Schneider Aviel

Gedankenaustausch im Freestyle

Der biblische Gedankenaustausch im Freestyle gehört im Heiligen Land zum Bibelstudium

Solange man die Bibel für sich selbst liest, versteht und diskutiert, bleibt alles in uns verborgen, ähnlich wie ein Schatz. Trägt man seine Idee nach außen, belehrt man sich gegenseitig.,Bibelstudium in der Wüste Foto: Gershon Elinson/Flash90

Schalom liebe Leser!

Wenn es um unsere Gedanken geht, ist „Freestyle“ gewiss nicht einfach, für keinen von uns. Das ist mir neulich im Rahmen einer Diskussion aufgefallen. Wir alle haben ein vorgefertigtes Weltbild, das unseren Vorstellungen, Erkenntnissen, Gefühlen und unserer Erziehung entspricht. Wir sind von unserem Umfeld, unserer Sprache, Kultur und den Menschen um uns herum beeinflusst worden. All das prägt auch unseren Glauben und unsere Vorstellung von Gott.

Wir alle lesen dieselbe Bibel, kommen aber oft zu verschieden Gedanken und Schlussfolgerungen, die uns den biblischen Text und Geschichten unterschiedlich interpretieren. Nicht umsonst heißt es im Judentum, dass die „Bibel siebzig Gesichter“ habe. Solange man die Bibel für sich selbst liest, versteht und diskutiert, bleibt alles in uns verborgen, ähnlich wie ein Schatz. Trägt man seine Idee nach außen, belehrt man sich gegenseitig. Dann wird es spannend, wenn fremde Ideen und Gedanken ein neues Licht auf etwas werfen, was man vorher in der Bibel bislang übersehen hat. Mir persönlich ist es schon oft so ergangen, beispielsweise beim Debattieren mit Freunden, Kollegen, Anat und meinen Kindern. Oft wird der Text lebendig und erzeugt einen tieferen Einblick. Auch wenn ich nicht immer mit allen Ideen einverstanden bin, so vermitteln sie mir doch neue Gedanken. So auch in dem Fall, wo ich mir einmal ein Jahr lang den Kopf zerbrochen habe, warum trotz Verbot „Du sollst nicht morden“ beim ersten Mord in der Bibel das Wort „Töten“ benutzt wird. Ein andermal dazu mehr!

Viele Menschen weigern sich oft, neue Gedanken, Ideen und Anregungen zu hören, besonders wenn diese in ihren Augen einfach keinen Sinn ergeben. Der biblische Gedankenaustausch im Freestyle gehört dagegen im Heiligen Land zum Bibelstudium. In den Thoraschulen studiert man die Bibel immer zu zweit, denn damit bereichert man sich gegenseitig mit Ideen und Eindrücken. Als ich kürzlich in der Schweiz den Vers aus der hebräischen Bibel übersetzte, wo es heißt „Noah war gerecht und naiv in seiner Generation und Noah wandelte mit Gott“, hatten einige Schwierigkeiten. Das passte nicht in ihre Vorstellung, denn Noah rettete die Welt, er war ein Held und im Neuen Testament wird er als „Prediger der Gerechtigkeit“ erwähnt. Trotzdem kommt im hebräischen Text auch das Wort „naiv“ vor, das steht nunmal so da. Naiv muss aber nicht unbedingt negativ sein, übrigens werden auch die Erzväter als naiv beschrieben.

Solche Dialoge und Smalltalks bewegen uns! Das macht Worte lebendig. Das ist Israel Heute. Das ist, wer wir sind und das ist unsere Art zu schreiben und zu reden, in der Zeitung, im Internet und bei Vorträgen.

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