Mikve im Garten Gethsemane

Im Garten Gethsemane, wo einst Jesus gefangen genommen wurde, sind Gebäuderreste aus jener Zeit gefunden worden. Zutage kam unter anderem ein rituelles Bad, nicht weit von der heutigen Kirche. Die Grabung der israelischen Altertumsbehörde wurde vom Studium Biblicum Franciscanum unterstützt, die Ergebnisse Ende Dezember in Jerusalem vorgestellt.

von Israel Heute Redaktion |
Foto: Yaniv Berman/IAA

Seit Jahren wird in die Entwicklung des Tourismus an der Gethsemane-Kirche und im Kidron-Tal investiert. Derzeit entstehen ein Besucherzentrum und ein Tunnel, der die Kirche mit dem Kidrontal verbinden wird. Bei den Tunnelarbeiten stieß man auf antike Überreste. Nur wenige Meter von der Kirche war ein unterirdischer Hohlraum, der als rituelles Bad aus der Zeit des Zweiten Tempels identifiziert werden konnte.

Das Ritualbad, das während der Bauarbeiten freigelegt wurde

Ebenfalls entdeckt wurden Überreste einer Kirche aus byzantinischer Zeit, schätzungsweise 1500 Jahre alt. Die beeindruckende Struktur fand man im Kidrontal am Fuße der heutigen Kirche. Vermutlich wurde die gegen Ende der byzantinischen Periode (6. Jh.) erbaute Kirche auch während der Umayyaden-Periode (8. Jh.) genutzt.

Die heutige „Kirche aller Völker“ im Garten Gethsemane ist eine der wichtigsten Kirchen des Christentums und wird jedes Jahr von tausenden Pilgern besucht. Die Überreste der antiken Kirche in unmittelbarer Nähe untermauern die Bedeutung des geschichtsträchtigen Ortes. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass im Garten Gethsemane Spuren alter Kirchen gefunden wurden. Bei der Grundsteinlegung der „Kirche aller Völker“ im Jahr 1919 wurden Reste einer weiteren byzantinischen sowie einer Kreuzfahrerkirche entdeckt. Funde aus der Zeit Jesu gab es bis dato allerdings nicht.

Byzantinische Kirche

Amit Re’em, Bezirksarchäologe der Altertumsbehörde, erklärte mit Blick auf die alte Mikve: „Die Entdeckung passt zum Namen Gethsemane, der von Gat Schmanim kommt: Ölpresse. Die meisten Ritualbäder aus der Zeit des Zweiten Tempels fanden wir zwar in Privathäusern und in öffentlichen Gebäuden, aber einige wenige auch in der Nähe von landwirtschaftlichen Anlagen und sogar Gräbern. Dieses rituelle Bad ohne umliegende Gebäude bestätigt landwirtschaftliche Industrie an diesem Ort vor 2000 Jahren. An der Öl- und Weinproduktion Beteiligte waren zur Reinigung verpflichtet. Hier könnte eine Verbindung zum antiken Ortsnamen Gethsemane bestehen, eines Ortes, an dem rituell reines Öl hergestellt wurde.“

Die Kirche aller Nationen

Pater Francesco Patton, Kustos des Heiligen Landes, sagte: „Gethsemane ist eines der wichtigsten Heiligtümer im Heiligen Land, weil sich die Tradition an diesem Ort an das Gebet Jesu und seine Auslieferung erinnert. Millionen Pilger haben hier schon gebetet. Die jüngsten Ausgrabungen haben die Tradition einmal mehr bestätigt. Ich begrüße die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der Kustodie des Heiligen Landes, dem Studium Biblicum Franciscanum und der israelischen Altertumsbehörde.“

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