Der Bräutigam spricht einen Vers aus Psalm 137, um die Ehe zu besiegeln: „Vergesse ich dich, Jerusalem, so erlahme meine Rechte! Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich nicht an dich gedenke, wenn ich Jerusalem nicht über meine höchste Freude setze!“. Das bedeutet, dass eine jüdische Familie nur bestehen kann, wenn sie ihre Treue gegenüber Jerusalem kundtut. Mit anderen Worten, wenn sie nicht zumindest die Hoffnung auf eine Rückkehr nach Jerusalem hat. Jerusalem ist also für einen Juden eine Frage des Überlebens.
Jerusalem an sich hat, abgesehen vom Tempelberg, keine besondere religiöse Signifikanz. Es war der heiligste Ort, an dem das Volk Israel Gott nach seinen Geboten diente. Jerusalem war seit König David Hauptstadt, und es war das religiöse, politische und kulturelle Zentrum, sofern Juden im Land herrschten. Hierher hofften die Juden zurückzukehren, seit sie im Jahr 70 von dort verbannt worden waren.
Jerusalem ist nicht deshalb der heiligste Ort der Welt, weil David die Jebusiterstadt eroberte und zu seiner Residenz machte. Vielmehr war es David, der die Heiligkeit Jerusalems erkannte, denn nach jüdischer Tradition wurde an genau diesem Ort Adam erschaffen, hier brachten Kain und Abel ihr Opfer dar und hier legte Abraham seinen Sohn auf den Altar. Jakob träumte an dieser Stelle von der Himmelsleiter. Das zusammen genommen muss der Grund sein, dass David Jerusalem erwählte. Das Gelände um den Tempelberg kaufte er, anstatt es sich einfach zu nehmen.
Gott erwählte diesen Berg, weil sich, nach jüdischer Tradition, der Grundstein der Welt dort befindet. Deswegen wurde der Tempelberg „Wohnung des Allerheiligsten“, der Bundeslade.
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