause sein. Das Armband darf natürlich nicht abgenommen werden, man muss damit duschen, schlafen und was weiß ich alles. Nach der vorgeschriebenen Quarantäne gibt es dann eine Nachricht auf dem mitgelieferten Handy und ein Bote der Firma, die das Armband betreibt, holt es dann wieder ab. Ein toller Service, oder?

„Freiwillige“, die aus Frankfurt gelandet sind, bekommen die elektronischen Handschellen, ach nein, es sind ja Armbänder, angelegt, gestern.

Ich hoffe, ich habe Sie heute nicht zu sehr schockiert. Aber vielleicht es ja gar nicht so schlimm. Was meinen Sie? Wie wird denn diese ganze Coronasache bei Ihnen gehandhabt? Wie schon erwähnt, hier unten (für Mitglieder) und auch auf unserer Facebookseite haben Sie die Möglichkeit, uns zu schreiben. Gerne hören wir von Ihnen. Am 11. März gibt es übriges wieder den Israel Heute – Stammtisch für unsere Mitglieder. Dort werden wir uns dann wieder über alles unterhalten, was gerade aktuell ist. Eine Einladung dazu wird rechtzeitig hier auf unserer Webseite veröffentlicht werden. Und jetzt kommen wir zum Wetter.

 

Das Wetter für heute in Israel

Teils heiter, teils wolkig. Besonders im Norden kann es zu vereinzelten Regenschauern kommen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 14 Grad, Tel Aviv 17 Grad, Haifa 16 Grad, Tiberias am See Genezareth 20 Grad, am Toten Meer 23 Grad, Beersheva 19 Grad, Eilat am Roten Meer 24 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei – 209,285  m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen nur noch 48,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Dienstag. Bleiben Sie gesund und machen sie das Beste aus dieser noch immer nicht leichten Zeit.

 

Schalom aus Modiin!

Israel Today Newsletter

Daily news

FREE to your inbox

Israel Heute Newsletter

Tägliche Nachrichten

FREI in Ihrer Inbox