Schneider Aviel

Heiligabend in der Jerusalemer Altstadt

Aviel Schneider verbrachte den Heiligabend in der Altstadt von Jerusalem. Hier sind seine Eindrücke.

| Themen: Weihnachten
Foto: Nati Shohat/Flash90

Nach dem Essen zum Beginn des Schabbats am Freitagabend entschlossen wir uns, Anat und ich, Heiligabend in der Jerusalemer Altstadt zu feiern. Interessanterweise handelte der biblische Wochenabschnitt zu Heiligabend von der Geburt von Mose, der erste Erlöser des Volkes Israel. Juden und Christen feierten am selben Wochenende die Geburt ihrer Erlöser, Mose und Jesus.

Gegen neun Uhr abends parkten wir unser Auto am Zionstor und spazierten durch die Gassen der Altstadt in Richtung Christchurch am Jaffator. Wir dachten zunächst, die Messe in der Dormitio-Abtei zu besuchen, aber die Kirche war geschlossen. Die Dormitio-Abtei ist eine deutschsprachige Benediktiner-Abtei auf dem Berg Zion in Jerusalem.

Die sonst verlassenen und dunklen Gassen waren an diesem Abend überfüllt von Menschen. Entweder orthodoxe Juden, die nach dem Schabbatmahl spazieren gingen oder Israelis, die zu Weihnachten die verschiedenen Kirchen und Messen in der Jerusalemer Altstadt besuchen wollten. Neben den schwarzen Hüten der orthodoxen Juden waren oft rotweiße Nikolausmützen zu sehen. Alles stimmte an diesem Abend. Heiligabend in Jerusalem im christlichen und armenischen Viertel ist etwas ganz besonders. Wie Heiligabend in einer anderen Zeit.

Christchurch am Jaffator

An der Christchurch gab es ein öffentliches Happening, es ist ein Treffpunkt messianischer Juden. Zahlreiche Israelis besuchten die Kirche und neben den Erklärungen gab es auch Glühwein.

Wir gingen weiter durch die Gassen, vorbei am griechisch-orthodoxen Patriarchat und erreichten dann die Terra Sancta Kirche, eine katholische Kirche mit lateinischen Gebeten und Weihrauch.

Als wir unseren Spaziergang fortsetzten, empfiehl uns jemand, in die Erlöserkirche zu gehen. Wir gingen an der Grabeskirche vorbei und erreichten die lutherische Kirche. Dort musste jeder seinen grünen Impfausweis vorzeigen, um die Kirche betreten zu dürfen. Vor Beginn der Messe wurden alle Israelis freundlich auf Hebräisch zur Weihnachtsmesse begrüßt. Außer der Predigt wurde in der Messe alles gesungen, sogar das Lukas Evangelium. Die Kirche war vollbesetzt, die Mehrheit wahrscheinlich Israelis. Als der musikalische Leiter den Chor mit „Stille Nacht, Heilige Nacht“ anstimmte, rief er nach der ersten Strophe das Publikum auf mitzusingen. Es hallte in der Kirche, es hörte sich an, als ob alle mitgesungen haben, auch die Israelis neben und vor mir.

Auch „Tochter Zion“ haben Israelis mitgesungen. In der Kirche hört sich halt jede Musik schön an. Die Akustik. Nach der Messe wurde außerhalb der Kirche ebenso Glühwein verteilt und die Israelis lieben den heißen Punsch.

Die Nacht war kalt. Um die drei bis fünf Grad. Hier und dort trafen wir unterwegs Freunde, die alle die verschiedenen Messen besuchen wollten. Danach ging es weiter durch die Via Dolorosa und überall waren kleine Gruppen von Israelis zusehen, denen in der Nacht von Heiligabend die Geburt Jesu erklärt wurde und wie sich das Christentum über die Jahrtausende hinweg aus dem Judentum entwickelte. Eine spannende Geschichte, die in den Gassen der Jerusalemer Altstadt eine lebendige Bedeutung bekommt.

Jerusalem ist das Zentrum der Welt, hier hat die Geschichte begonnen. Eine umstrittene Stadt, die fast niemals so richtig zur Ruhe kommt. Aber in dieser Nacht war doch alles ruhig, trotz der dunklen Gassen und mit der Geschichte und der Geburt des Erlösers im Kopf. Ein stille und heilige Nacht in Jerusalem. 

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