Israel Heute Morgen – Gleiches Recht für alle?

Ein gestern von der Knesset verabschiedetes Gesetz für die Leihmutterschaft hatte gestern spontane Demonstrationen zur Folge, da Männer nicht berücksichtigt worden waren. Dem Gesetz zufolge dürfen jetzt Frauen Kinder mithilfe einer Leihmutter in Israel bekommen, Männer jedoch nicht.

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Guten Morgen liebe Leser!

Hatten wir nicht gerade erst Donnerstag? Diese Woche ist wie im Fluge vergangen. Für mich jedenfalls. Das mag daran liegen, dass ich in der letzten Zeit trotz der Sommerferien recht viel zu tun hatte. Nicht nur hier in der Redaktion, sondern außerhalנ der Arbeit. Immer wieder giנt es diese Erledigungen, die man machen muss, wir Behörden aufsuchen, der Einkommensteuer erklären, dass sich ihr Computer versehen habe, als er mir plötzlich astronomisch hohe angebliche Schulden zuschickte. Dann geht man zum Büro, erklärt der sehr netten Mitarbeiterin der Steuerbehörde, dass hier etwas schiefgelaufen sein muss, die Zahlungsforderung des Computers, immer ist der Computer schuld, wird aufgehoben, ich solle mir keine Sorgen machen. Und dann bekam ich gestern erneut so einen vom Computer erstellten Brief, der noch immer darauf besteht, dass ich zu zahlen habe. Jetzt kann ich also noch einmal zur Steuerbehörde gehen. So etwas macht Spass.

Aber ich will mich nicht nur beschweren, früher musste man sich einen Urlaubstag nehmen, wenn man zu einer Behörde gehen wollte. Besonders schlimm war es beim Passamt oder dem Verkehrsamt. Wenn man überhaupt eine Chance haben wollte, bis Mittags fertig zu sein, dann musste man schon sehr früh am Eingang stehen, um als einer der ersten eine Nummer zu ziehen. Aber gut, dass man überhaupt das System der Nummern eingeführt hat. Denn das Warten in einer Schlange war hier bei uns in Israel immer eine heile Sache.

An diesem Video ist etwas dran, aus eigener Erfahrung

Heute ist es längst nicht mehr so schlimm. Viele Dinge kann man heutzutage zuhause über das Internet erledigen, wie Anträge für Reisepässe und Personalausweise, Führerscheine und Zulassungen für das Auto. Der technische Fortschritt ist schon beeindruckend. Aber dennoch werde ich der lieben Steuer wohl noch einmal einen Besuch abstatten müssen. Der Computer muss doch irgendwie zu bändigen sein.

Und jetzt zu einem Thema, dass seit gestern die Berichte in unseren Medien beherrscht. Es geht um ein Gesetz, das sich mit der Leihmutterschaft beschäftigt und gestern von der Knesset verabschiedet wurde und am gestrigen Nachmittag zu spontanen Demonstrationen führte. Denn in dem Gesetz wurden, entgegen dem angeblichen Versprechen von Ministerpräsident Netanjahu, nur alleinstehende Mütter berücksichtigt, die sich ein Kind wünschen. Männer wurden nicht mit in des Gesetz einbezogen, was bedeutet, dass homosexuelle Männer auch weiterhin von der Möglichkeit, in Israel ein Kind per Leihmutterschaft zu bekommen ausgeschlossen sind. Mir ist klar, liebe Leser, das es sich hier um ein Thema handelt, dass viele von Ihnen nicht gerne haben und ablehnen. Aber dennoch beschäftigt es uns hier in Israel. Und daher schreibe ich Ihnen darüber. nicht darüber zu berichten, würde nicht bedeuten, dass es dieses Theme nicht gibt bei uns. Gestern gingen also zahlreiche Mitglieder der sogenannten „stolzen Gemeinde“ und besonders homosecuelle Männer auf die Straße, um gegen dieses Gesetz zu demonstrieren, das, wie sie sagen, die Männer diskriminiere. Warum dürften Frauen ein Kinde per Leihmutterschaft bekommen und Männer nicht, sagen sie. Es geht hier um die Leihmutterschaft in Israel. Bis heute müssen sich daher die Männer im Ausland, heute meistens in den USA und in Kanada, nach einer Leihmutter umsehen, die ganze Prozedur kann jahrelang dauern und ist mit sehr viel Bürokratie verbunden. Es geht hier übrigens nicht nur um homosexuelle Männer, sondern auch um die Männer, die alleine leben und dennoch gerne ein eigenes Kind haben wollen. Es geht darum, gleiches Recht für alle zu bekommen. Warum, darf eine Frau ein Kind per Leihmutter in Israel bekommen und ein Mann nicht? Das ist die Frage.

Netanjahu wurde gestern heftig kritisiert, da er am Ende, trotz seines Versprechens, für das Gesetz und gegen die Mnner gestimt hat. Danach beeilte er sich und veröffentlichte ein Video, in dem er erklärte, warum er dem Gesetz zugestimmt hatte, in dem es um die Leimutterschaft für Frauen ging und die Männer nicht berücksichtigte. Er erklärte, dass er erst einmal sicher gehen wollte, den Frauen die Leihmutterschaft zu ermöglichen, denn wenn er dabei auch die Männer mit ins Gesetz übernommen hätte, wäre es wohl nicht durchgekommen, nicht alle Koalitionsparteien hätten da mitgespielt. Netanjahu betonte dann, dass, wenn ein gesondertes Gesetz für die Leihmutterschaft für Männer eingereicht werden würde, er dieses Gesetz unterstützen werde.

Demonstration gestern in Tel Aviv (Foto: Miriam Alster/Flash90)

Für Sonntag haben die Mitglieder der LGBT-Gemeinde jetzt einen Streik ausgerufen. Man fühle sich vom Staat im Stich gelassen, diskriminiert, sagte ein Mann gestern in einem Radiointerview. Er habe der Armee geschrieben, dass er nicht zum nächsten Reservedienst antreten werde, sollte der Staat ihn weiter diskriminieren. Er habe jahrelang durch seinen Reservedienst in der Armee dem Staat gedient und würde jetzt von ihm im Stich gelassen werden, sagte er. Er war nicht der einzige homosexuelle Reservist, der seinen Reservedienst jetzt verweigern möchte, dieser Schritt, den Dienst in der Armee zu verweigern, ist schon sehr umstritten, hier geht es um den Schutz des Staates und seiner Bürger. Ich bin gespannt, wie es jetzt weitergehen wird. Auch mit Themen wie diese muss man hier im Land klarkommen.

Und jetzt bin ich Ihnen noch das Wetter schuldig. Hier gibt es nichts Neues, es ist warm, Sommer. Hier ist das Wetter für heute in Israel:

Teils bewölkt bis heiter mit einem leichten Rückgang der Temperaturen, besonders in den Bergen und im Landesinneren. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 30 Grad, Tel Aviv 30 Grad, Haifa 29 Grad, Tiberias am See Genezareth 39 Grad, am Toten Meer 41 Grad, Beersheva 34 Grad, Eilat am Roten Meer 42 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei -213.83 m unter dem Meeresspiegel.

Sollte das heutige Thema zu einer Diskussion führen, so bitte ich Sie darum, sachlich zu bleiben und die Meinung und den Glauben des anders Denkenden zu respektieren. Leider kommt es oft zu Kommentaren, in denen zum Teil beleidigende Worte verwendet werden, das muß nicht sein. Und nun wünsche ich Ihnen einen angenehmen und friedlichen Donnerstag. Machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem!

Dov

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