Israel muss aus der Ermordung Shinzo Abe`s lernen

Die Lektion ist, dass die Drohungen gegen Benjamin Netanjahu nicht in dem Moment verschwunden sind, als er aufhörte, Premierminister zu sein.

| Themen: Benjamin Netanjahu, Japan
Japanische Bürger trauern um den ehemaligen Premierminister Shinzo Abe, der letzte Woche ermordet wurde. Foto: EPA-EFE/KIMIMASA MAYAMA

(JNS) Einer der dramatischsten Tage in der Amtszeit des früheren japanischen Premierministers Shinzo Abe ereignete sich, als er in Israel weilte. Im Januar 2015, während seines ersten Besuchs im jüdischen Staat, wurden zwei japanische Staatsbürger in Syrien vom Islamischen Staat entführt, der zu jener Zeit am stärksten war.

In einer Pressekonferenz, die Abe nach seiner Rückkehr von der Auslandsreise abhielt, machte er deutlich, dass er den Forderungen der Terroristen nicht nachgeben werde. Mindestens eine der beiden Geiseln bezahlte für Abes Entschlossenheit mit ihrem Leben.

Abes Besuch in Israel, bei dem er von hundert Geschäftsleuten und japanischen Regierungsvertretern begleitet wurde, führte zu einer wunderbaren Freundschaft zwischen Abe und dem damaligen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und stärkte die Beziehungen zwischen den beiden Ländern in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht. Im Jahr 2018 besuchte Abe Israel erneut, diesmal mit einer kleineren Entourage. Diese Verbindung machte Israel für japanische Investoren interessant.

In einer Zeit politischer Instabilität in Israel ist es besonders interessant zu wissen, dass, bevor Abe Premierminister wurde, sechs Politiker in einem Zeitraum von sechs Jahren dieses Amt innehatten und zwei weitere in den zwei Jahren seit Abes Rücktritt.

Darüber hinaus hat Abe in seiner achtjährigen Amtszeit als Premierminister mit den Konventionen hinsichtlich Japans Zurückhaltung auf der internationalen Bühne gebrochen, und seine kraftvolle Sprache ist ähnlich der Selbstwahrnehmung der Israelis.

Nach allem, was bislang über seine Ermordung bekannt ist, waren die Sicherheitsvorkehrungen mangelhaft, nur zwei Leibwächter schützten die mächtigste und nach wie vor umstrittene politische Persönlichkeit in Japan. Dies muss eine Lehre für die Sicherheitsexperten in Israel sein.

Jeder, der damit vertraut ist, wie die Sicherheit unserer Staatsoberhäupter gehandhabt wird, weiß, dass das Vorgehen irrational ist. Als Benjamin Netanjahu zum Beispiel aufhörte, Premierminister zu sein, wurde die Sicherheit um ihn herum erheblich reduziert und der dichte Kreis von Wachen auf seinen Nachfolger Naftali Bennett übertragen.

Sind die Drohungen gegen Netanjahu in dem Moment verstummt, als er Oppositionsführer wurde? Ging der tiefe Hass nahtlos auf Bennett über? Wir wissen natürlich, dass dies nicht der Fall ist.

Andererseits: War es gerechtfertigt, Bennetts Haus in Ra’anana zu befestigen – ohne Budgetbegrenzung und unter eklatanter Verletzung des Gesetzes -, auch wenn es sich um eine ständige Residenz des Ministerpräsidenten handelt? Ist es sinnvoll, dass die Leibwächter des Premierministers von hochrangigen Beamten verlangen, durch Sicherheitsscanner zu gehen, aber diejenigen, die sie im Fernsehen gesehen haben, davon ausnehmen? Ich habe diese Absurdität immer wieder mit eigenen Augen gesehen.

Als Sicherheitsorganisationen befolgen die Personenschutzeinheit des Shin Bet und die Sicherheitsabteilung des Büros des Premierministers die geltenden Vorschriften, dies aber mitunter ohne Gebrauch des gesunden Menschenverstandes. Zumindest in dieser Hinsicht sollte das Attentat auf Abe die Sicherheitsverantwortlichen in Israel aufrütteln.

 

Ariel Kahana ist der leitende diplomatische Kommentator von Israel Hayom.

Dieser Artikel wurde ursprünglich von Israel Hayom veröffentlicht.

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