Naher Osten

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Iran droht bei neuen Angriffen mit Vergeltung ohne geografische Grenzen

Irans Oberster Führer Mojtaba Khamenei ordnet eine militärische Reaktion ohne geografische Beschränkungen an. Auch Israel bereitet sich auf eine mögliche Eskalation vor, während Katar um eine diplomatische Lösung bemüht ist.

Iranische Soldaten mit Nationalflaggen vor einem Porträt des Obersten Führers Mojtaba Khamenei bei einer Kundgebung in Teheran am 29. April 2026. Foto: EPA/ABEDIN TAHERKENAREH

Der iranische Oberste Führer Mojtaba Khamenei hat Israel und den Vereinigten Staaten mit einer umfassenden militärischen Reaktion gedroht, sollten sie erneut Angriffe auf die Islamische Republik durchführen. In einer am Samstag veröffentlichten Erklärung forderte er die iranischen Streitkräfte auf, auf jede Bedrohung unverzüglich, wirksam und ohne geografische Beschränkungen zu reagieren.

Zugleich ordnete Khamenei an, die Liste möglicher militärischer Ziele umfassend zu aktualisieren. Dabei sollen sämtliche materiellen und immateriellen Einrichtungen und Vermögenswerte der USA und Israels berücksichtigt werden, die sich in Reichweite der iranischen Streitkräfte befinden. Die militärische Einsatzbereitschaft bezeichnete er als Voraussetzung für eine möglichst wirksame Abschreckung.

Sollten die Gegner Irans erneut militärische oder terroristische Angriffe beginnen, würden die iranischen Streitkräfte und das iranische Volk selbst über den Zeitpunkt und die Bedingungen für deren Beendigung entscheiden, hieß es in der Erklärung.

Die Anweisungen wurden nach iranischen Angaben bei einem Treffen Khameneis mit hochrangigen Militärvertretern erteilt. Daran sollen Generalstabschef Ali Abdollahi, Armeechef Amir Hatami und der Kommandeur der Revolutionsgarden, Ahmad Vahidi, teilgenommen haben.

Wie das amerikanische Nachrichtenportal Axios berichtet, wäre dies das erste öffentlich bekannt gewordene Treffen Khameneis mit den drei ranghöchsten Militärkommandeuren seit Beginn des Krieges Ende Februar.

Seit seiner Ernennung zum Obersten Führer ist Mojtaba Khamenei nicht öffentlich aufgetreten. Seine Anweisungen und Stellungnahmen werden überwiegend schriftlich verbreitet. Ob das jüngste Treffen mit den hochrangigen Militärvertretern tatsächlich stattgefunden hat, konnte bislang nicht unabhängig bestätigt werden.

Auch die iranische Armeeführung verschärfte ihre Warnungen. Armeesprecher Mohammad Akraminia erklärte, ein erneuter amerikanischer Angriff könne den Krieg auf weitere Teile der Region ausweiten. Damit deutet Teheran an, dass mögliche Vergeltungsschläge nicht auf Israel oder amerikanische Militärstellungen in unmittelbarer Nähe Irans beschränkt bleiben müssten.

Israel bereitet sich auf mögliche Eskalation vor

Auch Israel bereitet sich auf eine mögliche erneute militärische Auseinandersetzung mit Iran vor. Israelischen Medienberichten zufolge hat die israelische Armee ihre defensiven und offensiven Vorbereitungen für eine weitere Konfrontation abgeschlossen. Demnach trafen in der vergangenen Woche zehn amerikanische Militärtransportflugzeuge auf israelischen Luftwaffenstützpunkten ein. Auch die israelische Luftwaffe führte Übungen für mögliche weitere Einsätze durch.

Ein Kampfflugzeug der israelischen Luftwaffe über Zentralisrael am 28. Oktober 2026. Foto: Nati Shohat/Flash90.

Die israelischen Sicherheitsbehörden rechnen mit der Möglichkeit, dass Iran auf einen erneuten amerikanischen oder gemeinsamen amerikanisch-israelischen Angriff mit Raketenbeschuss reagieren könnte. Gleichzeitig wird eine mögliche Beteiligung der Hisbollah im Libanon berücksichtigt.

Die israelische Sicherheitsführung verfolgt auch die diplomatischen Bemühungen zwischen Washington und Teheran aufmerksam. Nach Angaben der Jerusalem Post hält sich die Armee für verschiedene militärische Szenarien bereit. Eine Entscheidung über einen erneuten amerikanisch-israelischen Militäreinsatz liegt nach den vorliegenden Berichten noch nicht vor.

Diplomatische Bemühungen trotz militärischer Drohungen

Die neuen Drohungen erfolgen zu einem Zeitpunkt, an dem Vermittler aus Katar versuchen, eine Wiederaufnahme der Kämpfe zwischen Iran und den Vereinigten Staaten zu verhindern.

Medienberichten zufolge fanden am Freitag mehr als zwölfstündige Gespräche zwischen iranischen und katarischen Vertretern in Teheran statt. Am Samstag wurden die Verhandlungen in Doha fortgesetzt. Die Vermittler standen dabei in regelmäßigem Kontakt mit Washington.

Die Gespräche sollen Möglichkeiten ausloten, eine erneute militärische Konfrontation zu verhindern. Hintergrund sind Befürchtungen, dass die Vereinigten Staaten nach den Zwischenwahlen am 3. November erneut iranische Ziele angreifen könnten.

Auch Washington hält sich eine diplomatische Lösung offen. US-Außenminister Marco Rubio erklärte am Samstag, Präsident Donald Trump habe noch keine Entscheidung über mögliche weitere Militärschläge gegen Iran getroffen. Trump bevorzuge eine diplomatische Lösung, die Vereinigten Staaten seien jedoch auf einen erneuten Militäreinsatz vorbereitet.

Für zusätzliche diplomatische Bewegung sorgte ein Schreiben von US-Vizepräsident JD Vance an den iranischen Sicherheitsverantwortlichen Mohsen Rezaei. Während amerikanische Medien darin einen Versuch zur Wiederaufnahme der Verhandlungen sehen, widersprach Präsident Trump dieser Darstellung. Auf die Frage, ob er Vance mit der Aufnahme von Friedensgesprächen beauftragt habe, antwortete er mit Nein. Bei dem Kontakt sei es vielmehr um die Lieferung medizinischer Hilfsgüter nach Iran gegangen.


Ein wesentlicher Streitpunkt bleibt die Straße von Hormus. Die für den internationalen Öltransport wichtige Meerenge ist seit Beginn des Krieges erheblich beeinträchtigt. Iran hat die Durchfahrt stark eingeschränkt und beansprucht die Kontrolle über die Schifffahrt in diesem Gebiet.

Araghchi erklärte, Vermittler hätten einen Vorschlag zur vollständigen Wiederöffnung der Meerenge innerhalb von zwei Tagen ausgearbeitet. Eine Einigung zwischen Washington und Teheran liegt bislang jedoch nicht vor.

Die iranischen Drohungen und die gleichzeitig laufenden Vermittlungsbemühungen verdeutlichen die weiterhin angespannte Lage im Nahen Osten. Während Teheran seine militärische Abschreckung verstärken und mögliche Angriffsziele ausweiten will, bemühen sich internationale Vermittler darum, eine erneute Eskalation des Konflikts zu verhindern. Ob die diplomatischen Kontakte zu einer Einigung führen, bleibt offen.

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Patrick Callahan

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