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Israel gedenkt der Opfer des 7. Oktober – drei Jahre nach dem Massaker

Drei Jahre nach dem Hamas-Überfall erinnert Israel heute mit staatlichen Zeremonien an die Ermordeten und Gefallenen. Armeechef Eyal Zamir räumt erneut das Versagen der IDF ein: „Wir haben bei unserer wichtigsten Aufgabe versagt.“

Besucher auf dem Gelände des Nova-Musikfestivals bei Re’im im Süden Israels, wo beim Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 Hunderte Menschen ermordet wurden. 4. Oktober 2026. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

Israel begeht heute, Montag, den staatlichen Gedenktag für die Opfer des Massakers vom 7. Oktober 2023 und die Gefallenen des anschließenden Krieges. Drei Jahre nach dem schwersten Terrorangriff in der Geschichte des Staates finden in Jerusalem und im ganzen Land Gedenkveranstaltungen statt. Im Mittelpunkt stehen die Ermordeten, die Gefallenen der Sicherheitskräfte und die Familien, deren Leben sich an jenem Schabbat für immer veränderte.

Um 6.29 Uhr, zu jener Uhrzeit, zu der am 7. Oktober 2023 der Hamas-Angriff begann, wurde am Amtssitz von Staatspräsident Isaac Herzog in Jerusalem die israelische Flagge auf halbmast gesetzt. Herzog erklärte, dies geschehe als Zeichen der Erinnerung und des Respekts gegenüber den Ermordeten und Gefallenen des Terrorangriffs vom 7. Oktober und des Krieges „Eiserne Schwerter“. Er erinnerte zugleich an alle, die körperlich und seelisch verletzt wurden und die Wunden des 7. Oktober und des Krieges bis heute tragen.


Die zentralen staatlichen Zeremonien finden auf dem Herzlberg in Jerusalem statt. Um 11 Uhr beginnt dort eine vom Verteidigungsministerium organisierte Gedenkfeier für die seit dem 7. Oktober gefallenen Angehörigen der Sicherheitskräfte. An der Zeremonie nehmen unter anderem Staatspräsident Isaac Herzog, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Verteidigungsminister Israel Katz, Generalstabschef Eyal Zamir sowie weitere Spitzenvertreter der Sicherheitsorgane teil.

Eine zweite staatliche Zeremonie ist für 14 Uhr am Denkmal für die Opfer feindlicher Handlungen auf dem Herzlberg vorgesehen. Sie richtet sich insbesondere an die Familien der Zivilisten, die beim Massaker vom 7. Oktober und bei weiteren Terrorangriffen seit Beginn des Krieges getötet wurden. Die Teilnahme an beiden Veranstaltungen ist aus Sicherheitsgründen nur nach vorheriger Anmeldung möglich.

Nach aktuellen Zahlen des Verteidigungsministeriums sind seit dem Morgen des 7. Oktober 2023 insgesamt 1.318 Angehörige der israelischen Sicherheitskräfte gefallen. Dazu zählen neben Soldaten der israelischen Armee auch Angehörige der Polizei, des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, des Strafvollzugs und der Feuerwehr sowie Mitglieder örtlicher Sicherheitskräfte und Bereitschaftseinheiten. Mehr als 7.150 Menschen kamen seit Beginn des Krieges neu zum Kreis der unmittelbaren Hinterbliebenen hinzu, darunter 2.143 Eltern, 355 Witwen, 880 Waisen sowie 3.772 Geschwister.


Bereits am frühen Montagmorgen veröffentlichte Generalstabschef Eyal Zamir einen Tagesbefehl zum dritten Jahrestag des Massakers. Darin sprach er ungewöhnlich deutlich über das Versagen der Armee am 7. Oktober.

„Die IDF hat bei ihrer wichtigsten Aufgabe versagt, die Bürger des Staates Israel zu schützen“, erklärte Zamir. An jenem Morgen seien die israelischen Grenzen durchbrochen worden, während in den Kibbutzim und Städten des westlichen Negev Orte des Lebens zu Schauplätzen von Massakern und Entführungen geworden seien.

Zamir erinnerte an die Menschen, die in ihren Häusern ermordet wurden, an die jungen Besucher des Nova-Musikfestivals, an die Geiseln, die in der Gefangenschaft getötet wurden, sowie an Soldaten, Polizisten, Mitglieder der örtlichen Bereitschaftseinheiten und Rettungskräfte, die im Kampf ums Leben kamen.


Zugleich betonte der Generalstabschef die Verantwortung der Armee, aus dem Versagen Konsequenzen zu ziehen. Es sei die Pflicht der IDF, die Ereignisse gründlich zu untersuchen und sicherzustellen, dass die daraus gezogenen Lehren tatsächlich umgesetzt würden. Israel werde seinen Feinden nicht mehr gestatten, sich ungehindert militärisch aufzubauen. Bedrohungen müssten erkannt werden, während sie entstünden, und entschlossen bekämpft werden.

Der 7. Oktober 2023 begann mit einem massiven Raketenangriff der Hamas und anderer Terrororganisationen aus dem Gazastreifen. Tausende Terroristen durchbrachen anschließend die israelische Grenze, drangen in Ortschaften, Armeestützpunkte und das Gelände des Nova-Musikfestivals ein und ermordeten rund 1.200 Menschen. 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Die Folgen dieses Tages reichen weit über die unmittelbaren Opfer des Massakers hinaus. Nach Angaben der israelischen Nationalversicherung waren bis zum diesjährigen allgemeinen Gedenktag im April 1.017 israelische Zivilisten seit Beginn des Krieges durch Terror und feindliche Angriffe ums Leben gekommen. Darin enthalten sind sowohl die Opfer des 7. Oktober als auch Menschen, die später bei Terroranschlägen und feindlichen Angriffen getötet wurden.

Der diesjährige Gedenktag besitzt zugleich eine besondere Bedeutung. Im Sommer verabschiedete die Knesset ein Gesetz zur dauerhaften Erinnerung an das Massaker und die damaligen Heldentaten. Es sieht einen nationalen Gedenktag, staatliche Zeremonien, besondere Veranstaltungen im Bildungssystem sowie langfristig eine nationale Gedenkstätte und ein Museum im westlichen Negev vor. Das Gesetz soll die Erinnerung an die Opfer bewahren, zugleich aber auch die Geschichten jener Menschen festhalten, die am 7. Oktober unter Einsatz ihres Lebens andere retteten.

Während der Staat seine offiziellen Zeremonien am heutigen 5. Oktober abhält, werden am Mittwoch, dem 7. Oktober, weitere große Gedenkveranstaltungen stattfinden. Angehörige von Opfern, Überlebende und ehemalige Geiseln organisieren unter anderem eine zentrale Veranstaltung; auch am Gelände des Nova-Festivals bei Re’im wird an die Ermordeten erinnert. Damit verteilt sich das Gedenken in diesem Jahr auf mehrere Tage.

Drei Jahre nach dem Massaker steht dabei neben Trauer und Erinnerung weiterhin die Frage im Raum, wie es zu dem Zusammenbruch der israelischen Sicherheitsmechanismen kommen konnte. Zamirs Erklärung macht deutlich, dass die Armee ihre eigene Verantwortung anerkennt. „Wir werden die Erinnerung an die Gefallenen und die Lehren des 7. Oktober mit uns tragen“, erklärte der Generalstabschef. Ziel sei eine Zukunft, in der die Bürger Israels wieder sicher in ihrem Land leben könnten.

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Patrick Callahan

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