Held oder Mörder?

Der Vorfall in Hebron beherrscht in Israel nach wie vor die Schlagzeilen. Die Videoaufnahmen, veröffentlicht von der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem, zeigen, wie ein israelischer Soldat einen bereits am Boden liegenden Terroristen erschießt. Das Ganze geschieht etwa zehn Minuten nachdem der palästinensische Terrorist mit einem weiteren Attentäter einen israelischen Soldaten mit Messern angriffen hat und bereits neutralisiert worden ist.

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Der Vorfall in Hebron beherrscht in Israel nach wie vor die Schlagzeilen. Die Videoaufnahmen, veröffentlicht von der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem, zeigen, wie ein israelischer Soldat einen bereits am Boden liegenden Terroristen erschießt. Das Ganze geschieht etwa zehn Minuten nachdem der palästinensische Terrorist mit einem weiteren Attentäter einen israelischen Soldaten mit Messern angriffen hat und bereits neutralisiert worden ist.

Weltöffentlichkeit und Palästinenser verurteilen die Tat als Hinrichtung. In Israel ist sich das Volk darüber uneinig, ob der Todesschuss gerechtfertigt war, ob dies ein Mord oder überhaupt notwendig war. Der 19-Jährige Soldat wurde noch am Tatort festgenommen. Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon und Generalstabschef Gadi Eisenkot erklärten, man werde den Fall mit äußerster Sorgfalt und Strenge untersuchen.

Anderer Meinung ist Minister Naftali Bennett, der von einer Rückendeckung der israelischen Soldaten spricht. „Anstatt ihn als Mörder zu verurteilen, sage ich, dass wir die Situation zuerst untersuchen müssen. Israels Soldaten beschützen uns und das dürfen wir nicht vergessen.“ Bennett und andere Minister, darunter Ofir Akunis, übernahmen die Verteidigungslinie der Anwälte des israelischen Soldaten. Demnach habe dieser geglaubt, der angeschossene Attentäter habe vielleicht einen Sprengstoffgürtel getragen. „Er ist kein Mörder. Wir sind im Krieg, einem Krieg gegen brutalen Terror“, so Bennett und Akunis.

Viele haben noch folgende Begebenheit im Hinterkopf: Im Jahr 2005 hatte das Befolgen eines Befehls schwerwiegende Folgen für Ori Binamo und seinen Kameraden Dror Sicherman. Sie hatten eine Warnung vor einem Selbstmordattentäter erhalten, der sich auf dem Weg zu einer Chanukka-Party befand, wo er sich in die Luft zu jagen wollte. Die beiden Soldaten kontrollierten daher Fahrzeuge. Sie erwischten den Täter, der einen viel zu dicken Mantel für das Wetter trug. Dror wollte ihn neutralisieren, weil er ein Bauchgefühl hatte. Doch Ori entschied sich, den Verdächtigen erst zu untersuchen. Bei der Bitte, das Hemd hochzunehmen, zündete der Terrorist seinen 30kg Sprenggürtel, tötete Ori und verletzte Dror schwer.

In den sozialen Netzwerken in Israel steht die große Mehrheit mit 82% hinter dem jungen Soldaten, der den palästinensischen Terroristen erschossen hat. (Im Bild eine Demonstration zugunsten des Soldaten in Beth Shemesh) Dies ergab eine Studie des israelischen Instituts Buzzilla, die dafür alle Daten bei Facebook und Twitter untersuchte. Im Zweiten Fernsehkanal wurde ebenso eine Umfrage veröffentlicht, demnach die Mehrheit von 66% der israelischen Bevölkerung den israelischen Soldaten versteht. 42% der Israelis sehen in seiner Tat ein verantwortliches Verhalten, 24% sehen in seiner Tat eine natürliche Reaktion unter Druck. Nur 19% der Israelis sind der Meinung, er habe falsch reagiert und nicht auf die Befehle gehört. 5% bezeichnen die Tat gar als Mord. Darüber hinaus haben sich in derselben Umfrage 68% der Israelis gegen die heftige Kritik von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und seinem Verteidigungsminister gegen den jungen israelischen Soldaten geäußert.

Auf alle Fälle befasst sich Israel mit diesem Fall, vielleicht nicht so wie es sich die westliche Welt wünscht, aber dennoch wurde der Soldat verhaftet und soll nun vor Gericht gebracht werden. In den letzten sieben Monaten wurden 34 Israelis von palästinensischen Terroristen ermordet und über 400 verletzt. Gemäß Angaben der israelischen Polizei wurden bisher 211 Messerattacken gezählt, 83 Terroranschläge mit Schusswaffen und 42 Terrorangriffe mit Autos. Die meisten palästinensischen Terroristen wurden neutralisiert, entweder verletzt oder getötet. Auch dies wird in den ausländischen Medien oft als Hinrichtung bezeichnet. Damit wird automatisch das Vorgehen verzerrt, demnach der Angreifer zum Opfer wird und das Opfer zum Täter.

In dieser angespannten Terrorepoche, wo fast jeder Palästinenser als potentieller Terrorist in Israels Ortschaften betrachtet wird, können auch Vorfälle geschehen, die vielleicht nicht passieren sollten. Die Frage ist, wie die Regierung darauf reagiert. Der rechte Tempel-Aktivist Jehuda Glick, der vor über einem Jahr selbst von einem palästinensischen Terroristen schwer verletzt worden ist, sagte dazu: „Es ist die Aufgabe des Soldaten sich zu verteidigen. Ich mag es nicht, dass dieser Soldat als Mörder bezeichnet wird, aber ich mag es auch nicht, dass dieser Soldat von vielen als nationaler Held betrachtet wird.“

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