Kann Israel zu einem Götzen werden?

von Arthur Schwartzman

Selbst eine gute Sache wie die Liebe zum jüdischen Staat kann zwischen uns und dem Willen Gottes stehen

Foto: Olivier Fitoussi/Flash90

Götzendienst ist ein Problem. Als Gläubige sollte uns das immer bewusst sein. Und obwohl wir uns in der westlichen Welt nicht buchstäblich vor Statuen aus Ton oder Eisen verneigen, ertappen wir uns nur allzu oft dabei, dass wir weniger offensichtliche Götzen anbeten, wie Geld, unsere politische Partei oder sogar die Familie. Kann ein bestimmtes Hobby oder Interesse so vereinnahmend werden, dass wir unsere geistliche Disziplin aufgeben? Mehr noch: Kann der Dienst, etwas, das wir für den Herrn tun, für uns zu einem Götzen werden? Ich glaube ja.

Auch Israel kann zu einem Götzen im Herzen des Gläubigen werden, und ich möchte sehr vorsichtig sein, wenn ich das sage – unsere Liebe zum jüdischen Staat kann dieses Objekt der falschen Anbetung sein. Was will ich damit sagen? Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich liebe Israel; ich bete für Israel; und ich wünsche mir, dass meine israelischen Brüder und Schwestern den Messias kennenlernen, wie ich es tue. Ich bin überwältigt, wenn ich die enorme Unterstützung von Christen auf der ganzen Welt für uns sehe, für das israelische Volk und das zionistische Bestreben. Es gibt jedoch bestimmte Punkte, die in meinen Augen angesprochen werden müssen.

Wie die Ersatztheologie, die das nationale Israel an den Rand unserer Gebetsanliegen drängt, kann auch eine übertriebene Verherrlichung Israels Probleme verursachen. Beginnen wir mit etwas Offensichtlichem, das vielen entgeht. Doch wenn wir tatsächlich darüber nachdenken, dürfte uns klar sein: Israel macht Fehler. Während Gottes wachsamer Blick über dem Volk Israel verbleibt, ist der Staat Israel eine menschliche Institution, die oft in die Irre geht. Wir lesen vielleicht einen kontroversen Artikel in den Nachrichten und stellen uns automatisch auf die Seite Israels, aber bedenken Sie, dass auch unsere gewählten Politiker Fehler machen. Zum Beispiel neigen wir dazu, die Tatsache, dass Tel-Aviv, das Symbol des zionistischen finanziellen Erfolges und der Errungenschaften, auch die LGBT-Hauptstadt der Welt ist, nicht in Verbindung zu bringen. Aber das sollten wir. Auch Abtreibungen sind in Israel legal, werden von der Regierung subventioniert, sind leicht zugänglich und stehen überhaupt nicht in der öffentlichen Diskussion.

Die politische Ausrichtung ist eine weitere Kategorie, in der wir uns irren können. Es gibt einen Konsens in Amerika, dass Israels rechter und linker Flügel für die gleichen Werte und die gleiche Politik stehen wie ihre Pendants in Großbritannien, den USA und Kanada. Aber das ist eine grobe Übervereinfachung. Es gibt viele Variablen, die in die politische Gleichung unserer nahöstlichen Oase einfließen. Die Gläubigen, die im Land leben, haben unterschiedliche Meinungen zu verschiedenen Themen, was Politik und Wahlen angeht. Nicht alle wählen die Likud, was manche fälschlicherweise als das Äquivalent der US-amerikanischen Republikanerpartei in Israel bezeichnen. Ebenso unterstützen nicht alle Bibi, und nicht viele stimmen mit dem Gedanken an Siedlungsbau überein, bei weitem nicht. Viele messianische Juden hier treten für die Legalisierung von zivilen Ehen ein, die Lockerung des Monopols des Rabbinats und die Durchsetzung ihrer religiösen Freiheiten als Minderheit in Israel. All das sind Wahlversprechen, die von zentristischen und linken Parteien gegeben werden. Viele enthalten sich ganz der Stimme.

Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass die Palästinenser in unserem Gebetsleben vernachlässigt werden, wenn wir für Israel beten. Wir sollten bedenken, dass es unter den Palästinensern starke Gläubige gibt, die den Herrn lieben. Und obwohl wir uns in unseren Meinungen und sogar in der Theologie stark unterscheiden mögen, ändert das nichts an der Tatsache, dass wir das Wesentliche des Glaubens teilen. Vergesslichkeit ist eine Sache, aber ich habe leider viele rassistische Äußerungen von Christen gehört, die sich gegen unsere arabischen Nachbarn und Mitbürger richteten. Es gibt so schon genug Spannungen in der israelischen Gesellschaft; lasst uns die Stimmen sein, die diesen Diskurs zerstreuen. Christus hat erfolgreich gezeigt, dass er die hasserfüllten Herzen der Menschen, sowohl der Juden als auch der Araber, zerbrechen und sie mit sich selbst versöhnen kann. Ich möchte Euch dringend bitten, für die Palästinenser zu beten. Seid eine Brücke, nicht eine Mauer.

Schließlich ist da noch das Thema der jüdischen Überlegenheit. Ich bin traurig über die Zahl der Gläubigen, die an der Vorstellung festhalten, dass die Juden geistliche Riesen unter den heidnischen geistlichen Grashüpfern sind. Ebenso gibt es Juden, die sich an der ihnen verliehenen Krone erfreuen und sich so sehen, als ob sie ihren Brüdern und Schwestern im Herrn einen Schritt voraus wären. „Gott hat sein Volk, das er vorherbestimmt hat, nicht verworfen“ (Römer 11,2). Ich wünschte, mehr Menschen würden diese schlichte biblische Wahrheit sehen, denn ich bin sicher, dass sie einige vorgefasste Meinungen über Israel zerstreuen kann. Gleichzeitig möchte ich diejenigen warnen, die den Juden auf ein Podest stellen: „Denn es ist kein Unterschied zwischen Jude und Nichtjude – derselbe Herr ist Herr über alle und segnet reichlich alle, die ihn anrufen…“ (Römer 9,12). Beten Sie für Israel, segnen Sie Israel, teilen Sie das Evangelium mit Israel als Gleichgestellte, als Miterben der Verheißungen Gottes.

Ich danke allen Lesern für Ihre Geduld und hoffe, dass Sie meine Offenheit zu schätzen wissen. Als gläubiger Jude, der im Land lebt, wärmt nichts mein Herz mehr, als der Anblick der Nationen an Sukkot, wenn alle vereint durch die Straßen Jerusalems ziehen und israelische Fahnen schwenken.

Am Anfang des Artikels habe ich erwähnt, dass eine gute Sache für uns zu einem Götzen werden und zwischen uns und Gottes Willen stehen kann. Zu der Frage, die die Jünger Jeschua kurz vor seinem Weggang stellten:

„Herr, wirst du zu dieser Zeit das Reich Israel wiederherstellen?“

Er antwortete:

„Es ist nicht an euch, die Zeiten oder Daten zu kennen, die der Vater in seiner eigenen Autorität festgelegt hat. Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch kommt; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“

Der Herr verlagert den Fokus seiner Jünger von Israel auf den Missionsbefehl, und ich glaube, dass dies unsere Priorität bleiben sollte, denn was gibt es Besseres, als Israel mit dem Evangelium der Erlösung zu segnen?

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