Museum oder Restaurierung der Bornplatz-Synagoge?

Der Streit um die Restaurierung der Bornplatz-Synagoge offenbart einen tiefen Riss im Selbstverständnis der Juden in der heutigen Welt

Foto: EPA/CHRISTIAN CHARISIUS

Miriam Rürup, die neue, in Israel geborene Direktorin des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien in Potsdam, mag die Idee nicht, die in der Kristallnacht 1938 zerstörte Bornplatz-Synagoge zu restaurieren. Der Wiederaufbau dieser großen und schönen Synagoge, begründet Rürup, löscht die Erinnerung an die Kristallnacht und den Holocaust aus. Diese Synagoge in ihrem vollen Glanz von vor 1938 wiederherzustellen, sagte sie dem katholischen Domradio am 28. Februar, „scheint fast so, als ob die geläuterte Gesellschaft dort weitermachen will, wo sie 1933 aufgehört hat; als ob man rückgängig machen könnte, was die Großeltern und Urgroßeltern getan haben, zumindest architektonisch. Aber Geschichte lässt sich nicht korrigieren.“

Rürup ist eine der führenden Stimmen der linken Opposition gegen die Restaurierung der Synagoge, ein Vorschlag, den Hamburgs Rabbiner Shlomo Bistritzky im November 2019 erstmals vorbrachte und der im Februar 2020 von der Hamburger Bürgerschaft einstimmig beschlossen wurde. Rürup und andere wie der Historiker Moshe Zimmermann appellieren an die Vernunft, denn dies sei eine „absurde Idee, die Spuren des Verbrechens durch den Bau einer neuen Synagoge am Tatort zu verwischen.“

Kein vernünftig denkender Mensch würde argumentieren, dass Juden sich an irgendwelchen Bemühungen beteiligen sollten, die Sünden der Vergangenheit zu beschönigen. Aber wenn Rürup sagt, sie ziehe das Museum der Synagoge vor, dann kommt die wahre Natur ihrer Kritik zum Vorschein.

Eine wiederaufgebaute Synagoge ist ein Zeichen für wiederhergestelltes jüdisches Leben. Ein Museum ist nur ein Mahnmal für jüdisches Leben.

Ein Museum ist eine schreckliche Idee, die besagt, dass Juden tot bleiben sollen, wenn sie wollen, dass die Welt den „Tatort“ nie vergisst.

Ein Museum bedeutet, dass Juden der Welt einen Dienst erweisen, indem sie ihre Ruinen heiligen.

Ein Museum bedeutet, dass ein guter Jude ein toter Jude ist.

Was für eine schreckliche Idee, die verdeutlicht, warum Progressive wie Rürup und Zimmermann so kritisch gegenüber Israel sind, das ja ein Turm ist, der den Tatort überschattet; ein Restaurationsprojekt jüdischen Lebens; ein Versuch, die Geschichte zu korrigieren.

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