Kippur und Corona: Warum dieser Versöhnungstag anders ist

Die existenzielle Bedrohung von Corona an diesem Jom Kippur schreit danach, dass wir in uns selbst einen Weg nach vorn finden

von David Lazarus |
Polizeiauto in einer Straße in Jerusalem Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Wir haben es geschafft, das jüdische Neujahrsfest zu Hause – ohne Familie, Freunde oder Feierlichkeiten, zu verbringen.  An diesem Wochenende, während wir uns auf Jom Kippur, den heiligsten Tag des jüdischen Kalenders vorbereiten, bevölkern Demonstranten (und einige Randalierer), die Straßen von Jerusalem und Tel Aviv. Die Regierung hat beschlossen, die Restriktionen im ganzen Land zu verschärfen, und abgesehen von Notfällen und unerlässlichen Reisen werden wir in den nächsten Wochen auf einen einzigen Kilometer von zu Hause beschränkt sein.

All dies ist sicherlich Anlass für unsere Gebete während dieser zehn Tage der Ehrfurcht. Zumindest eine Sache ist in diesen beunruhigenden Zeiten sicher, dass, egal was in diesem „Kampf gegen Corona“ geschieht, der König der Könige schließlich obsiegen wird.

Jom Kippur beginnt Sonntagabend bei Sonnenuntergang, und die meisten Israelis werden während der sogenannten „nationalen Abriegelung“ bis zum Sonnenuntergang am Montag fasten. Traditionell ist dies eine Zeit, in der wir uns an unsere Taten des vergangenen Jahres erinnern, Gott um Vergebung bitten, nachdenken, wo wir Fehler gemacht haben, und neue Verpflichtungen eingehen, es besser zu machen. In diesem Jahr müssen wir der Liste unserer Sünden hinzufügen, dass wir uns nicht als Nation zusammengeschlossen haben, um die Krise zu bekämpfen. Anstatt zusammenzuarbeiten, geben wir anderen die Schuld, kritisieren ohne konstruktive Hilfe und spielen Politik mit dem Leben der Menschen.

In diesem Jahr täten wir gut daran, uns daran zu erinnern, wie der Hohepriester Aaron sich an diesem kritischen Tag vor dem Betreten des Allerheiligsten darauf vorbereitet hat, für die Missetaten der Nation zu beten und sie zu sühnen. In der Thora ist festgehalten, dass er zunächst für sich selbst und seine eigene Familie betete und Sühne leistete.

Hier ist eine Lektion, die zu offensichtlich ist, um sie zu ignorieren. Es hilft nicht, die Fehler anderer zu betrachten. Kritik zu üben, während man am Rand sitzt. Das macht die Sache nur noch schlimmer. Wenn wir nicht bereit sind, uns selbst, unser eigenes Versagen und unsere eigenen Erfolge genau unter die Lupe zu nehmen und zu beginnen, von dem, was wir auf Abwege geraten sind, umzukehren (Buße zu tun), warum sollten wir dann denken, wir könnten andere korrigieren? Die Heilung unserer Gemeinschaften, unserer Nation oder der Welt ist keine kleine Aufgabe, aber sie kann sicherlich nur beginnen, wenn jeder von uns bereit ist, bei sich selbst anzufangen. „Die Rettung der Welt beginnt, indem man sich selbst rettet“, so lehrt uns unser Hohepriester.

Auch Jona hinterlässt uns eine wichtige Lektion für diese unberechenbaren Zeiten. Wie der Hohepriester trug auch er eine schwere Aufgabe – Ninive, ein heidnischer und tödlicher Feind, davon zu überzeugen, sein Verhalten zu ändern und ein besseres, moralisches Leben zu beginnen. Doch im Gegensatz zu Aaron versucht Jona, dessen Name „Taube“ bedeutet, sich seiner Verantwortung zu entziehen.

Doch Gott findet den unentschuldigten Propheten und stellt ihn wieder auf den festen Boden seiner Mission. In tiefe Gewässer geworfen zu werden, erschreckt die heidnischen Seeleute, die ihre Götzen über Bord zu werfen, um den Einen Wahren Gott anzuerkennen. Schließlich kehren sogar der König und das Volk von Niniveh ihren bösen Kurs um.

Wie jeder von uns sind auch Aaron und Jona ganz unterschiedlich in der Art und Weise, wie sie auf ihre Verantwortung reagieren. Wie wir hat jeder von uns seine Rolle zu spielen. Wir mögen in unseren isolierten Kapseln feststecken, aber auch wir müssen uns entscheiden, wie wir reagieren wollen. Werden wir versuchen, die Probleme zu ignorieren oder uns ihnen frontal zu stellen? Werden wir nach Wegen suchen, um zu wachsen und zu reifen, oder werden wir stagnieren, verkümmern und uns beklagen? Die existenzielle Bedrohung von Corona an diesem Jom Kippur schreit danach, dass wir in uns selbst einen Weg nach vorn finden, der zu einer besseren Zukunft für uns selbst, zu einem Exodus aus unserer Isolation und zu einem Weg in die Freiheit der Einheit unserer Nation führt.

Wenn alles gesagt und getan ist, egal ob wir eingesperrt oder isoliert sind, stehen uns alle Wege offen. Welchen werden wir einschlagen? Das, lieber Leser, muss jeder von uns selbst entscheiden.

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