
Tal Gilboa kann als eine der prominentesten Tierschutzaktivisten in Israel bezeichnet werden. Sie ist die Gründerin der Organisation „Glass Walls“ (Glaswände) und bricht mit der Vorstellung, dass vegan sein auch gleich progressiv-links sein bedeutet.
Gilboa ist eine offene Unterstützerin Benjamin Netanjahus und wie es scheint, derzeit die inoffizielle Beraterin des Premierministers in Sachen Tierschutz. Über die Freundschaft mit Netanjahus Sohn Yair, die vor einem Jahr publik wurde, verliert sie kein Wort. Aber sie gibt zu, dass sie durch diese Freundschaft auch zum Rest der Familie Zugang gefunden hat.
Gilboa hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Yair Netanjahu sich mittlerweile vegan ernährt. Sie sagt, dass Benjamin Netanjahu der bislang einzige Premierminister ist, dem Tierrechte am Herzen liegen. Auf ihrer Facebookseite schrieb sie vor ein paar Tagen, Netanjahu habe sie dazu ernannt, die Sache voranzubringen.
Ihrem Facebookpost folgte eine Kolumne in der Haaretz des Autoren Eyal Megged mit dem Titel „Die stille Revolution“. Auch Megged ist Veganer. Seine Kolumne in der linksgerichteten progressiven Zeitung leitete er mit dem Satz ein: „Diese Übergangsregierung macht mich glücklich“. Der Grund seines Glücks sei die von der Regierung ausgehende „Einleitung erster Schritte für die Befreiung der Tiere“. Die Ernennung der veganen Prophetin Tal Gilboa als Beraterin des Premierministers für Tierrechte, jubelte er, sei ein „Erdbeben“.
Meggeds Kolumne kam nicht bei allen Haaretz-Lesern gut an, viele machten sich sogar lustig. „Schlechter Mann, schlechter Autor. Wir werden weiter zu unseren Bunkern rennen und Kinder in Gaza töten“, schrieb ein Leser. „Dr. Doolittle trifft Goebbels“, schrieb ein anderer.
Gilboa ließ diese gemeinen Attacken gegenüber Megged nicht unkommentiert: „Am allermeisten erstaunen mich jene Veganer, die sich wünschten, meine Ernennung sei reine Erfindung, um dem einzigen Parteivorsitzenden, der über Tiere spricht, ja keine Anerkennung zukommen zu lassen … weil er rechtsgerichtet ist und die vegane Sache nur mit der Linken in Verbindung gebracht wird.“
Gilboa mag die extreme, typisch vegane Wortwahl nutzen, die beispielsweise von der „Ermordung“ der Tiere spricht, doch man muss bedenken, dass die Rechtfertigung für ihren Veganismus auch auf religiösen jüdischen Quellen basiert. Das Motto ihrer Organisation ist Psalm 145,9 entnommen: „Der Herr ist gütig zu allen, und sein Erbarmen gilt jedem seiner Geschöpfe.“ Der hauseigene „Rabbi“ der Organisation ist Asa Keisar, dessen öffentliche Vorträge regelmäßig „biblischen Veganismus“ propagieren.
Die meisten Rabbis sind sich darin einig, dass das Verspeisen von Fleisch nur aufgrund der Schwäche des (eigenen) Fleisches erlaubt worden ist. Im 4. Buch Mose Kapitel 11 wird zum Beispiel ganz eindeutig beschrieben, dass das Verlangen nach Fleisch eine Form von Rebellion ist.
Die Sorge um das Wohl der Tiere findet sowohl in der Bibel als auch in den rabbinischen Gedanken Ausdruck, die uns schon vor Jahrtausenden lehrten, was die heutigen Tierschützer noch nicht einmal begriffen haben. Ein Beispiel dafür ist das Gebet, das jeder Jude täglich betet: das Schma Israel (Höre Israel). Darin enthalten ist eine Erinnerung, dass Gott zuerst die Tiere füttert, denn es heißt: „Und ich werde Gras deinem Feld geben für dein Vieh, und du wirst essen und satt werden.“
Doch reicht das, um von den „Rechten“ der Tiere zu sprechen, von „Befreiung“, oder dem Vergleich zwischen Schlachthäusern und Konzentrationslagern, wie es schon einige israelische Tierschutzaktivisten getan haben? Ich denke nicht. Es gibt trotzdem die Hoffnung, dass Israel, sei es unter Netanjahu oder jemand Anderem, ein Ort wird, wo Tiere zumindest nicht mehr leiden.
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